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Waffenherstellung : Chinesen, Russen und Saudis rüsten am schnellsten auf

Aufmarsch in der Wüste: Saudi-Arabiens Rüstungsetat hat sich binnen zehn Jahren auf 43 Milliarden Dollar verdreifacht Bild: AFP

Erschreckende Zahlen: Im Nahen wie im Fernen Osten decken sich Staaten wie nie mit Panzern und anderen Waffen ein. Einzig die Rüstungsindustrie freut sich.

          Die Großmächte der Welt kaufen massenhaft neue Waffen: Russland, China und Indien stockten ihre Militäretats in jüngster Zeit kräftig auf und werden auch in naher Zukunft die stärksten Treiber der internationalen Rüstungsindustrie sein. Zudem befinden sich einige Länder aus der Golfregion unter den eifrigsten Aufrüstern. In den Vereinigten Staaten und Europa hingegen gehen die Rüstungsetats zurück. Die jüngsten Pläne des russischen Präsidenten Putin, die Ausrüstung seiner Streitkräfte zu modernisieren und großzügig aufzustocken, zeigen in der aktuellen Übersicht der größten Rüstungseinkäufer der Welt ihrerseits die stärkste Wirkung.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Danach rückte Russland bereits im vergangenen Jahr hinter den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China zum drittgrößten staatlichen Auftraggeber im globalen Rüstungsgeschäft auf, heißt es in der Übersicht, die das Fachmagazin „Janes“ am Dienstag veröffentlichte. Die Datenbasis der amerikanischen Militärexperten gilt als „harte Währung“ in der ansonsten wenig transparenten Branche, da hier die Etats der 77 größten öffentlichen Auftraggeber und somit 97 Prozent des Weltmarktes erfasst sind, dessen Volumen für Rüstungsgüter auf mehr als 1800 Milliarden Dollar taxiert wird.

          China, Indien sowie Russland werden zu den mit Abstand wichtigsten Auftraggebern für heimische und ausländische Rüstungshersteller avancieren. In der Golfregion stiegen vor allem Saudi-Arabien und Oman zu den zahlungskräftigsten Waffeneinkäufern auf, heißt es in der Studie weiter. So rangiert Saudi-Arabien mit einem Etat von rund 43 Milliarden Dollar dicht hinter Deutschland, die zu den achtgrößten Rüstungsnationen der Welt gehört.

          Die Regierung in Washington führt zwar noch mit rund 39 Prozent der globalen Militärausgaben die Hitliste der größten Rüstungsinvestoren an. Doch seit dem Rückzug aus dem Irak-Krieg Ende 2011 und angesichts chronischer Finanznot im öffentlichen Sektor sind weitere kräftige Einschnitte im Budget programmiert, was seit längerem zu herben Geschäftseinbußen bei den führenden Ausrüstern im Lande führt.

          Die Zukunftsmärkte der Rüstungsindustrie sind stattdessen rund um den Pazifik zu finden. Diese Region dürfte nach Ansicht vieler Militärexperten zum sicherheitspolitischen Brennpunkt der Erde werden, was erst kürzlich der neu entfachte „Inselstreit“ zwischen China und Japan belegte. „Das Verteidigungsbudget im Reich der Mitte wird 2015 etwa 160 Milliarden Dollar erreichen und damit die Summe der Etats von Großbritannien, Frankreich und Deutschland um rund 10 Milliarden Dollar übertreffen“, sagt Fenella Mc Gerty, Asienspezialist von Janes, voraus.

          Profit nur für heimische Hersteller

          Um mit diesem Tempo Schritt zu halten und die veraltete Ausrüstung ihrer Streitkräfte in großem Stil zu erneuern, werden sich die Verteidigungsausgaben Russlands bis 2016 um bis zu 44 Prozent im Jahr erhöhen, heißt es in der Prognose weiter. Den Umbruch im globalen Rüstungsgeschäft konstatierte auch das renommierte Friedensforschungsinstitut Sipri. Von den riesigen Auftragsschüben in Russland und China profitieren vorerst nur heimische Hersteller.

          Beispielsweise verkauften die sechs größten Rüstungshersteller in Russland 28 Prozent mehr Waffen im Jahr, listete der Sipri-Bericht auf. Im Gegensatz zur Janes-Analyse liegt die Sipri-Forschern kein Datenmaterial zum chinesischen Rüstungsmarkt vor. Das Reich der Mitte kaufte über Jahre Rüstungsgüter wie Flugzeuge oder Schiffe beim befreundeten Nachbarn Russland ein und verließ sich beim Aufbau der Streitkräfte auf die Expertise von Militärberatern aus Moskau.

          Ähnlich wie sich Chinas Wirtschaft seit Jahren an westlichen Vorbildern orientiert, drängen längst auch die Militärs in Peking auf Kooperationen mit amerikanischen und europäischen Rüstungsherstellern. Da jedoch China für westliche Hersteller abgeschottet ist, bauen ihre Vertreter mit chinesischen Behörden und Industriepartnern Kontakte über Beraterverträge auf, bestätigen Experten in Peking.

          Angesichts schrumpfender Rüstungsbudgets streben deutsche und europäische Ausrüster in Absatzmärkte, die außerhalb des westlichen Nato-Verbundes zu finden sind. Unlängst sorgte der Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann damit für Schlagzeilen. Der langjährige Hoflieferant der Bundeswehr will mit dem Partner Rheinmetall in Düsseldorf 270 Kampfpanzer des Typs „Leopard“ nach Saudi-Arabien liefern. Doch das Geschäft mit dem absolutistischen Herrscherhaus ist politisch höchst umstritten. Die Genehmigung durch die Bundesregierung zieht sich seit Monaten hin. Angesichts der Verzögerungen in Berlin zeichnet sich in Saudi-Arabien schon ab, dass wohl ein anderer Panzerhersteller zum Zuge kommt.

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