https://www.faz.net/-gqe-8n83x

Nach der Wahl : Wie deutsche Unternehmenschefs auf Trumps Sieg reagieren

  • Aktualisiert am

Vor allem überrascht von dem Wahlergebnis zeigte sich Osram-Vorstandsvorsitzender Olaf Berlien. Bild: dpa

Volkswagen ist auch nach der Wahl des Republikaners Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten zuversichtlich. Was sagen andere Unternehmen?

          Volkswagen ist auch nach der Wahl des Republikaners Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten zuversichtlich, die Schwierigkeiten in Amerika noch vor dem Amtsantritt der neuen Regierung im Januar zu lösen. Dabei geht es vor allem um einen Kompromiss bei den 3-Liter-Dieselautos. Diese Motoren, die von Audi entwickelt wurden, fallen nicht unter den Vergleich, den VW bereits im Sommer mit amerikanischen Klägern geschlossen hat. Der zuständige Richter in San Francisco hat einen Vergleich für Anfang Dezember als möglich bezeichnet. Schwieriger wird es für VW in dem Skandal mit den Strafzahlungen, über die derzeit im Justizministerium in Washington beraten wird. „Das kann unter Trump schwieriger werden“, heißt es in Wolfsburg.

          Sollte die amerikanische Anwaltskanzlei Jones Day ihre Ermittlungen aber wie geplant bis Dezember abschließen, wäre auch hier eine Einigung noch in diesem Jahr möglich. Trump oder sein näheres Umfeld haben sich zu dem VW-Skandal bislang noch nicht geäußert; auch deshalb ist die Unsicherheit groß, wie eine Regierung unter ihm entscheiden würde.

          Diese Unsicherheit, gemischt mit der Zuversicht, dass sich im Geschäftsleben auf dem wichtigen Markt letztlich kaum etwas verändern wird, spiegelt sich auch in den Stellungnahmen anderer Vorstandsvorsitzender deutscher Unternehmen wider. Vor allem überrascht zeigte sich Osram-Vorstandsvorsitzender Olaf Berlien. Die meisten Menschen hätten nicht mit einem solchen Ergebnis gerechnet, sagte er kurz nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses auf der Jahrespressekonferenz des Lichttechnologie-Konzerns. Trump sei aber ein demokratisch gewählter Präsident. „Es gilt nun, nach vorne zu schauen“, sagte Berlien: „Ich erwarte keine Auswirkungen auf unser Geschäft, da wir in Amerika für Amerika produzieren.“ Osram erzielt rund ein Drittel seines Jahresumsatzes von 3,8 Milliarden Euro in Nordamerika und betreibt in den Vereinigten Staaten vier Werke für die Produktion von Spezial- und Automobilbeleuchtung. „Unabhängig vom Wahlausgang blicke ich optimistisch in das Jahr 2017.“

          Erhebliche Interessen in Amerika hat auch Werner Baumann, der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, das Thema Monsanto-Übernahme aber spielt in seiner Stellungnahme keine Rolle: „Nach einem intensiven Wahlkampf warten auf den neuen Präsidenten wichtige Herausforderungen. Zum Beispiel kommt es jetzt darauf an, die Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union weiter zu stärken. Gerade der Ausbau unserer Handelsbeziehungen ist für den Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks von entscheidender Bedeutung. Ein weiterer Schwerpunkt sollte sein, das Gesundheitssystem in den Vereinigten Staaten so weiterzuentwickeln, dass mehr Patienten Zugang zu neuen und innovativen Therapien erhalten“, lässt sich Baumann zitieren.

          Stets merkt man den Stellungnahmen an, wie viel für die Deutschen in Amerika auf dem Spiel steht, so auch bei Eon-Finanzvorstand Michael Sen: „Amerika ist für Eon ein attraktiver Markt mit Wachstumspotential.“ Ziel bleibe es, das Geschäft mit den erneuerbaren Energien in den Vereinigten Staaten weiter auszubauen. Über mögliche Folgen der Präsidentenwahl zu spekulieren sei aber zu früh. Eon komme in Amerika auf einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro und verfüge dort über Anlagen im Wert von rund 4 Milliarden Euro.

