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Wall Street : Die Macht von Goldman

Die Zentrale von Goldman Sachs in der New Yorker Broad Street Bild: REUTERS

Keine Bank ist so erfolgreich wie Goldman Sachs. Und keine so verhasst. Die amerikanische Investmentbank zieht Feinde aller Lager auf sich: Präsident Obama greift sie an, linke Kritiker sowieso. Ein Blick auf die Helden von der Wall Street.

          8 Min.

          Michael Moores jüngster Dokumentarfilm heißt „Kapitalismus, eine Liebesgeschichte“. Er zeigt eine Szene, in der der kritische Regisseur mit einem gepanzerten Geldtransporter vor dem Hauptquartier der Bank an der Broad Street im Finanzdistrikt von Manhattan auftaucht. Mit einem Geldsack springt er heraus und ruft: „Wir sind hier, um das Geld für die amerikanischen Bürger zurückzuholen.“ Dass der Filmemacher Goldman Sachs für seine beißende Kritik ausgewählt hatte, ist nicht besonders originell: Goldman Sachs war im vergangenen Jahr wie kein anderer zum Prügelknaben der Wall Street geworden. Stets stand Goldman im Rampenlicht - egal, ob es um Rekordgewinne trotz staatlicher Rettungsgelder ging oder um Milliardenboni für Banker. Der bislang letzte Disput drehte sich um von Goldman arrangierte Finanzdeals, mit denen die griechische Regierung einen Teil ihrer Schulden verschleiern wollte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Bank bietet sich aufgrund ihrer ertragsstarken und wenig transparenten Handelssparte ideal für Verschwörungstheorien an. Die hatte im vergangenen Jahr ein Autor des Musikmagazins „Rolling Stone“ auf mehreren Seiten aufgeschrieben. Der Autor warf Goldman vor, jede Marktmanipulation und später geplatzte spekulative Blase seit der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre eingefädelt zu haben - von der Hausse der Technologieaktien über den Aufschwung des Häusermarktes bis zum jüngsten Höhenflug des Ölpreises. Er wählte für Goldman einen Vergleich, der in anderen Medien so oft wiederholt wurde, dass er an der Wall Street zum geflügelten Wort geworden ist. Goldman sei eine „große Vampirkrake, die um das Gesicht der Menschheit gewickelt ist und ihren Bluttrichter unerbittlich in alles stößt, was nach Geld riecht“. Das ist die eine Seite.

          Platz 8 bei „Fortune“

          Die andere Seite ist die: Goldman Sachs rangiert auf der kürzlich vom Wirtschaftsmagazin „Fortune“ veröffentlichten Liste der am meisten bewunderten Unternehmen auf Rang 8 - sieben Plätze besser als im Vorjahr. Unter den großen internationalen Banken steht Goldman damit klar an erster Stelle. Abgestimmt haben darüber allerdings nicht Filmemacher, Kongressabgeordnete oder die Demonstranten, die immer mal wieder vor Büros von Goldman Sachs auftauchen. Bewundert wird Goldman von Managern anderer Unternehmen, von Verwaltungsräten und von Aktienanalysten.

          Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein hat einen steilen Aufstieg hinter sich
          Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein hat einen steilen Aufstieg hinter sich : Bild: dpa

          Einer der größten Fans ist zudem ein Mann, der auch außerhalb der Wall Street über jeden Zweifel erhaben ist. Es ist der legendäre Investor und Milliardär Warren Buffett. Der langjährige Goldman-Kunde und Vorstandschef des Mischkonzerns Berkshire Hathaway hatte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 5 Milliarden Dollar in Goldman Sachs investiert. Das hat sich ausgezahlt. Der Aktienkurs von Goldman ist in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 80 Prozent gestiegen.

          Angst vor negativen Medienberichten

          Man könnte daher annehmen, dass es Goldman Sachs egal ist, was in einem Musikmagazin steht. Immerhin hat Goldman Sachs im Gegensatz zu Konkurrenten wie J. P. Morgan Chase keine kleinen Privatkunden. Die meisten Erträge erwirtschaftet Goldman Sachs mit institutionellen Kunden im Handel mit Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen, einem Geschäftsbereich, der in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden ist. Das Institut mit dem Spitznamen Goldmine Sachs wies im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn aus und ist zweifellos als eine der stärksten Banken aus der Finanzkrise hervorgegangen. Aber die Spitzenmanager von Goldman sind dünnhäutig. Die öffentliche Kritik blieb nicht ohne Wirkung.

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