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Jonas Jansen, Redakteur in der Wirtschaft

Coronavirus : Kaufhaus in der Krise

  • -Aktualisiert am

Passanten laufen an einer geschlossenen Karstadt-Filiale vorbei Bild: dpa

Millionenverluste durch die Corona-Krise bringen den Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof in Existenznot. Doch die Geschäftsmodelle selbst traditionsreicher Häuser tragen schon länger nicht mehr.

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          Der letzte deutsche Warenhauskonzern hat sich drei Monate Zeit erkauft. So lange ist Galeria Karstadt Kaufhof vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, weil das Amtsgericht Essen dem Schutzschirmverfahren für das Unternehmen zugestimmt hat. Die Wild-west-Wochen, in denen mit Banken gerungen wurde über ihre Beteiligung im Kampf um Staatshilfe, in denen das Unternehmen mit Lieferanten und Vermietern über Zahlungen gestritten und seine 28.000 Mitarbeiter mit der Ankündigung zu Kurzarbeit verunsichert hat, sind zumindest für eine kurze Zeit vorbei. Unter dem Schutzschirm gelten andere Regeln, die Kurzarbeit ist wohl erst einmal vom Tisch, die Mitarbeiter bekommen Insolvenzgeld. Lieferanten und Vermieter können sich nun darauf verlassen, dass es einen geregelten Ablauf geben wird.

          Wie der genau aussehen wird, ist allerdings noch vollkommen offen. Das Sagen im Unternehmen hat jetzt der vom Gericht bestellte Sanierer, Unternehmenschef Stephan Fanderl sitzt gerade in Essen nicht mit am Tisch. Ob er überhaupt wiederkehren wird, ist ungewiss. Ob der Schutz unter dem Schirm ausreicht, um einen stabilen Sanierungsplan zu erstellen, hängt auch davon ab, wie lange die Geschäfte noch geschlossen sein werden. Und wie viel Umsatz einem Warenhausbetreiber, der deutlich mehr als 90 Prozent seiner Erlöse in den stationären Läden erzielt, noch verlorengeht. Bei Karstadt Kaufhof sprechen sie von 80 Millionen Euro in der Woche. Das ist
          allerdings eine Schwierigkeit, die der Essener Konzern nicht exklusiv hat. Auch Einzelhandelsketten wie Kik verlieren nun 200 Millionen Euro Umsatz im Monat.

          Der Konzern war schon vorher angeschlagen

          Die kritische Situation für Karstadt Kaufhof hängt damit zusammen, dass der Warenhauskonzern schon vorher angeschlagen war. Die wankenden Ketten trifft es in der Corona-Krise als Erstes. Das war bei den Restaurants von Maredo und Vapiano so, die in Richtung Insolvenz steuern, der Modehändler Esprit hat sich wie Karstadt auch zumindest vorläufig unter einen Schutzschirm geflüchtet. Nicht nur in der Mode dürften noch einige Insolvenzen folgen.

          Karstadt Kaufhof kämpft noch: „Wir wollen und werden auch in Zukunft einen entscheidenden Beitrag für den Fortbestand lebendiger Innenstädte in Deutschland leisten“, sagte der Finanzvorstand von Karstadt Kaufhof, Miguel Müllenbach, in einer Mitteilung des Konzerns. Nur war die geringe Lebendigkeit der Innenstadt schon vorher für die Warenhäuser ein Problem. Sinkende Frequenzen in den Fußgängerzonen, eine langsam aussterbende Kernzielgruppe und eine nachwachsende Generation, die lieber im Internet bestellt, belasten das klassische Warenhausgeschäft. Der Konzern schreibt seit Jahren Verluste.

          Schon in der Finanzkrise war Arcandor daran gescheitert, Staatshilfe zu beantragen, als nicht systemrelevant genug galten die Warenhäuser des Konzerns, unter dessen Dach Karstadt operierte. Das Warenhaus musste 2009 schon einmal Insolvenz anmelden. Unter dem Investor Nicolas Berggruen wurde das Geschäft nicht stabiler, im Gegenteil. Die österreichische Signa-Gruppe hat Karstadt im Jahr 2013 gekauft, und weil auch die kanadische Hudsons Bay Company mit ihren Kaufhof-Warenhäusern nicht glücklich geworden ist, hat der Signa-Gründer René Benko 2018 die Chance genutzt, die kriselnden Kaufhäuser zu verschmelzen.

          An mangelnder Bekanntheit liegt es nicht

          Eine größere Einkaufsmacht sollte der kombinierte Konzern erzielen, außerdem Synergien heben durch gemeinsame Sortimente. Das Warenhaus sollte zum Logistikhub umfunktioniert werden, mit Drittgeschäft selbst für Online-Händler wie Amazon oder Zalando. Hauptsache, mehr Menschen kommen wieder in die Filialen, die Bindung an Traditionsmarke sollte gestärkt werden. An der Bekanntheit hat es noch nie gemangelt, die Namen sind durch die mehr als 135-jährige Geschichte ins kollektive Gedächtnis der Deutschen gebrannt.

          Doch hat Benko, der munter Warenhäuser übernimmt wie zuletzt die Globus-Märkte in der Schweiz, Karstadt Kaufhof nicht wegen eines großen Interesses an Socken, Feinkost und Ruderbänken gekauft, sondern weil seine Immobiliengruppe wertvolle Gebäude weiterentwickelt und gegebenenfalls verkauft. Die Schätze sind die großen Gebäude in den Top-Innenstadtlagen, das operative Geschäft eines Karstadt Kaufhof soll die Immobilieninvestitionen finanzieren. Wenn das komplett ausfällt, wird es auch für einen Milliardär unangenehm. Benko hat in den vergangenen Monaten im Rahmen der normalen Sanierung schon 500 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt – und gerade noch mal 140 Millionen nachgeschossen. Zu weiteren dreistelligen Millionenzuschüssen sei er bereit, heißt es. Das muss er sagen: Benko war bisher immer stolz darauf, den Staat nie um Hilfe gerufen zu haben.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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