https://www.faz.net/-gqe-15xdh

Wall Street : Die Macht von Goldman

Kurz nach dem Erscheinen des Artikels in der „Sunday Times“ übte sich Blankfein dann in Demut. Auf einer Konferenz in New York räumte er Fehler der Bank im Vorfeld der Finanzkrise ein und leistete Abbitte. „Wir haben bei Dingen mitgemacht, die klar falsch waren, und haben Grund, das zu bedauern. Wir entschuldigen uns.“ Wenige Stunden später kündigte Goldman die Zahlung von 500 Millionen Dollar für ein Programm an, mit dem die Bank 10 000 kleinen Unternehmen durch die Wirtschaftskrise helfen will. Als Berater für das Programm wurde Warren Buffett verpflichtet. Auch bei den Boni ruderte Goldman zurück. Zwar schüttete die Bank immer noch 16,2 Milliarden Dollar an ihre Angestellten aus - im Durchschnitt knapp eine halbe Million pro Mitarbeiter. Aber im Verhältnis zu den Jahreserträgen von 45,2 Milliarden Dollar entsprach diese Summe diesmal nur 36 Prozent. In der Regel spendieren Investmentbanken rund die Hälfte ihrer Erträge als Boni.

Blankfein selber, 2007 mit einer Gesamtvergütung von 68,5 Millionen Dollar der Spitzenverdiener unter den Vorstandschefs an der Wall Street, erhielt für 2009 vergleichsweise mickrige 9 Millionen Dollar. Zudem zahlte Goldman den Spitzenmanagern die Boni nur noch in Form von Goldman-Aktien, die erst nach fünf Jahren verkauft werden dürfen. Mit der neuen Vergütungsstruktur will Goldman die Belohnung vom langfristigen Erfolg abhängig machen. J.P. Morgan Chase, die neben Goldman als der zweite große Gewinner der Finanzkrise gilt, zahlte Vorstandschef Jamie Dimon einen doppelt so hohen Bonus wie Blankfein. Morgan Stanley, der lange Jahre ärgste Konkurrent von Goldman, schüttete gemessen an den Einkünften deutlich mehr Boni aus - obwohl die Bank danach Verluste ausweisen musste. Ein öffentlicher Aufschrei blieb dennoch aus.

Goldman Sachs ist überall

Das Einlenken bei den Boni passt zur Philosophie von Goldman. Die Bank nimmt für sich in Anspruch, Risiken besser zu bewerten als die Konkurrenz und sich veränderten Situationen rasch anzupassen. Der Bank war es gelungen, so gut wie fast keine andere durch die Finanzkrise zu steuern. Nur in einem Quartal machte Goldman einen Verlust. Als der amerikanische Häusermarkt kollabierte und Konkurrenten wie Lehman Brothers, die Citigroup und Merrill Lynch an den Abgrund brachte, hatte Goldman schon längst auf fallende Preise gewettet. Aufsichtsbehörden untersuchen derzeit aber die Geschäftspraktiken bei Goldman Sachs und anderen Banken, die ihren Kunden gleichzeitig die verlustträchtigen Hypothekenpapiere verkauft hatten.

Goldman Sachs ist eben überall. Sogar der Filmemacher Michael Moore profitierte indirekt von der Finanzkraft der Goldmänner. Die Produzenten seiner ironischen Liebeserklärung an den Kapitalismus waren die Brüder Harvey und Bob Weinstein. Deren Unternehmen The Weinstein Company hatte 2005 Anteile für knapp eine halbe Milliarde Dollar bei Hedge-Fonds und Banken plaziert. Goldman Sachs gehörte bei dieser Transaktion sowohl zu den Investoren als auch zu den Beratern.

Weitere Themen

Topmeldungen

Müller? Boateng? Hummels? Bundestrainer Joachim Löw schraubt derzeit an seinen Formulierungen zum Thema.

Rückkehrer für DFB-Team : Die Verrenkungen des Joachim Löw

Um die Form von Müller, Boateng und Hummels muss man sich keine Sorgen machen. Es ist der Bundestrainer, der in Form kommen muss, wenn es in diesem Sommer bei der Fußball-EM etwas werden soll.
Bundesinnenminister Horst Seehofer und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang

Kritik an Verfassungsschutz : Geschwätzige Geheimnisträger

Bei dem Versuch, die AfD zu beobachten, handelt sich der Verfassungsschutz Kritik ein. Schon wieder sind Details nach außen gedrungen. Dabei steht der Dienst eigentlich für Verschwiegenheit. Was ist da los?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.