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Warenhauskette : Karstadt ist gerettet

  • -Aktualisiert am

Nicolas Berggruen Bild: ddp

Die Entscheidung ist gefallen: Die Übernahme der insolventen Warenhauskette Karstadt durch den deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen ist beschlossene Sache. „Alle, die ja sagen mussten, haben ja gesagt“, sagte Berggruen am Donnerstagabend in Berlin.

          Das Ringen um die Rettung der Warenhauskette Karstadt hat für die rund 25.000 Beschäftigten ein gutes Ende gefunden. Der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen hat am Donnerstag die letzten Hürden vor einer Übernahme der 120 Warenhäuser überwunden. Beide Gläubigergruppen des Vermieterkonsortiums Highstreet haben bei ihrem Treffen in London den zwischen Berggruen und den Karstadtvermietern neu ausgehandelten Mietverträgen zu 100 Prozent zugestimmt. „Alle, die ja sagen mussten, haben ja gesagt“, sagte Berggruen am Donnerstagabend in Berlin.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Damit konnte auch ein Durchbruch in den sehr schwierigen Verhandlungen mit den Mezzanine-Gläubigern erzielt werden. Im Rahmen seiner Übernahmepläne für Karstadt hatte Berggruen erhebliche Zugeständnisse bei den Mietkonditionen gefordert. Am Donnerstagabend galt es nach Informationen dieser Zeitung nur noch, alle rund 70 erforderlichen Unterschriften einzusammeln, was in Verhandlungskreisen aber als „rein administrativer Prozess“ bezeichnet wurde.

          Damit können die Mitarbeiter von Karstadt nun entspannter auf den Freitag blicken. Am Vormittag will das Amtsgericht Essen über die Annahme des Insolvenzplans entscheiden. Der Verkündungstermin war wegen des Streits um die künftigen Mieten mehrfach verschoben worden. Wesentliche Grundlage des Insolvenzplans ist der rechtsgültige Kaufvertrag mit Berggruen. Neben der Einigung mit den Vermietern sah er weitere aufschiebende Bedingungen vor, die aber längst erfüllt worden sind. Dazu zählten die Anpassung des Sanierungstarifvertrages an die künftige Unternehmensstruktur oder die Freigabe durch die Kartellbehörden.

          Heftiges Ringen bis zuletzt

          Bis zuletzt war am Donnerstag um die Zustimmung zu den ausgehandelten Mietpreisnachlässen für die Immobilien von Karstadt gerungen worden. Während sich die Billigung durch die Bondholder, die über Anleihen direkt an der Finanzierung der besagten Immobilien beteiligt sind, schon recht früh abzeichnete, gab es in den langwierigen Verhandlungen mit den Mezzanine-Gläubigern noch strittige Punkte auszuhandeln. Diese direkt an dem Konsortium Highstreet beteiligten Gläubiger sind in die mit unterschiedlichem Ausfallrisiko behafteten Gruppen A, B und C unterteilt. Ihre Darlehen, eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital, sind nicht mit Vermögenswerten wie den Immobilien besichert. Es handelt sich zudem um eine nachrangige Finanzierung, die im Fall einer Insolvenz erst nach den klassischen Gläubigern bedient wird, dafür aber höhere Zinsen bekommt. Das erklärt das lange Gefeilsche um künftige Lastenverteilungen und Sicherheiten im Falle einer möglichen weiteren Insolvenz. Hinter dieser Mezzanine-Gläubigergruppe stehen verschiedene große Banken und Hedge-Fonds. Noch komplizierter wurde die Lage dadurch, dass das Lager des Berggruen-Rivalen Maurizo Borletti dem Vernehmen nach versucht hatte, Teile der Mezzanine-Gläubiger bis zur letzten Sekunde auf seine Seite zu ziehen. Der Italiener Borletti hatte sich in den vergangenen Wochen mit einem konkurrierenden Angebot an die Vermieter gewandt.

          Wie es heißt, seien die Reihen zwischen der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs und der Deutschen Bank, also den Hauptakteuren hinter Highstreet, zuletzt im Sinne Berggruens geschlossen gewesen. Hierbei hat allerdings erheblicher politischer Druck eine Rolle gespielt. Auch die Gewerkschaft Verdi hatte eindeutig auf Seiten Berg gruens gestanden und immer wieder für sein Konzept geworben.
          Die Verhandlungen in London hatten am Donnerstag zunächst an der britischen Bank RBS gehakt. Später galt es, die noch fehlenden Unterschriften zu beschaffen, was aber auf elektronischem Weg zu erledigen war und nicht mehr als ernstzunehmendes Hindernis vor dem Gerichtstermin am Freitag galt. Von Highstreet wurde die Einigung am Donnerstagabend unter der Voraussetzung der letzten ausstehenden Unterschriften auch offiziell bestätigt.

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