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Kultmarke WMF : Kochtopf-Produktion wandert aus Deutschland ab

Schluss mit „Made in Germany“: WMF-Kochtöpfe kommen bald aus dem Ausland Bild: dpa

WMF gilt gerade unter Chinesen als Kultmarke: Doch jetzt verlagert der Eigentümer die Produktion von Kochtöpfen aus Schwaben weg – der Grund ist naheliegend.

          Seit dem Jahr 1853 gibt es WMF. Das Kürzel steht für Württembergische Metallwarenfabrik und ist längst eine renommierte Marke, so attraktiv, dass chinesische Touristen glänzende Augen bekommen, wenn sie WMF-Produkte einkaufen. So attraktiv auch, dass der Finanzinvestor KKR im Jahr 2016 Anfragen von rund 100 potentiellen Investoren fand, als WMF zum Verkauf stand.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Das Geschäft mit Kochgeschirr ist nicht profitabel genug, sagt die französische Groupe SEB, die damals WMF übernahm, und hat jetzt entschieden: Die Produktion von Kochtöpfen am WMF-Stammsitz in Geislingen/Steige wird Ende 2020 eingestellt, weil damit Verluste gemacht werden. Künftig sollen die Edelstahl-Töpfe im europäischen Ausland produziert werden, an bisher nicht näher genannten Standorten der Groupe SEB, zu der auch Marken wie Tefal und Moulinex, Rowenta und Krups gehören.

          400 Mitarbeiter von „Agenda 21“ betroffen

          Zu dem „Agenda 21“ genannten Programm, das WMF ertragreicher machen soll, gehört auch die Neuorganisation der Verwaltung. Laut einem Brief von WMF-Chef Volker Lixfeld an die Belegschaft soll bis zum Jahr 2021 eine nachhaltige Ergebnisverbesserung von 60 Millionen Euro erzielt werden. Die letzte veröffentlichte Ergebniszahl von WMF bezieht sich auf das Jahr 2015, als bei einem Umsatz von 1,1  Milliarden Euro ein operatives Ergebnis (Ebita) von 118 Millionen ausgewiesen wurde. Millionenschwere Investitionen am Stammsitz von WMF wurden jetzt in verschiedenen Mitarbeiterversammlungen als Beleg dafür angebracht, dass SEB mit WMF langfristige Pläne habe.

          Von der „Agenda 21“ sind 400 Mitarbeiter betroffen, davon voraussichtlich 150 bis 170 aus der Kochtopf-Produktion. Wie viele letztlich eine Kündigung erhalten werden, ist nicht sicher. Verhandlungen mit dem Betriebsrat über die Ausgestaltung der „Agenda 21“ werden erst jetzt aufgenommen. Vorgeschlagen werden unter anderem Angebote für Altersteilzeit oder freiwilliges Ausscheiden. Den Mitarbeitern gab WMF-Chef Lixfeld die Hoffnung mit, in der WMF-Gruppe mit ihren insgesamt 6200 Beschäftigten (davon grob  drei Viertel in Deutschland)  eine andere Arbeit finden zu können.  

          Kaffeemaschinen gehen gut

          So werden Investitionen im Logistikzentrum im nahegelegenen Dornstadt angekündigt. Vor allem aber verweist man auch auf den florierenden Geschäftsbereich Kaffeemaschinen, der für WMF in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden ist: Schon 2016, als die Groupe SEB den württembergischen Traditionskonzern für knapp 1,6 Milliarden Euro kaufte, hatte WMF am Geschäft mit Kaffeeautomaten für die Profibereich einen Marktanteil von 28 Prozent. Der PCM genannte Geschäftsbereich (Professional Coffee Machines)  habe die ursprünglichen Zielsetzungen deutlich übertroffen und biete weiter hervorragende Wachstumsmöglichkeiten, heißt es jetzt.

          Kaffeemautomaten laufen prima

          Aktuell liegt der Umsatzanteil des renditestarken PCM-Geschäfts – das für die Groupe SEB ein ganz neues Element im Portfolio war - bei gut der Hälfte des WMF-Umsatzes. Für das  Consumer-Geschäft hatte SEB nach der Übernahme die Strategie ausgegeben, die Marken (neben WMF auch Kaiser Backformen sowie Silit) noch klarer im Premiumbereich zu positionieren.

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