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Elektromobilität : VW will kostenloses Stromtanken für Geringverdiener

Der Autokonzern Volkswagen will nach dem Start seiner vollelektrischen ID-Modellfamilie zusätzlich einen elektrischen Kleinwagen auf den Markt bringen. Bild: dpa

Der Autokonzern fordert vom Staat umfangreiche Subventionen für die Elektromobilität. Bei genauerem Hinsehen sind die Vorschläge ziemlich eigennützig auf die Bedürfnisse von VW zugeschnitten.

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          Volkswagen entdeckt bei der Wende zum Elektroauto sein Herz für Geringverdiener. „Uns geht es darum, die individuelle Mobilität auch in Zukunft für viele Menschen zu erhalten und im Volumensegment bezahlbar zu machen“, sagt VW-Chef Herbert Diess. Dabei gibt es allerdings ein Problem: Der Umstieg auf Elektromobilität, den Diess bei Volkswagen mit Verve vorantreibt, führt gerade bei kleineren Autos im Volumengeschäft zu stark steigenden Preisen. Volkswagen setzt nun darauf, dass der Staat VW und der Autobranche mit Subventionen hilft. In einem vertraulichen Strategiepapier, das der F.A.Z. vorliegt, versucht Diess, Politik und Branche von seinem Kurs zu überzeugen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Der VW-Chef hat Volkswagen unter dem Druck der strengeren CO2-Werte eine Elektrifizierungsstrategie verordnet. Bereits für 2020/21 planen die Wolfsburger bei Neuzulassungen einen Anteil der Elektroautos von 15 Prozent. Wegen der von der EU beschlossenen weiteren Senkung des CO2-Gehalts um 37,5 Prozent bis 2030 muss allein Volkswagen bis dahin einen Anteil von 40 Prozent bei den Elektrofahrzeugen schaffen, wenn das Unternehmen Milliarden-Strafzahlungen vermeiden will.. „Alle gegenwärtigen finanziellen Fördermaßen reichen nicht aus“, beklagt VW in dem Strategiepapier. „Besonders Geringverdiener und Kleingewerbe laufen Gefahr, nicht an der Elektrifizierung der Automobilität zu partizipieren, da ihr bevorzugtes Fahrzeugsegment in Zukunft überproportional eine Preisanpassung erfahren wird.“ Konsequent schlagen die Strategen aus Wolfsburg der Bundesregierung daher vor, die Kaufprämie für Kunden, die sich für ein Elektroauto entscheiden, künftig auch von der Außenlänge abhängig zu machen.

          Für reine Elektroautos empfiehlt Volkswagen in seinem Papier eine Subvention von 5000 Euro, wenn das Auto kürzer als 4 Meter ist. Bis 2023/25 soll sie auf 2000 Euro sinken. Je größer und länger das Elektroauto ist, desto weniger Hilfe soll es geben – anfangs nur noch 2000 Euro für Autos, die länger als, 4,65 Meter sind, später 1000 Euro. „Dadurch werden kleinere Fahrzeuge besonders berücksichtigt und Geringverdienern der Einstieg in die Elektromobilität ermöglicht“, heißt es im Strategiepapier.

          Doppelter Umweltbonus für günstige Autos

          Eine Alternative zur gestuften Förderung schlägt VW der Politik auch vor: „Fahrzeuge mit einem Listenpreis unter 20.000 Euro sollten den doppelten Umweltbonus als staatlichen Zuschuss bis 2025 erhalten.“ 20.000 Euro ist genau der Preis, unter dem VW bei seinem Elektroauto der I.D. Familie bleiben will, das im VW-Werk in Emden produziert werden soll, wenn es komplett auf Elektroautos umgestellt sein wird.

          Damit nicht genug: VW schlägt als andere Möglichkeit auch einen „Mobilitätsfonds Elektromobilität“ vor. Der soll für Fahrzeuge unter 20.000 Euro „die kostenfreie Bereitstellung von Ladestrom“ für Geringverdiener finanzieren. Das würde auch helfen, schnell einen Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos zu schaffen. Tenor: „Finanzierung des Fonds durch Bund, Hersteller und Stromkonzerne.“ Wie kein anderes Automobilunternehmen setzt Volkswagen bei der Elektromobilität alles auf eine Karte – getrieben vor allem durch die schärferen CO2-Auflagen der Politik. Das Risiko der Strategie von Diess ist, dass die Kunden am Markt nicht mit der gleichen Wucht mitspielen. Deswegen will Diess begleitend finanzielle und regulatorische Anreize der Politik, um Elektroautos durchzusetzen.

          VW setzt auch beim Aufbau einer Produktion von Batteriezellen für Elektroautos auf staatliche Unterstützung. Volkswagen habe Interesse an der Forschungsförderung beim Bundesministerium für Wirtschaft bekundet, teilte das Unternehmen am Montag mit. „Der Volkswagen Konzern möchte sich an der Initiative von Bundesminister Altmaier zur Förderung der industriellen Fertigung von mobilen und stationären Batterien beteiligen“, hieß es. Details nannte das Unternehmen nicht.

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