          Der weltgrößte Chemikalien-Händler Brenntag sieht in dem Wahlsieg Trumps sogar Chancen für sein Geschäft. Unter Trump sei mit einem wirtschaftsfreundlicheren Umfeld zu rechnen, sagte Konzernchef Steven Holland: „Wenn er sein Versprechen einlöst und für Wirtschaftswachstum sorgt, wird das wie jeder makroökonomische Aufschwung zum Vorteil von Brenntag sein“, sagte der Brite. Gerade in seinem wichtigen Markt Amerika hat das Unternehmen, das als Bindeglied zwischen Chemie-Produzenten und weiterverarbeitenden Branchen mit Tausenden Stoffen handelt, derzeit mit einer schwachen Nachfrage aus der Industrie zu kämpfen. Durch den Ölpreisverfall halten sich zudem Kunden in der Öl- und Gasbranche in Amerika seit längerem zurück. So optimistisch aber sind längst nicht alle. Das gilt zum Beispiel für den Südwestmetall-Vorsitzenden Stefan Wolf, den Chef der Elring Klinger AG: „Eine Befürchtung ist, dass Trump in der Wirtschafts- und Handelspolitik den amerikanischen Interessen rigoros den Vorzug geben wird. Jedenfalls hat er einem weiteren Ausbau des Freihandels, etwa über das TTIP-Abkommen, bisher eine klare Absage erteilt, TTIP dürfte damit tot sein.

          Für unsere Industrie, für welche die Vereinigten Staaten der wichtigste Exportmarkt sind, wäre das schädlich – übrigens langfristig auch für die amerikanische Wirtschaft“, sagt Wolf. „Dass Trump außenpolitisch zurückhaltender auftreten und weniger aggressiv gegenüber Russland agieren will, gegebenenfalls auch die Sanktionen aufhebt, darauf würde ich mich nicht verlassen. Dazu sind seine außenpolitischen Positionen bislang zu wenig klar und zum Teil widersprüchlich. Was mir wirklich Sorgen bereitet, ist die Frage, wie Trump die amerikanische Gesellschaft wieder zusammenführen will.“

          Weitere Themen

          Trump stoppt geplanten Angriff auf Iran Video-Seite öffnen

          Aus Angst vor Opfern : Trump stoppt geplanten Angriff auf Iran

          Nach dem Abschuss einer amerikanischen Aufklärungsdrohne durch Iran hat der amerikanische Präsident Donald Trump nach eigenen Worten einen Vergeltungsangriff erwogen, diesen aber kurzfristig gestoppt. Nach Angaben Teherans verletzte die Drohne den iranischen Luftraum. Washington betont dagegen, die Drohne habe sich in internationalem Luftraum befunden.

          Topmeldungen

          AKK : Merkels Tritt in die Kniekehlen

          Für Annegret Kramp-Karrenbauer läuft es derzeit nicht gut. Selbst die Kanzlerin lässt sie aussehen, als wollte sie sagen: Sie kann es (noch) nicht.

          Zwei Appelle : Was in Hongkong passiert, sollte Europa beunruhigen

          Die Demonstrationen und Aufrufe zum Massenstreik in Hongkong gehen weiter. Die Spaltung der Gesellschaft nimmt ihren Lauf. Zwei Autoren aus Hongkong formulieren ihre Forderungen an China und die EU.

          Ärger bei Frauenfußball-WM : „Ich schäme mich zutiefst“

          Der Videobeweis sorgt bei der Fußball-WM der Frauen für viel Aufregung. Beim Spiel von Kamerun gibt es einen Streik, weinende Spielerinnen und 17 Minuten Nachspielzeit. Englands Trainer findet deutliche Worte dafür.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.