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In Milliardenhöhe : VW stockt Investitionen ins Elektroauto deutlich auf

VW will noch mehr in Elektromobilität investieren: Das elektrische Modell ID.3 von Volkswagen im Werk in Zwickau Bild: EPA

Volkswagen-Chef Diess setzt mit Milliardeninvestitionen darauf, dass sich Elektroautos in den nächsten Monaten am Markt durchsetzen werden. Er warnt vor irrationalen Debatten über Alternativen.

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          Volkswagen beschleunigt die Wende zum Elektroauto und die digitale Vernetzung seiner Fahrzeuge. In den nächsten fünf Jahren will der Konzern knapp 60 Milliarden Euro in diese Technik investieren. „Wir erhöhen in den folgenden Jahren mit unseren Investitionen noch einmal das Tempo“, sagte Volkswagen-Chef Herbert Diess am Freitag in Wolfsburg, nachdem der Aufsichtsrat die neue Investitionsplanung für die Jahre bis 2024 beschlossen hatte.

          Carsten Germis
          (cag.), Wirtschaft

          Der VW-Chef sagte, bereits in wenigen Monaten werde man nicht mehr über „Offenheit bei den Antriebskonzepten“ für Autos reden. „Die E-Mobilität wird sich dann durchgesetzt haben“, sagte er. „Die irreführende und zum Teil irrationale Diskussion um vermeintliche Alternativen wird im Sand verlaufen“.

          Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte: „Wir treiben die Transformation des Volkswagen-Konzerns mit Entschlossenheit voran und fokussieren mit unseren Investitionen auf die Zukunftsfelder der Mobilität“. Im Vergleich zur Planungsrunde des Vorjahres stockt VW die Investitionen damit um rund zehn Prozentpunkte auf. Allein für die Elektromobilität will das Unternehmen rund 33 Milliarden Euro ausgeben. Die Investitionen für Elektromobilität, Hybridmodelle und vernetztes Fahren machen damit mehr als 40 Prozent der Investitionen in Sachanlagen und der gesamten Forschungs- und Entwicklungskosten aus.

          75 reine Elektromodelle in den nächsten zehn Jahren

          Bislang war ein gutes Drittel geplant gewesen. „Wir werden die erheblich verschärften EU-Flottengrenzwerte ab 2020 einhalten“, sagte Diess. Elektrifizierung sei der mit großem Abstand kostengünstigste Weg zu CO2-freier Mobilität „und somit richtig für die Gesellschaft, unsere Mitarbeiter und deren Arbeitsplätze und letztlich auch für unsere Aktionäre“.

          Mit den höheren Investitionen setzt sich VW beim Absatz seiner Elektroautos ehrgeizigere Ziele. Bis 2029 will das Unternehmen rund 26 Millionen reine Elektroautos ausgeliefert haben, dazu fast sechs Millionen Hybridfahrzeuge. Bislang waren bis 2028 rund 22 Millionen Elektroautos geplant. In den nächsten zehn Jahren will VW bis zu 75 reine Elektromodelle auf den Markt bringen, dazu etwa 60 Hybridfahrzeuge. „In zehn Jahren werden dann in der EU über 40 Prozent aller neuen Pkw unseres Konzerns elektrisch fahren“, sagte Diess.

          Der VW-Chef setzt bei der Elektrifizierungsoffensive auf den Größenvorteil des Konzerns mit seinen Marken von VW über Audi und Porsche bis zu Seat und Skoda. „Wir wollen unsere Skalenvorteile nutzen und größtmögliche Synergien heben“, sagte er. Wegen der schwächeren Autokonjunktur setzt Diess gleichzeitig weiter auf strikte Kostensenkung. VW arbeite „an der Steigerung unserer Produktivität, unserer Effizienz und Kostenposition“, sagte er. „Wir müssen weiter effizienter, produktiver und profitabler werden.“

          Modularer Elektrobaukasten als Basis für verschiedene Modelle

          Helfen soll VW dabei der für die Elektroautos mehrerer Marken entwickelte Modulare Elektrobaukasten (MEB). Im umgebauten VW-Werk im sächsischen Zwickau hat Anfang des Monats die Serienproduktion des auf dem MEB basierenden neuen ID.3, des ersten reinen Elektroautos von VW, begonnen. Vom Sommer 2020 an will VW den ID.3 auf allen europäischen Märkten anbieten.

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