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15 Jahre nach Verkauf : VW will Europcar zurückhaben

Ein Kleinbus mit dem Europcar-Logo Bild: dapd

Europas größter Autohersteller bestätigt öffentlich Interesse daran, den Autovermieter wieder zu kaufen. Denn seit 2006 haben sich die Prioritäten im Konzern verschoben.

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          Volkswagen hat Interesse an einer Übernahme des Autovermieters Europcar bekundet. Der Wolfsburger Autokonzern erklärte am Donnerstag, er habe zusammen mit zwei Partnern eine unverbindliche Übernahme-Offerte von 44 Cent je Europcar-Aktie auf den Tisch gelegt.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Überlegungen seien jedoch noch in einem frühen Stadium und es seien noch keine Entscheidungen gefallen, sagte ein VW-Sprecher. Mit der Wolfsburger Offerte wird Europcar mit rund 2,2 Milliarden Euro bewertet. Das Angebot sei von Europcar abgelehnt worden.

          Volkswagen arbeitet an einer Strategie, die den größten Automobilkonzern Europas auch zu einem führenden Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen machen soll. Eine Übernahme von Europcar würde Volkswagen Zugang zu einer Plattform bieten, welche die langfristigen Pläne des Konzerns für neue Mobilitätsformen unterstützen würde, hieß es in Wolfsburg. Mit den Sammeltaxen der Unternehmenstochter Moia, die schon in Hamburg und Hannover eingesetzt werden, und Carsharing hat VW schon in den vergangenen Jahren in neue Mobilität investiert.

          Derzeit sei noch ungewiss, ob und unter welchen Bedingungen eine Transaktion zustande komme, sagte der VW-Sprecher. Zu der Bietergruppe um Volkswagen gehören nach seinen Angaben der Finanzinvestor Attestor Limited sowie Pon Holdings, der größte Importeur von Volkswagen in den Niederlanden.

          Ein Absatzkanal für Elektroautos

          Mit der geplanten Übernahme der Mehrheit bei Europcar bekämen die Wolfsburger kein für sie unbekanntes Unternehmen in den Konzern. VW hatte Europcar 2006 an den französischen Finanzinvestor Eurazeo verkauft, der sich die Übernahme einschließlich aller Schulden gut 3,3 Milliarden Euro kosten ließ. VW begründete den Verkauf damals damit, dass man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren wolle. Ein Rückkauf würde Volkswagen neben dem Zugang zu der Europcar-Plattform und seinem dichten Netz an Vermietstationen auch einen zusätzlichen Absatzkanal für seine Elektroautos eröffnen.

          Das Angebot von VW kommt für Europcar in einer schwierigen Zeit. Die Autoverleiher sind mehr als viele andere Unternehmen Opfer der Pandemie. Die gestrichenen Geschäfts- und Urlaubsreisen sowie die zunehmende Heimarbeit sind Gift für die Unternehmen. Marktführer Europcar erlebte im vergangenen Jahr die schlimmste Krise seit seiner Gründung im Jahr 1949: Der Umsatz hat sich 2020 auf 1,7 Milliarden Euro fast halbiert, der französische und der spanische Staat vergaben Notkredite, ein Sparprogramm über eine Milliarde Euro wurde angekündigt.

          Die Aktie ist zum Penny-Stock geworden

          Dafür hat Europcar unter anderem seine Fahrzeugflotte um fast 40 Prozent zurückgestutzt. Der langjährige Großaktionär – die französische Fondsgesellschaft Eurazeo, die Europcar 2006 von VW übernommen hatte – suchte das Weite. Im Februar gab Eurazeo bekannt, keine Aktien mehr zu halten. Die Gruppe gilt als hoch verschuldet, daher sind die Gläubiger in Gestalt von fünf angelsächsischen Fondsgesellschaften eingestiegen, darunter die Fonds Anchorage und Marathon aus Amerika.

          EUROPCAR MOBILITY

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          Durch diese Restrukturierung halbierte sich die Verschuldung von gut 2 Milliarden Euro auf 910 Millionen Euro. Im April zeigte sich die Generaldirektorin Caroline Parot gegenüber Analysten erleichtert, dass das „schlimme Jahr 2020“ vorbei sei. Auch an der Börse hat Europcar schwere Jahre erlebt: Die Höchstkurse von gut 13 Euro je Aktie im September 2017 wurden nie wieder erreicht. Die Aktie verlor bis Herbst 2020 mehr als 90 Prozent ihres Wertes; erst im Laufe dieses Jahres setzte eine Kurserholung ein. Am Donnerstag legte die Aktie in Paris um fast 13 Prozent zu – auf 48 Cent je Anteilsschein.

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