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Hyperloop-Wettbewerb : Münchner Studenten übertreffen Musk

Schon im Januar hatten die Studenten des WARR-Hyperloop-Teams ihre Kapsel in Hawthorne vorgeführt. Bild: dpa

Hochschüler der Technischen Universität München haben in fünf Monaten eine Transportkapsel für das Tunnelsystem Hyperloop entwickelt. Und einen Weltrekord aufgestellt.

          2 Min.

          Die 30 Studierenden der Technischen Universität (TUM) von WARR Hyperloop hatten sich eigentlich ein wesentlich ehrgeizigeres Ziel gesetzt. Die von ihnen in nur fünf Monaten entwickelte Transportkapsel (englisch Pod genannt) sollte mit 400 Kilometern pro Stunde durch eine Vakuumröhre auf dem Gelände des Raketen-Unternehmen Space X von Elon Musk rasen. Doch am vergangenen Sonntag wurden es „nur“ 324 Stundenkilometer. Was dem sensationellen Erfolg einer Laientruppe allerdings keinen Abbruch tat.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die jungen Bayern, die streng genommen aus elf Nationen kommen und die unterschiedlichsten Disziplinen studieren, haben nicht nur den viel beachteten Space X Hyperloop Pod Competition gewonnen. Sie haben auch einen Weltrekord auf der 1,25 Kilometer langen Strecke aufgestellt. Das hat bislang nicht einmal Hyperloop One geschafft – also das amerikanische Unternehmen, das sich ebenfalls die Entwicklung eines hyperschnellen Transportsystems für Menschen und Güter durch eine Röhre auf die Fahnen geschrieben hat. Hyperloop One schaffte in einer 500 Meter langen Röhre im Juli 310 Kilometer pro Stunde. Auch das Unternehmen hat sich das Ziel gesetzt, im nächsten Schritt die 400-km/h-Marke zu knacken.

          Das Münchner Projekt WARR Hyperloop ist Elon Musk indes bestens bekannt. Musk ist Gründer des Elektroauto-Herstellers Tesla, der wiederverwertbaren Rakete Space X und ebenjener Visionär eines Tunnel-Transportsystems mit nahezu Schallgeschwindigkeit von 1200 Stundenkilometern. Schon im Januar hatten die „TUMler“ einen ersten Wettbewerb in Los Angeles gewonnen. Damals schickten sie eine Kapsel mit 95 Stundenkilometern durch die Röhre. WARR brachte als einziger von 30 Wettbewerbern und unter den drei Finalisten ihre Kapsel zum Ziel. WARR trat in der Endrunde unter anderem gegen das MIT aus Boston an.

          Elon Musk gratuliert den Münchner Studierenden.

          Im Space X Hyperloop Pod Competition II am vergangenen Wochenende ging es nur um Geschwindigkeit. Dieses Mal waren 24 Teams aus aller Welt dabei. Wieder schaffte es WARR in die Runde der besten Drei – und gewann mit einem atemberaubenden Vorsprung. Paradigm Hyperloop von der Universität Neufundland in Kanada brachte es auf 104 Stundenkilometer. Swissloop von der ETH Zürich kam ebenfalls durch – mit 39 Stundenkilometern.

          Die Deutschen haben mit ihrer besonderen Leichtbau-Konstruktion aus Carbon und einem elektrischen Antriebssystem ihre Vorteile ausgespielt. Die Kapsel beschleunigte über drei Viertel der Strecke bis auf 324 Stundenkilometer. Doch sie war zu kurz, um ein höheres Tempo auszutesten. Die Bremsen mussten ausgelöst werden, um den Pod binnen drei Sekunden zu stoppen.

          Im Jahr 2013 hatte Elon Musk erstmals in einer Alpha-Studie von einem Hochgeschwindigkeits-Transportsystem in einer Vakuumröhre gesprochen. In Schallgeschwindigkeit von 1200 Stundenkilometern, so seine Vision, soll man so in etwa einer halben Stunde von San Francisco nach Los Angeles oder von Berlin nach München kommen. Obwohl er selbst das Projekt kommerziell nicht vorantreibt und sich andere Unternehmen damit auseinandersetzen wollen, hat Musk mit dem Space-X-Hyperloop-Wettbewerb bewusst Universitäten angespornt, sich mit einem solchen Projekt zu befassen.

          Die Gruppe von WARR hat sich außerhalb ihres Studiums in ihrer Freizeit mit dem Projekt befasst, das auch von Unternehmen wie Airbus, Siemens, SGL Group, MAN und dem Tunnelmaschinenbauer Herrenknecht unterstützt worden ist. Auch ist das Team ein anderes als das, das dem ersten Pod im Januar zum Sieg verholfen hat. Damals gehörten der Gruppe  nur 16 Studierende an, nur fünf haben in dem dann doppelt so großen Team mitgearbeitet.

          Eine Gruppe von Studenten der Hochschule Emden/Leer der Universität Oldenburg  hat sich ebenso am Wettbewerb beteiligt und war am Wochenende in Hawthorne mit ihrem Hyperpod X dabei. Sie schafften es allerdings nicht in die Runde der besten drei. Mit 85 Punkten in der Bewertung lagen sie nur knapp hinter den drei Finalisten.

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