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Pakete und Briefe betroffen : Warnstreiks verzögern Post-Zustellungen

Streikende Mitarbeiter in einer Deutsche-Post-DHL-Niederlassung in Hamburg Bild: dpa

Verdi lässt nicht locker: An vielen Standorten gibt es Warnstreiks von Post-Mitarbeitern. Sie fordern höhere Löhne, auch wegen des Paketbooms in der Corona-Krise. Die Post findet: Die Löhne sind schon die höchsten in der Branche.

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          Größere Mengen Briefe werden liegen bleiben, viele Tausend Pakete wohl erst in der kommenden Woche ihre Empfänger erreichen: Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Post lässt die Gewerkschaft Verdi nicht locker. Seit Freitagmorgen sind quer durch Deutschland Zusteller und Mitarbeiter in den Sortierzentren im Warnstreik.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Kurz vor der dritten Verhandlungsrunde am kommenden Montag erhöht Verdi den Druck: Für rund 140.000 Tarifbeschäftigte sollen die Löhne um 5,5 Prozent steigen. „Die Warnstreiks sind ein deutliches Zeichen an den Arbeitgeber“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis. In den vergangenen Gesprächen sei man sich „keinen Millimeter näher gekommen“. Darauf habe Verdi jetzt mit dem Aufruf zu Warnstreiks im gesamten Bundesgebiet reagiert.

          Höherer Gewinn dank Paketboom

          Die Positionen liegen weit auseinander: Gerade mal 1,5 Prozent habe die Post bisher in Aussicht gestellt. Damit will sich die Gewerkschaft angesichts der glänzenden Geschäftszahlen keinesfalls zufrieden geben. In der Sparte Post und Paket hat der Konzern seinen Gewinn im ersten Halbjahr um rund vierzig Prozent gesteigert, und deshalb gebe es eine „klare Erwartungshaltung“ bei den Beschäftigten, sagt Kocsis.

          Die Leute schreiben zwar weniger Briefe, und wegen der Corona-Krise landet auch weniger Reklame in den Briefkästen. Dafür aber boomt das Paketgeschäft, weil immer mehr online bestellt wird. Die Mengen waren im Frühjahr so hoch wie sonst nur kurz vor Weihnachten. Die Zusteller kamen kaum noch hinterher, so dass die Post einige Tausend neue Leute anheuern musste.

          Unvermeidliche Verzögerungen

          Schon Ende der vorigen Woche hatte es an mehreren Tagen erste Warnstreiks gegeben. Laut Verdi haben sich daran mehr als 11.000 Beschäftigte beteiligt, während es nach Angaben der Post nur etwa 6900 Mitarbeiter waren, die stundenweise die Arbeit eingestellt haben. Die Folgen hielten sich in Grenzen, nur ein Bruchteil der Sendungen sei verspätet zugestellt worden.

          In einer ersten Zwischenbilanz für den Freitag rechnete die Post damit, dass 99.000 Pakete und rund 1,2 Millionen Briefe vom Streik betroffen sein werden, jeweils etwa zwei Prozent der üblichen Tagesmenge. Nach Konzernangaben haben sich bis zum frühen Nachmittag rund 3000 Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen beteiligt und zwar vor allem in der Zustellung. „Die Post hat die notwendigen Maßnahmen getroffen, um die Auswirkungen für die Kunden so gering wie möglich zu halten“, so ein Sprecher.

          Verlassen kann sich der Konzern auf die Beamten aus alten Bundespostzeiten, die bei dem Ausstand nicht mitmachen dürfen. Rund 26.000 Staatsdiener gibt es noch in der Brief- und Paketsparte. Auch mit Aushilfskräften aus der Verwaltung versucht der Konzern, Lücken in den Verteilzentren und Zustellbasen zu schließen. Aber das werde nicht reichen, um die Folgen aufzufangen, hieß es.

          „Die höchsten Löhne in der Branche“

          Personalvorstand Thomas Ogilvie steht trotzdem auf der Lohnbremse. Gerade der Paketmarkt ist hart umkämpft, Konkurrenten wie DPD, Hermes, GLS und UPS sorgen für scharfen Wettbewerb. Und Amazon, immer noch einer der wichtigsten Großkunden, geht inzwischen auch selbst in die Zustellung.

          Die Post zahlt vergleichsweise gut. „Nach unserer Kenntnis sind es nach wie vor die höchsten Löhne in der Branche“, sagte ein Sprecher. So gebe es für Berufseinsteiger in der Zustellung derzeit 13,65 Euro je Stunde zuzüglich Urlaubsgeld. Und dort, wo der Arbeitsmarkt leer gefegt ist und die Lebenshaltungskosten besonders hoch sind, sei eine zusätzliche „Regionalzulage“ vorgesehen. Über alle Zustellkräfte hinweg und einschließlich der Beamten liege der durchschnittliche Stundenlohn derzeit bei 17,74 Euro in der Stunde.

          Ogilvie mahnt denn auch „wirtschaftlich tragfähige Lösungen“ mit einer langfristigen Perspektive an. Sein Kompromissvorschlag, die Löhne in den unteren Einkommensgruppe überdurchschnittlich stark aufzustocken und Pausenzeiten auszuweiten, stößt bei Verdi bisher auf taube Ohren. Am Montag will die Post mit einem konkreten Angebot nachlegen.

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