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Autovermieter sucht Investoren : VW spielt Kauf von Europcar durch

Die Corona-Pandemie hat die Autovermieter schwer getroffen – auch Europcar. Bild: Reuters

Der Autohersteller aus Wolfsburg zeigt Interesse am Autovermieter aus Paris. Eine Übernahme könnte das Geschäft mit Mobilitätsdiensten beschleunigen und den Elektroauto-Absatz ankurbeln.

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          Die Corona-Pandemie hat Autovermieter auf der ganzen Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Ausbleibende Buchungen haben den amerikanischen Anbieter Hertz in die Insolvenz getrieben, auch Sixt aus Oberbayern leidet und durchlebt gerade das schlechteste Quartal seiner Geschichte, wie auf der digitalen Hauptversammlung am Mittwoch betont wurde. Europcar mit Hauptsitz in Paris ist vom französischen Staat gestützt worden und beschleunigt jetzt die schon länger laufende Suche nach einem Investor, der an einer Beteiligung interessiert ist. Das hat offenbar einen alten Bekannten auf den Plan gerufen: Den Volkswagen-Konzern.

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          VW hatte Europcar im Jahr 2006 an den französischen Finanzinvestor Eurazeo verkauft, der sich die Übernahme einschließlich aller Schulden mehr als 3 Milliarden Euro kosten ließ. Jetzt erwägen die Wolfsburger offenbar einen Rückkauf. Wie aus der Branche verlautet, sind sie in Gesprächen mit Europcar und wollen die Bücher des Autovermieters einsehen. Ob es zu der Transaktion kommt, ist noch offen, auch weil Europcar offenbar Alternativen hat. Angeblich sollen neben VW auch Finanzinvestoren Interesse haben, darunter Apollo Global Management aus New York.

          An der Börse ist Europcar nach einem jahrelangem Sinkflug des Aktienkurses noch 390 Millionen Euro wert. Nachdem die Gespräche bekanntgeworden waren, stieg der Kurs am Mittwoch zwischenzeitlich um 17 Prozent, büßte dann aber seine Zugewinne wieder ein und notierte am Nachmittag nur noch leicht im Plus.

          Ein neuer Absatzkanal für E-Autos

          Analysten glauben, dass VW durch eine Übernahme seine Dienste rund um neue Mobilität stärken will. Obwohl sich auf diesem Feld zuletzt in der ganzen Branche Ernüchterung breitgemacht hatte, könne es interessant sein, „Expertise aus diesem Segment zuzukaufen, wenn sich am Markt eine günstige Möglichkeit ergibt“, sagt Marc-René Tonn von der Bank M.M. Warburg. Als denkbar gilt, dass VW das dichte Netz an Vermietstationen nutzt, um dort auch Carsharing-Angebote zu machen.

          Für die Elektrooffensive des Konzerns kann eine Übernahme laut Tonn ebenfalls Vorteile haben. So könne VW als Flottenbetreiber in großem Stil E-Autos ins Angebot von Europcar einspeisen, wodurch ein neuer Absatzkanal entstünde. „Dadurch würde auch die Chance für den Konzern steigen, seine CO2-Ziele einzuhalten“, sagt er. Der vom Dieselskandal gebeutelte Volkswagen-Konzern setzt in seiner neuen Strategie stark auf Fahrzeuge mit vollelektrischem Antrieb und will allein unter seiner Kernmarke VW im Jahr 2025 mehr als eine Million E-Autos verkaufen. Den Auftakt macht demnächst der neue Kompaktwagen ID.3, dessen Software allerdings Schwierigkeiten bereitet.

          Die Europcar Mobility Group, die 1949 in Paris gegründet worden war und rund 12.000 Mitarbeiter beschäftigt, war einige Jahre lang eine vollständige Tochtergesellschaft von VW. 2006 hatte sich der Konzern vom Unternehmen getrennt, um sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren, wie es damals hieß.

          Milliarden-Umsatz, kaum Gewinn

          Zuletzt hatte der Vermieter mit heftigen Turbulenzen zu kämpfen. So musste das Management im Herbst ein Restrukturierungsprogramm verschärfen, das die Vorstandsvorsitzende Caroline Parot vor allem mit der geringen Nachfrage infolge der Brexit-Risiken und der allgemeinen Wirtschaftsschwäche in Europa begründet hatte. In der Covid-Krise konnte Europcar nur mit Hilfe des französischen Staates überleben. Das Unternehmen erhielt einen Bankenkredit von 220 Millionen Euro, der zu 90 Prozent staatlich garantiert ist. Seit Mai wurden neue Kredite von mehr als 300 Millionen Euro aufgenommen.

          Im vergangenen Jahr erzielte Europcar einen Umsatz von 3 Milliarden Euro und ein Nettoergebnis von 38 Millionen Euro. Das Unternehmen vermietet rund 330.000 Autos im Jahr. Die Fondsgesellschaft Eurazeo, die derzeit rund 30 Prozent am Unternehmen hält, gab schon im vergangenen November bekannt, dass sie bei Europcar aussteigen wolle. So entstanden Gerüchte, dass die Finanzinvestoren Apollo oder Cerberus an einem Einstieg interessiert seien. Doch das hat sich bisher nicht konkretisiert.

          Neben dem klassischen Vermietgeschäft hat das Unternehmen auch seine Fühler im Carsharing ausgestreckt, unter anderem mit dem stationsbasierten Angebot Ubeeqo. Diese Dienste könne Volkswagen mit eigenen Angeboten kombinieren, sagt Warburg-Analyst Tonn. „Das hätte durchaus eine gewisse Logik.“ VW hatte jüngst den Anbieter We Share ins Leben gerufen. Dieser kämpft aber ebenso wie der aus Car 2 Go und Drive Now hervorgegangene Konkurrent Share Now mit hohen Kosten und starker Komplexität seines Geschäftsmodelles. Zudem hat Corona die Expansionspläne durcheinandergebracht. „Es werden sich einige der geplanten Städtestarts von diesem ins kommende Jahr verschieben“, sagt der Hauptgeschäftsführer von We Share, Philipp Reth. Welche geplanten Standorte das betreffen wird, soll im 3. Quartal entschieden werden. Bislang ist We Share nur in Berlin aktiv.

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