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Warenhauskette : Woolworth soll auf 1000 Filialen wachsen

Woolworth-Filiale in Gelsenkirchen Bild: dpa

Die angeschlagene Kaufhauskette wird von einer Holding der Tengelmann-Handelsgruppe übernommen. In nur 13 Monaten wurde die insolvente Warenhauskette restrukturiert und verkauft. Die Zentrale in Frankfurt bleibt auf der Strecke.

          Die insolvente deutsche Warenhauskette Woolworth hat wieder eine Zukunft. Die H.H. Holding aus Bönen bei Dortmund übernimmt die noch bestehenden 162 Filialen von Woolworth mit 4300 Mitarbeitern zum 1. Juli. Ein entsprechender Vertrag ist mit dem Frankfurter Insolvenzverwalter Ottmar Hermann unterzeichnet worden. Der Vertrag bedarf noch der Zustimmung der Vermieter und des Bundeskartellamtes. Die Zustimmung des Hauptvermieters gilt als sicher. 82 der 162 Filialen gehören dem Finanzinvestor Cerberus, der von Anfang an H.H. Holding als Erwerber favorisierte.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Hinter der H.H. Holding stehen als Gesellschafter die Unternehmerfamilien Tengelmann (Tengelmann, Obi, Kaisers Kaffee) und Heinig. Der öffentlich sehr zurückhaltend auftretende Stefan Heinig betreibt gemeinsam mit Tengelmann bereits die von ihm gegründeten Ketten Kik (2800 Billigtextilgeschäfte) und Tedi (1000 Filialen mit Produkten für einen Euro). Über die genauen Eigentumsanteile gibt es keine Informationen.

          Heinig habe die Absicht, Woolworth von heute 162 auf 500 bis 1000 Filialen auszubauen. Er habe neben den Filialen auch die Markenrechte am Namen für Deutschland, Frankreich und mehrere osteuropäische Staaten erworben, sagte Insolvenzverwalter Hermann. Wenn man das Expansionstempo seiner Kette Tedi zugrunde legt, ist das ein Programm für die kommenden 5 bis 10 Jahre. Heinig geht es offenbar vor allem um Synergien aus dem Woolworth-Erwerb. Die Hauptsynergie liegt nach den Worten von Woolworth-Geschäftsführer Heinz Thünemann im Einkauf. Auch wenn Kik und Tedi ein anderes Warenprogramm hätten, so könne man doch vor allem in Asien mit einem anderen Gesamtvolumen auftreten, „was die Margen verbessert“. Woolworth allein hat nur noch einen Umsatz von 500 Millionen Euro. Weitere Synergien lägen in einer gemeinsamen Informationstechnologie und in der Logistik.

          Die erste Sparmaßnahme betrifft die Woolworth-Zentrale in Frankfurt. Weil Heinig eine eigene Zentrale in Bönen hat, wird die Woolworth-Zentrale mit ihren 196 Mitarbeitern zum 1. Juli weitgehend geschlossen. Nur wenige Mitarbeiter werden noch bis in den Herbst die Zentrale abwickeln. Heinig habe zugesagt, Woolworth-Mitarbeiter bevorzugt einzustellen, wenn in Bönen neue Stellen geschaffen werden müssten.

          Die Schließung der Zentrale ist eine der größten Kröten, die der Insolvenzverwalter schlucken musste. Er hatte drei Angebote von Finanzinvestoren vorliegen, die auch die Zentrale übernommen hätten. Alle drei Offerten wurden aber vom Immobilienbesitzer Cerberus abgelehnt. Danach musste Hermann auf Cerberus zugehen und dessen Interessenten akzeptieren. Ob das zu Lasten der Gläubiger geht, wollte Hermann nicht sagen. Er versicherte aber, dass für die Woolworth-Gläubiger am Ende eine höhere Insolvenzquote herauskommen werde als die 3 Prozent, die die Karstadt-Gläubiger bekommen sollen. Daher zeigte er sich am Ende mit dem Verkauf zufrieden. Von ursprünglich 320 Filialen blieben 162 der Marke Woolworth erhalten, und 130 seien an andere Nutzer veräußert worden. Lediglich 20 Filialen stünden heute leer, zumeist weil der Vermieter ein neues Nutzungskonzept plane.

          Die erfolgreiche Neustrukturierung für 14 Millionen Euro als „Warenhaus für die Familie“ sei möglich gewesen, weil Woolworth rechtzeitig Insolvenz beantragt habe, als die Zahlungsunfähigkeit drohte. Woolworth habe im letzten Geschäftsjahr vor der Insolvenz 28 Millionen Euro Verlust gemacht vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Auf vergleichbarer Basis werde man in diesem Jahr einen Gewinn im niedrigen zweistelligen Millionenbereich erwirtschaften. Woolworth wird heute als Warenhaus für die Familie betrieben. Das Angebot wurde von 60.000 auf 20.000 Artikel reduziert und die Lager vor Ort abgebaut.

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