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VW und Porsche : Piëch erhöht Druck auf Wiedeking

Ober sticht unter: Wiedeking braucht ein Ohr für Piechs Zwischentöne Bild: dpa

VW-Aufsichtsratschef Piëch hat den Hoffnungen von Porsche-Chef Wiedeking auf eine Fusion auf Augenhöhe mit Volkswagen einen deutlichen Dämpfer verpasst. Und er macht Andeutungen, die für Wiedekings persönliche Zukunft bedrohlich erscheinen.

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          Ferdinand Piëch hat sich in scharfen Worten gegen die Fusionspläne von Porsche mit Volkswagen ausgesprochen. Er fürchtet, dass eine Fusion bilanziell und finanziell zu Lasten von VW gehen könnte: „Volkswagen wird die finanziellen Probleme von Porsche nicht lösen“, sagte Piëch am Rande der Präsentation des neuen VW-Kleinwagens Polo in Porto Cervo auf Sardinien. „Die Fusion unter den jetzigen Bedingungen würde VW vorhandene Rechte kosten“, sagte Piëch mit Blick auf den drohenden Wegfall der im VW-Gesetz verbrieften Sonderrechte. In einer ersten Stellungnahme von Porsche zu den Äußerungen Piëchs hieß es: „Wir werden Herrn Dr. Piëch nicht über die Medien antworten. Das würde nur der Unterhaltung des Publikums dienen.“

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Mit seinem Vorstoß hat Piëch sowohl Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking als auch seinen Cousin Wolfgang Porsche düpiert, die dafür kämpfen, dass die Porsche Holding SE mit der Volkswagen AG vereinigt wird. Piëch favorisiert einen anderen Weg hin zum „integrierten Automobilkonzern“. Seiner Ansicht nach sollte VW der Porsche Holding das operative Sportwagengeschäft, also die Porsche AG, abkaufen und Porsche als zehnte Marke unter das VW-Konzerndach hängen. Auch das Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist, und die Arbeitnehmervertreter von Volkswagen bevorzugen diesen Weg.

          „Ich favorisiere das, was schnell und schmerzarm ist

          Es gebe drei Wege für eine Zusammenführung von VW und Porsche, sagte Piëch. „Die Porsche AG bei VW zu integrieren ist eine der Lösungen“, bestätigte der Aufsichtsratsvorsitzende. Es könnten auch verschiedene Wege kombiniert werden. „Ich favorisiere das, was schnell und schmerzarm ist.“ Falls die Porsche AG gekauft würde, werde VW nur so viel zahlen, wie man an Gegenwert bekomme. Auf die Frage, ob der kolportierte Wert von 11 Milliarden Euro richtig sei, sagte Piëch: „Das ist sicherlich ein paar Milliarden Euro zu hoch gegriffen.“ Er betonte, dass in dieser Annahme die Optionen der Porsche Holding auf den Erwerb von weiteren 20 Prozent der VW-Stammaktien nicht enthalten seien.

          Klar, wer hier die Macht hat: „Zur Zeit”, betont, Piech (l.), hat Wiedeking sein Vertrauen
          Klar, wer hier die Macht hat: „Zur Zeit”, betont, Piech (l.), hat Wiedeking sein Vertrauen : Bild: dpa

          Genau vor diesen Risiken hat VW offenbar Angst: Piëch sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass Volkswagen die Optionsgeschäfte in die eigenen Bücher nehme. Obwohl Piëch Miteigentümer von Porsche ist, weiß er nach eigenem Bekunden selbst nicht, wie groß die Risiken sind. An diese Informationen sei er nicht herangekommen. „Ich bin doch nur ein einfaches Aufsichtsratsmitglied.“ Mit Blick auf Porsches Aktienoptionen und deren Nettoverschuldung von 9 Milliarden Euro stellte Piëch fest: „Porsche muss die grundlegenden Probleme selbst lösen. VW wird das nicht tun.“ Bei VW wisse man durch die Veröffentlichungen genau, wo das Unternehmen stehe. „VW ist sehr transparent bis zu den Bezügen von Vorstand und Aufsichtsrat.“ Bei der Porsche SE könne man die Risiken aus der Bilanz nicht herauslesen. Er wisse auch nicht, wie viel Geld Wiedeking verdiene.

          „Zurzeit steht nichts gegen Wiedeking“

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