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Warren Buffett : Ruhestand mit 87? - Von wegen!

„Meine Gesundheit befindet sich in bemerkenswertem Zustand“, sagt Warren Buffett. Bild: dpa

Braucht Warren Buffett einen Nachfolger? Nein, denn: Für einige seiner Positionen ist ein hohes Alter umso besser.

          Es ist wirklich eine knifflige Frage, ob Börsianer sich mit der Nachfolge von Warren Buffett beschäftigen sollten. Zwar ist der bekannte Investor 87 Jahre alt, doch für wichtige Positionen, die er ausfüllt, ist das kein Ruhestandsalter.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Am ehesten trifft dies noch für Buffetts Platz in der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway zu; dort ist er Vorstandsvorsitzender und Verwaltungsratschef. In das Führungsgremium sind nun Ajit Jain and Greg Abel eingezogen, zwei langgediente Berkshire-Manager. Sie sind verglichen mit Buffett noch regelrechte Jungspunde – Jain ist 66, Abel sogar erst 55 Jahre alt –, gleichwohl gilt diese Nachfolgefrage nun im Grunde als beantwortet. Einer der beiden, so die einhellige Auffassung, wird dereinst das Berkshire-Ruder von Buffett übernehmen, denn: Er hatte in den vergangenen Jahren ohnehin öfter geäußert, dass er ihnen das zutraut. Unklar ist nur noch, welchen der Zwei er wählen wird.

          „The Intelligent Investor“

          An der Spitze von Berkshire geht es darum, Beteiligungen an Unternehmen zu kaufen, deren Wert über die Zeit steigt, und sie dann für mehr Geld wieder zu veräußern. Buffett hat dabei in der Regel einen bestimmten Investitionsansatz verfolgt: Er analysierte auf Basis der Unternehmensbilanzen, was die Vermögenswerte wert sind und glich das mit aktuellen Börsenkursen ab. Wenn er einen substantiellen Unterschied errechnete, stieg er ein oder eben nicht.

          Buffett ließ sich dafür wie viele andere Anleger auch von dem Standardwerk „The Intelligent Investor“ aus der Feder des Aktienvordenkers Benjamin Graham inspirieren, das er als junger Mann im Jahre 1949 las. Ob Buffetts Nachfolger ebenfalls diesem Stil folgt, ist offen. Wichtiger ist, dass die Berkshire-Aktionäre sehr sicher davon ausgehen werden, der Nachfolger sei schon deshalb würdig, ihm zu folgen, weil Buffett selbst ihn ausgewählt hat.

          Ungleich schwieriger ist zu prognostizieren, wie es auf zwei anderen Positionen weitergeht, die Buffett innehat und deren Strahlkraft mit zunehmendem Alter steigt: die der Investoren-Legende und die des Anleger-Orakels. Wenn er sich äußert, hören Finanzsender zu, schreiben Agenturen mit und bewegen sich die Börsenkurse. Und wenn er einmal im Jahr in seiner Heimatstadt Omaha im amerikanischen Bundesstaat Nebraska zum Aktionärstreffen einlädt, kommen sie in Scharen – um ihn zu hören, aber auch um Andenkenartikel zu erstehen, zum Beispiel Getränkedosen und Boxershorts mit Buffetts Konterfei darauf.

          Einstieg in Goldman Sachs

          In Omaha greift der Investor auch schon mal zum Tischtennisschläger und spielt eine Runde mit seinem Freund, dem Microsoft-Gründer Bill Gates, der dort schon Gast war. Die beiden verbindet übrigens auch, dass sie sich lange Jahre regelmäßig abwechselten an der Spitze der Rangliste der reichten Menschen der Welt – mittlerweile ist Amazon-Chef Jeff Bezos vorbeigezogen.

          Buffetts über Jahrzehnte etabliertes Ansehen ist, wie sich schon zeigte, ein Wert an sich: Infolge der jüngsten Finanzkrise, als die Anleger auch an der Stabilität der großen amerikanischen Banken zweifelten, beteiligte er sich beispielsweise mit 5 Milliarden Dollar an der Investmentbank Goldman Sachs – eine weithin sichtbare vertrauensbildende Maßnahme, die nicht nur dem Aktienkurs des Geldhauses half, sondern sich auf für Buffett schlussendlich mit einem Milliardengewinn auszahlte. Traditionell investierte Buffett hingegen vornehmlich in klassische Branchen – in den Limonadenhersteller Coca Cola etwa oder in Eisenbahnunternehmen.

          Allerdings kapriziert er sich nicht allein auf Geldanlage und gefragte Börsen-Kommentierung. Er äußert sich gelegentlich auch pointiert zu politischen Fragen und stellt klar, was er für richtig hält. Für Schlagzeilen sorgte er beispielsweise mit seiner Forderung, die Reichen würden zu gering besteuert in den Vereinigten Staaten verglichen mit Menschen mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Während des zurückliegenden Präsidentschaftswahlkampfes trat er gemeinsam mit der demokratischen Bewerberin Hillary Clinton auf und teilte heftig gegen den Wahlsieger Donald Trump aus. Mit harschen Worten warf er Trump vor, als Geschäftsmann versagt zu haben: Wenn ein Affe im Jahr 1995 „einen Pfeil auf die Aktien-Scheibe geworfen hätte, dann hätte dieser im Schnitt 150 Prozent erzielt“, sagte Buffett einmal. „Aber diejenigen, die ihm (Trump) glaubten, die seinen Sirenengesängen zuhörten, verloren mehr als 90 Cent je Dollar.“ Damit bezog er sich auf die Aktienkursentwicklung von Trumps Immobilienunternehmen.

          Mit dem Wahlergebnis hat er sich gleichwohl arrangiert, hält sich seither sogar stark zurück mit Äußerungen über die Regierung in Washington. Gegenüber dem amerikanischen Finanzsender CNBC, dem er sich regelmäßig anvertraut, sagte er einmal, wieso er ungebrochen zuversichtlich für die Vereinigten Staaten ist. „Es gab 45 Präsidenten der Vereinigten Staaten und ich lebte unter einem Drittel davon“, sagte er. „Der erste war Hoover. Ich war erst zwei als er ging, deswegen war ich da noch nicht aktiv. Aber Roosevelt war der nächste. Und ich kaufte Aktien unter ihm, obwohl mein Vater dachte, dass das Ende der Welt bevorstand als er gewählt wurde.“

          Gegenüber CNBC hat er nun auch erläutert, wie die neuen Personalien innerhalb der Berkshire-Führung zu sehen seien. Das sei Teil der Nachfolgeregelung „über die Zeit“. Und auf die Frage, wie es ihm gehe, sagte er sehr deutlich: „Meine Gesundheit befindet sich in einem bemerkenswerten Zustand.“ So klingt keiner, der daran denkt, aufzuhören. Übrigens hilft an dieser Stelle als Maßstab wohl auch Buffetts langjähriger Geschäftspartner Charles Munger weiter, die Nummer zwei bei Berkshire: Der feierte am Neujahrstag gerade seinen 94. Geburtstag. Und will vom Ruhestand offenkundig ebenfalls noch nichts wissen.

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