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Betriebsversammlung : Schlagabtausch im VW-Stammwerk

Fokus auf Erfolge: VW-Chef Diess auf der Betriebsversammlung in Wolfsburg Bild: Kevin Nobs

VW-Konzernchef Diess demonstriert Stärke, trotz Rückschlags bei der Software. Der Betriebsrat hält dagegen und sieht die Geschäftslage alles andere als rosig. Die Auslastung der Werke ist wegen des Halbleitermangels weiterhin schlecht.

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          Volkswagen-Chef Herbert Diess gibt sprichwörtlich Vollgas, als er am Dienstagvormittag auf der Betriebsversammlung in Halle 11 des Wolfsburger Stammwerks vor die Beschäftigten tritt. Gerade erst hat ihm Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, in einer langen Rede die Leviten gelesen. Jetzt ist Diess an der Reihe – und schmettert Sätze in die Halle, die vor Kraft strotzen. Etwa über seinen Duzfreund Elon Musk und dessen Unternehmen Tesla, das der VW-Chef als Vorbild sieht, das aber derzeit schwächelt: „Elon muss gleichzeitig zwei hochkomplexe Fabriken hochfahren in Austin und Grünheide – sowie die Produktion in Schanghai ausbauen“, ruft er. Das werde Kraft kosten, außerdem sage „Elon“ selbst, dass die Fabriken aktuell Geld verbrennen. Diese Chance müsse Volkswagen nutzen und den Abstand zum Erzrivalen in der E-Mobilität verkleinern. „2025 können wir in Führung gehen.“

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Zuletzt hatte Diess, 63 Jahre alt, mit vielen Schwierigkeiten für Aufsehen ge­sorgt. Die VW-Betriebsversammlung, seit jeher ein Ort für Schlagabtausche und markige Aussagen, will er nun sichtlich nutzen, um in die Offensive zu kommen. Probleme mit der Software, Diskussionen um China, E-Mobilität: Alles im Griff, alles auf Kurs, lautet seine Botschaft. „Wir verdienen so viel wie nie – trotz Halbleitermangel und stockenden Lieferketten.“ Das von der EU geplante Aus für Diesel und Benziner im Jahr 2035 könne kommen, VW sei mit der Umstellung seiner Werke gerüstet – einer der wenigen Punkte, in denen er an diesem Vormittag mit Cavallo übereinstimmt. Diese hatte zuvor schon den Widerstand der Regierungspartei FDP gegen ein Verbrennerverbot in Europa als falsch gegeißelt. „Dieser Zug ist längst abgefahren! Politisch, gesellschaftlich und in unserer Unternehmensstrategie“, sagte sie laut Redemanuskript.

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