https://www.faz.net/-gqe-9g68p

Bauer verteidigt Monsanto : Unruhe am Monsanto Drive

Der Glyphosateinsatz macht Ernten planbarer – und die Menschen ungesünder? Bild: Roland Lindner

Monsanto gehört seit einigen Monaten zu Bayer. Die Kritik ist groß. Doch in Amerika gibt es Bauern, die den Konzern verteidigen. Bauern wie Mark Scott.

          6 Min.

          Der arme Kultivator hat seine besten Tage hinter sich. Mark Scott hat ihn lieblos neben einer Scheune auf seinem Bauernhof abgestellt und nennt ihn verächtlich „das rostige grüne Ding“. Seit den neunziger Jahren hat der Landwirt aus der Nähe von St. Louis die Maschine nicht mehr benutzt. Er hält sie für „wertlos“, weshalb er auch gar nicht erst versucht, sie zu verkaufen. Ursprünglich brauchte er sie, um Unkraut auf seinen Feldern unter Kontrolle zu bekommen. Heute hat er „Roundup“, das Herbizid mit dem Inhaltsstoff Glyphosat, aus dem der amerikanische Agrokonzern Monsanto ein Milliardengeschäft gemacht hat. Er versprüht auf seinen Feldern einige Hektoliter im Jahr und wird so unliebsame Pflanzen viel einfacher los als früher. „Ich benutze es, weil es funktioniert“, sagt der 53 Jahre alte Bauer.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Monsanto gehört seit einigen Monaten zum Bayer-Konzern, und Glyphosat-Produkte wie Roundup sind für die Deutschen zur ersten großen Bewährungsprobe mit ihrem Neuerwerb geworden. Geschworene eines kalifornischen Gerichts sprachen einem Kläger im August 289 Millionen Dollar zu, weil sie es als erwiesen ansahen, dass die Herbizide eine Ursache für dessen Krebserkrankung waren und Monsanto vor solchen Gesundheitsrisiken nicht ausreichend gewarnt hat. Die Entscheidung war ein Schock für Bayer. Der Aktienkurs stürzte ab und hat sich nicht erholt, obwohl die zuständige Richterin in dem Fall die zu zahlende Summe gerade auf 78 Millionen Dollar reduziert hat und Bayer hofft, das Urteil in einem Berufungsverfahren ganz revidieren zu können. An der Börse wird die bange Frage gestellt, was rund um Glyphosat noch auf den Konzern zukommt, denn er sieht sich mehr als 8700 Klagen gegenüber. Der Fall in Kalifornien war nur der erste, der vor Gericht verhandelt wurde.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          F.A.Z. PLUS:

            F.A.Z. digital

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Attila Hildmann : Für ihn sind alle Feinde Juden

          Attila Hildmann ist vor der Justiz in die Türkei geflohen. Dort lässt er seinem Antisemitismus nun freien Lauf. Vorher nutzte er noch Codewörter, die auch bei manchen Querdenkern und Corona-Leugnern beliebt sind.
          Brennpunkt mit viel Zuwanderung: Eine Hochhaussiedlung in Bremen (Archivbild von September 2011)

          Falsche Väter : Perfides Geschäft mit schwangeren Frauen?

          In Bremen beantragen immer mehr schwangere Frauen aus Afrika Sozialleistungen. Sie geben an, der Kindsvater sei deutscher Staatsbürger. Steckt dahinter organisierte Kriminalität?