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VW und Porsche : Autoländle in Gefahr

VW sitzt auch ihm im Rücken: Ministerpräsident Oettinger Bild: AP

Der Porsche-Piëch-Clan trifft sich heute in Salzburg. Dort wird hoch gepokert um die Zukunft von VW und Porsche. Auch die Frage des Konzernsitzes wird in die Waagschale geworfen. Stuttgart könnte bald einen Weltkonzern weniger haben.

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          Beim Tennis-Grand-Prix am Sonntag schien die Welt noch in Ordnung. Günther Oettinger, Stammgast bei diesem von Porsche gesponserten Turnier der Weltklassespielerinnen in Stuttgart, plauderte in der VIP-Lounge angeregt mit anderen Gästen, auch mit dem Porsche-Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking, mit dem ihn ein gutes persönliches Verhältnis verbindet. Was Oettinger erfuhr, war allerdings wenig erfreulich für den baden-württembergischen Ministerpräsidenten. Porsche, so bedeutete ihm Wiedeking offenbar, werde sich nicht unterkriegen lassen, und er selbst werde den Eigentümerfamilien an diesem Mittwoch ein Modell für die Fusion von Porsche und VW vorlegen.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Für Oettinger musste die Nachricht wie ein kalter Regenguss gewesen sein. Zwar mag die Fusion den Posten seines Duz-Freundes Wiedeking retten, und sie mag auch wirtschaftlich vernünftig erscheinen. Für den Standort Baden-Württemberg aber ist sie zumindest potentiell eine Gefahr. Wo so hoch gepokert wird wie um die Zukunft von VW und Porsche, ist klar, dass auch die Frage des Konzernsitzes in die Waagschale geworfen wird - Stuttgart könnte dann bald einen Weltkonzern weniger haben.

          Weniger Steuern für Baden-Württemberg

          Ganz sicher wird aber in Zukunft der Steuersegen für Baden-Württemberg kleiner werden. Während von den dicken Porsche-Gewinnen in den vergangenen Jahren Milliarden im Südwesten hängengeblieben sind, werden sich die Zahlungen in einem fusionierten Porsche-VW-Konzern deutlich Richtung Niedersachsen verschieben.

          Duz-Freunde: Oettinger und Wiedeking

          Schon wieder eine Hiobsbotschaft für den baden-württembergischen Ministerpräsidenten! Von denen gab es in den vergangenen Monaten wahrhaft schon genug: Bei Daimler sind Zehntausende Mitarbeiter in Kurzarbeit, reihenweise vermelden selbst die solidesten schwäbischen Autozulieferer Verluste, bei Heidelberger Druckmaschinen soll offenbar eine Landesbürgschaft den Niedergang aufhalten, und noch viel tiefer muss das Land in die Kasse greifen, um der LBBW mit einer Kapitalspritze und milliardenschweren Garantien das Weiterwirtschaften zu ermöglichen. Selbst bei SAP, dem Vorzeige-Software-Konzern, läuft es nicht mehr so rund.

          Aller Sorgen zum Trotz: Günther Oettinger könnte jetzt zu Hochform auflaufen. Als Mann der Wirtschaft hat sich der CDU-Mann Oettinger im Amt des Landtagsfraktionsvorsitzenden schon profiliert, als Baden-Württemberg noch von Erwin Teufel regiert wurde, dem man eher ein distanziertes Verhältnis zu wirtschaftlichen Themen nachsagte. Studiert hat Oettinger Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft, und als Teilhaber einer vom Vater gegründeten Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei sind ihm auch betriebswirtschaftliche Winkelzüge aller Art nicht fremd. Ausgerechnet jetzt, in dieser Wirtschaftskrise, die Baden-Württemberg wegen der starken Abhängigkeit von der Autoindustrie massiver trifft als andere Bundesländer, zeigt sich aber, dass es Oettinger nicht immer gelingt, im richtigen Augenblick Flagge zu zeigen. "Ich baue darauf, dass die Eigentümerfamilien ihrer Verantwortung gerecht werden", sagt er und formuliert seine Erwartung, dass doch Produktion und Entwicklung von Porsche im Autoland Baden-Württemberg bleiben müssten.

          Oettinger hält sich zurück

          Schon bisher hat sich Oettinger - zumindest öffentlich - zurückgehalten in seinem Kampf um Porsche. So zog er erst spät und eher halbherzig gegen das VW-Gesetz zu Felde - obwohl er als CDU-Mann das Gesetz leicht als ordnungspolitisch fragwürdig hätte geißeln können. Ob er aus Parteiräson handele, fragte man sich in Stuttgart: um seinem niedersächsischen Amtskollegen Christian Wulff nicht in die Parade zu fahren? Gelohnt hat sich die Zurückhaltung wohl kaum. Wenn es tatsächlich so kommt, dass sich das Land Niedersachsen an der Porsche Holding SE beteiligt (wofür es einige Anzeichen gibt), wird Wulff bei einem der renommiertesten Unternehmen Baden-Württembergs künftig ein gewichtiges Wörtchen mitreden können. Oettinger aber will das lieber gar nicht so politisch betrachten. Es sei Wendelin Wiedekings Lebensleistung zu verdanken, dass Porsche überhaupt so ein Vermögenswert geworden sei, betont er. Und VW-Chef Winterkorn sei doch auch Schwabe, ein Bosch-Gewächs. "Aus Wiedeking und Winterkorn", räsoniert Oettinger, "könnte das Team entstehen, das Toyota als weltgrößten Autohersteller schlägt."

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