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Verzicht auf Patente : Teslas egoistisches Patent-Geschenk

Ein Mann fotografiert ein Tesla-Auto in Peking. Bild: AP

Tesla baut fortschrittliche Elektroautos. Jetzt verschenkt das Unternehmen alle seine Patente. Sind die verrückt? Nein, dahinter kann ein ganz rationales Kalkül stehen.

          Ist der denn völlig verrückt geworden? Alle Patente verschenken? So hat es der Chef des Elektroauto-Entwicklers Tesla, Elon Musk, jedenfalls angekündigt. „All Our Patents Are Belong To You“ (“Alle unsere Patente sind gehören jetzt euch“) schrieb er in absichtlich schlechtem Englisch in Anspielung auf ein altes Videospiel. Der ernsthafte Inhalt der Meldung: Elon Musk will Teslas Patente künftig nicht mehr vor Gericht durchsetzen. Die Konkurrenten können sie sich in den Patentdatenbanken angucken und nachbauen, und Tesla unternimmt nichts dagegen. Ein Schritt, der im ersten Moment schwer zu verstehen ist. Geht es dem so sehr um die Umwelt, dass er seine Patente verschenkt?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im zweiten Moment allerdings wird deutlich, dass hinter der großen Patent-Sause ganz egoistische Hoffnungen stehen können. Da ist es mit den Elektroautos wie mit den Möbelhäusern. Möbelhäuser stehen zwar oft außerhalb der Stadt, aber nicht so oft allein. Meistens gruppieren sich gleich mehrere nebeneinander, mancher Möbelhändler setzt sich gerne direkt neben Ikea. Denn wo einer allein ist, da kommen die Kunden nicht hin. Sie haben gerne die Auswahl.

          So geht es auch Tesla. Solange es nur wenige Elektroautos gibt, sind Kunden nur schwer für die Tesla-Flitzer zu begeistern. Schon lange haben psychologische Untersuchungen gezeigt, dass die meisten Käufer lieber zwischen mehreren ähnlichen Angeboten wählen als zwischen komplett unterschiedlichen - alleine hat Tesla einen schweren Stand.

          Das gilt nicht nur fürs Marketing. Auch die Dinge, die ein Elektroauto sonst noch braucht, werden mit zunehmender Menge komfortabler:  Wenn die Pannenhelfer vom ADAC mehr Erfahrung mit Strommotoren sammeln, profitieren davon ebenfalls die Tesla-Kunden - und am Ende Tesla. Und Ladestationen lohnen sich sowieso eher, wenn mehr Autos elektrisch fahren. Nichts wäre für Tesla besser, als Ladestationen nach dem eigenen Standard durchzusetzen.

          Mit der Tesla-Technik hat sowieso niemand mehr Erfahrung als Tesla selbst. Diesen Vorsprung nimmt dem Unternehmen so schnell niemand.

          Und den letzten Grund kann man Elon Musk durchaus glauben. „Ein Patent bedeutet nur, dass man ein Lotterielos auf einen Gerichtsprozess hat“, schreibt er selbst. Nach langjährigen Patentstreits zwischen Apple, Samsung und Google kann es durchaus sein, dass Elon Musk keine Lust hat, seine Patente vor Gericht durchzusetzen.

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