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Automesse : Warum die IAA nach München geht

Vor der Kulisse der Alpen Bild: dpa

Die bayerische Landeshauptstadt soll die IAA künftig austragen. Dabei bietet München auf den ersten Blick nicht die besten Voraussetzungen.

          3 Min.

          Die Internationale Automobilausstellung (IAA) wird künftig in München ausgetragen. Soviel steht seit Dienstagabend fest. „München hat sich damit gegenüber Berlin und Hamburg durchgesetzt“, sagte Hildegard Müller, die neue Präsidentin des austragenden Verbands der Automobilindustrie (VDA), am Dienstagabend in ihrer Stellungnahme.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Verträge für die Münchner IAA, die vom 7. bis zu 12. September 2021 und damit eine Woche vor dem Oktoberfest enden wird, müssen nun im Detail in den nächsten Wochen ausgehandelt werden. Es geht zunächst um zwei Messen für die Jahre 2021 und 2023; es besteht eine Option auf eine dritte Veranstaltung im Jahr 2025.

          So hat sich beispielsweise nicht nur für das Konzept, sondern auch in der Zusammenarbeit zwischen VDA und dem Münchner Messebetreiber eine Neuerung ergeben: Beide Seiten werden die Messe partnerschaftlich ausrichten. Sie betreiben zusammen das Marketing, den Vertrieb und die Akquise von Ausstellern. Die Einnahmen werden ebenfalls geteilt. Schätzungsweise rund eine halbe Milliarde Euro wird durch eine IAA an Umsatz eingenommen. Davon würden allein 200 Millionen Euro in der Stadt bleiben.

          Breite Unterstützung im Stadtrat

          Der VDA möchte die Messe künftig zu den Bürgern und in die Stadt bringen, sie soll eine „Initialzündung“ dafür sein, dass sich die Stadt mit intelligenten Konzepten und der Vernetzung der Verkehrsträger zu einer „Smart City“ entwickelt, hieß es in der Begründung.

          Dabei bietet München auf den ersten Blick nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, schließlich wird die Münchner IAA eine Messe der weiten Wege werden – gelegen zwischen dem Messegelände vor den Osttoren der Landeshauptstadt und dem zentrumsnahen Olympiapark direkt an der Verkehrsschlagader Mittlerer Ring. Womöglich werden zudem repräsentative Standorte wie Odeon-, Königs- und Wittelsbacherplatz hinzukommen. Bestandteil des Messekonzeptes ist es, mit Ausstellungen, Unterhaltungsveranstaltungen, Foren und Präsentationen das breite Publikum anzusprechen. Mit der sogenannten „Parkharfe“ am Olympiastadion gibt zudem einen großen Parkplatz, der sich etwa für Testfahrten anbietet. Für die Fachbesucher ist das Messegelände im Vorort in Riem gedacht.

          Hamburg hat mit Krawallen kein gutes Bild hinterlassen

          Vielen Besuchern wird unter dem neuen Konzept ein Pendeln nicht erspart bleiben. Bisher ist München zwar noch keine „Smart City“, wie sie sich der VDA erhofft. Da aber hoffen die Sieger nun auf schnelle und frische Impulse für die nächsten eineinhalb Jahre, auf die nun der Münchner Messe-Chef Klaus Dittrich setzt. Die Landesregierung hat schon aus dem laufenden Haushalt 15 Millionen Euro für den Ausbau der Infrastruktur bereitgestellt. Weitere Mittel dürften nach der endgültigen Vertragsunterzeichnung folgen. Die breite Unterstützung im Stadtrat mit SPD, den Grünen und CSU, wie auch der Rückendeckung der Staatsregierung haben dazu beigetragen, das München neue IAA-Stadt wird.

          Auch das Thema Sicherheit dürfte im Auswahlprozess wohl eine besondere Rolle gespielt haben. Hamburg hat mit Blick auf den vor einigen Jahren durch massive Krawalle linksautonomer Demonstranten ausgearteten G-20-Gipfel kein gutes Bild hinterlassen. München hat hingegen durch das Oktoberfest und andere Großveranstaltungen wie die Internationale Handwerksmesse IHM durchaus Erfahrung und ist geübt.

          In den vergangenen Wochen hatten sich die nach einer Erstauswahl verbliebenen Städte München, Hamburg und Berlin mit ihren Konzepten um die Automesse beworben, die über viele Jahrzehnte in Frankfurt am Main ausgerichtet worden war. Dort lief im vergangenen September vieles schief: Schon vor Eröffnung der Messe löste Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der auch Aufsichtsratschef der Frankfurter Messegesellschaft ist, einen Eklat aus, da er anders als in den Vorjahren nicht während der Eröffnungsfeier sprechen sollte, seine durchaus kritische Rede jedoch online veröffentlichte. Zudem speckten die Hersteller ihre teuren Messestände deutlich ab oder kamen erst gar nicht. Auch stand die Messe wie nie zuvor unter dem Druck groß angelegter Klima-Proteste.

          Als am Tag der offiziellen Eröffnung der bis dato amtierende VDA-Präsident Bernhard Mattes auch noch seinen Rücktritt ankündigte, kam das einem Paukenschlag gleich. Am Ende besuchten lediglich 560.000 Menschen die Messe, und damit rund eine Viertelmillion weniger als im Jahr 2017. Es braucht ein neues Konzept, so viel stand damals fest.

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