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VW größter Autohersteller : Der Dank geht nach China

Der Volkswagen-Konzern hat im vergangenen Jahr 10,31 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Im Bild: Der neue Volkswagen Atlas Bild: Volkswagen AG

Trotz des Abgasskandals hat VW den japanischen Konkurrenten Toyota überholt und ist jetzt der größte Autobauer der Welt. Das liegt nicht nur am chinesischen Markt.

          Volkswagen ist 2016 zum größten Automobilkonzern der Welt aufgestiegen. Seit Montag ist es offiziell: Trotz des Abgasskandals hat VW den japanischen Konkurrenten Toyota überrundet und ist jetzt gemessen an den weltweiten Verkäufen die Nummer eins der Branche. Ein wichtiger Grund für den Vorsprung Volkswagens ist, dass die Deutschen im Gegensatz zu den Japanern weit mehr von der rasant steigenden chinesischen Nachfrage profitierten.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Nach ihren am Montag in Tokio vorgelegten Daten verkaufte die Toyota-Gruppe, zu der auch der Kleinwagen-Anbieter Daihatsu Motor und der Nutzfahrzeug-Hersteller Hino Motors gehören, im vergangenen Jahr insgesamt 10,17 Millionen Fahrzeuge. Das ist ein knapper Anstieg um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Volkswagen mit seinen 12 Marken von Porsche über Audi, die Kernmarke VW bis zu Skoda und den Lastern und Bussen der Marken MAN und Scania setzte 10,31 Millionen Fahrzeuge ab - ein Plus von 3,8 Prozent im Vergleich zu 2015. Es ist das erste Mal nach fünf Jahren, dass der japanische Branchenprimus damit die Führung als größter Autobauer abgeben muss.

          Kaum an Reputation verloren

          Dass VW es schaffen könnte, zur Nummer eins zu werden, hatte sich schon vor einigen Wochen abgezeichnet. Mit den Toyota-Zahlen wurde es nun offiziell. Es sei dem Konzern gelungen, „unter schwierigen Bedingungen das operative Geschäft zu stabilisieren“, sagte VW-Chef Matthias Müller, als er die Zahlen von Volkswagen Anfang des Monats in Wolfsburg vorstellte. Vor allem das rasante Wachstum in China half Volkswagen. 3,982 Millionen Autos verkaufte der Konzern dort, 12,2 Prozent mehr als 2015. Diesel spielt auf dem größten Automarkt der Welt bei PKW keine große Rolle, VW hat dort wegen des in den Vereinigten Staaten Ende 2015 aufgedeckten Abgasskandals bei Dieselautos kaum an Reputation verloren. Vor allem die Kernmarke VW verdankt den chinesischen Käufern, dass sie weltweit mit 5,987 Millionen verkaufter Autos trotz des Abgasskandals im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent zulegen konnte.

          Auch in Europa hat der Skandal 2016 weniger Spuren beim Absatz hinterlassen als anfangs befürchtet. Mit 4,2 Millionen Autos verkaufte der Konzern 4 Prozent mehr als im Vorjahr, wobei die Premiummarken Audi und Porsche Schwächen der Kernmarke VW mehr als ausgleichen konnten. Interessanterweise hat Volkswagen dagegen auf dem deutschen Heimatmarkt die größten Probleme – mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 1,29 Millionen verkaufter Autos blieb der Konzern hier weit hinter dem Marktwachstum zurück.

          Stückzahlen sind nicht alles

          Toyota prognostiziert für dieses Jahr Verkäufe von 10,2 Millionen Stück und damit eine Stagnation im Absatz, während Volkswagen verschwommen einen Absatz in der bisherigen Größenordnung erwartet.

          Toyota hatte die Weltmarktführerschaft mitten in der globalen Krise von 2008 in einem schrumpfenden Automarkt übernommen, damals vom amerikanischen Hersteller General Motors. 2011 nach dem Tsunami im Nordosten Japans verloren die Japaner den Spitzenplatz, um ihn danach vier Jahre in Folge wieder zu besetzen. Der Marktführer in Japan streitet dabei ab, sich auf das Rennen um den Weltmeistertitel einzulassen. „Wir bei Toyota fokussieren nicht darauf, Volumen hinterher zu jagen“, kommentierte das Unternehmen am Montag auf Anfrage und erklärte die Kundenzufriedenheit zum Hauptziel.

          Das ist nicht nur für Koketterie. Der Preis für die rasche Expansion an die Weltspitze waren Qualitätsmängel, die den Ruf der Marke vor allem in den Vereinigten Staaten in Mitleidenschaft zogen. Akio Toyoda, der 2009 zum Präsidenten des Autobauers aufstieg, kritisierte damals schon den Drang zur Größe und mahnte an, die Qualität wieder in den Vordergrund zu rücken. In den vergangenen Jahren betonte Toyoda zugleich die Effizienz als wichtiges Ziel.

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