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Trotz Protesten : Volkswagen sponsert den Kirchentag

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Vor dem Brandenburger Tor wurde am Sonntag schon eine Bühne für den Kirchentag aufgebaut. Bild: dpa

Der Evangelische Kirchentag kostet insgesamt 23 Millionen Euro. VW beteiligt sich an den Kosten, obwohl einzelne Pfarrer das mit dem mittelalterlichen Ablasshandel vergleichen.

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          Vor Beginn des Deutschen Evangelischen Kirchentags am Mittwoch hat der Autokonzern Volkswagen seine Bereitschaft bekräftigt, trotz Kritik aus Kirchenkreisen auch künftig Geld für die Veranstaltungen geben zu wollen. „Unsere Partnerschaft mit dem Reformationsjubiläum und dem damit verbundenen Evangelischen Kirchentag bietet auch Raum für Auseinandersetzung“, sagte eine Sprecherin von Volkswagen der F.A.Z., „dazu gehört auch die Aufarbeitung der Dieselkrise.“

          Aus evangelischen Pfarreien waren in der vergangenen Woche einzelne Stimmen zu hören, die ein Sponsoring des in einen Manipulationsskandal um geschönte Emissionswerte verwickelten Konzerns ablehnten. Ein Pfarrer aus Hamburg verglich das Geschehen mit dem mittelalterlichen Ablasshandel: VW wasche sich auf dem Kirchentag gegen Ablasszahlung rein. So etwas dürfe die Kirche nicht mitmachen.

          Auch die Kirchentagsleitung hatte kritische Töne gegenüber dem Sponsor geäußert. Die Generalsekretärin des Kirchentags Ellen Ueberschär sagte dem Sender „Deutschlandfunk“ bezüglich des Sponsorings: „Wir haben da natürlich auch viel drüber nachgedacht.“ Und mittlerweile „sehen wir natürlich auch, dass sich das alles hinzieht und dass die ganze Problematik eigentlich größer ist, als man am Anfang gedacht hat.“ Dennoch habe man sich für eine Zusammenarbeit entschieden.

          Die Höhe der Geldzahlung gibt VW nicht bekannt. Der in Berlin und Wittenberg stattfindende Kirchentag kostet rund 23 Millionen Euro. Die Hälfte dieser Summe zahlt der Steuerzahler – teils der Bund, teils die Länder.

          Es würden gesamtgesellschaftlich relevante Diskurse geführt, jeder dürfe teilnehmen, argumentierte die Kirchentagsleitung für eine solche Finanzierung. VW ist zudem nicht der einzige Konzern, der Geld gibt. Dazu gehören der Wertstoffkonzern Alba, die Drogeriekette dm, der Haushaltsgerätehersteller Kärcher, Anbieter von Erneuerbaren Energien wie Naturstrom, das Wohnportal Airbnb und der Schuhhändler Deichmann. Auch der Daimler-Konzern steht in der Unterstützerliste. Dagegen gab es keinen Protest, was dafür spricht, dass der Betrugs- und Manipulationssachverhalt eigentlicher Stein des Anstoßes war und nicht eine grundsätzlich-ökologische Aversion gegen Automobilität. Auch die in den Abgasskandal verwickelte Robert Bosch GmbH ist Sponsor.

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