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Betreiber in der Kritik : Virusfalle Pflegeheim

Abstandhalten schwierig: Auf dem Höhepunkt der Krise waren rund 30 Prozent der europäischen Korian-Häuser betroffen. Bild: AFP

Frankreichs private Betreiber, die auch Deutschland erobern, stehen in der Kritik wegen ihres Umgangs mit dem Coronavirus. Doch sind die Vorwürfe berechtigt?

          4 Min.

          Frankreichs private Betreiber von Pflegeheimen sind in Europa eine Großmacht. Sie machen Milliardenumsätze, denn sie führen Tausende von Heimen und Spezialkliniken. Korian, die Nummer eins in Europa, ist auch in Deutschland der Marktführer unter den privaten Pflegeheimen. Einige der mehr als 1000 Einrichtungen des Konkurrenten Orpea liegen sogar in China; in Paris bewerten die Aktionäre Orpea derzeit mit 6,6 Milliarden Euro.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Doch die Coronavirus-Krise hat die Unternehmen einer schweren Bewährungsprobe ausgesetzt. Mehr als 10.000 Menschen sind in den französischen Pflegeheimen dem Coronavirus erlegen. Hinzu kommen jene Heimbewohner, die im Krankenhaus starben. Nach offiziellen Schätzungen betraf rund die Hälfte der etwa 30.000 französischen Todesfälle Senioren aus Altersheimen.

          „Aufgrund unserer Heime in China waren wir sehr früh gewarnt“

          Ein Viertel der Pflegeheime Frankreichs befindet sich in privater Hand, der Rest verteilt sich auf gemeinnützige und staatliche Häuser. Besonders der europäische Marktführer Korian ist nun unter Beschuss geraten. In einem seiner Pflegeheime nördlich von Cannes starb fast ein Drittel der Bewohner. Angehörige haben Klagen eingereicht, linksgerichtete Gewerkschaften und Politiker protestierten. „Die Rendite steht bei denen einfach im Vordergrund. So wie die Regierung haben sie die Krise schlecht gemanagt. Beim Material wurde gespart“, sagt etwa der Vertreter der Gewerkschaft CGT bei Korian, Albert Papadacci.

          Doch ist es wirklich so einfach? Zum einen ist nicht bekannt, ob in den privaten Pflegeheimen mehr Menschen starben als in den öffentlichen Häusern, denn es gibt bisher keine offizielle Statistik. Der kritische Gewerkschaftsführer Papadacci räumt ein, dass die staatlichen Heime nicht allgemein besser seien, „denn dort wird ja auch an allen Ecken und Enden gespart“. Die privaten Anbieter sind die einzigen, die zu den Sterbezahlen kommunizieren. Bei Korian kam es bis Ende Mai wegen Corona zu 716 Todesfällen in 308 französischen Häusern, bei Orpea waren es 475 Todesfälle, die weitgehend in 225 französischen Pflegeheimen auftraten.

          Orpea hat es verstanden, sich kommunikativ weitgehend aus der Schusslinie zu nehmen. „Aufgrund unserer Heime in China waren wir sehr früh gewarnt“, sagt der Frankreich-Chef Jean-Christophe Romersi, der F.A.Z. „Wir haben sehr früh unsere Heime für Besucher geschlossen und massiv getestet.“ Allerdings hat dies auch nicht verhindern können, dass Orpea durchschnittlich je Pflegeheim eine ähnlich hohe Todesrate aufweist wie der Erzrivale Korian.

          Nicht mehr als ein Prozent der Belegschaft beteiligt

          Die Statistiken sind dabei mit spitzen Fingern anzufassen. Denn die Einrichtungen können nicht isoliert von ihrem Umfeld betrachtet werden. Was kann ein Pflegeheim tun, wenn das nahe gelegene Krankenhaus die Aufnahme älterer Patienten einfach verweigert? Dazu ist es wegen der knappen Intensivbetten auf dem Höhepunkt der Covid-Krise in Frankreich immer wieder gekommen. Alle Akteure des Pflege- und Gesundheitswesens litten unter ähnlichen Missständen: Es fehlten Krankenhaus-Kapazitäten, Masken, Virustests und eine Strategie zur Abschottung der Angesteckten.

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