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VW-Prozess : Lug und Trug

In der Stadthalle Braunschweig hat heute der VW-Prozess begonnen – nicht dabei war der frühere Konzernchef Winterkorn. Bild: dpa

In Braunschweig beginnt der Strafprozess gegen ehemalige VW-Manager – nur Ex-Konzernchef Winterkorn fehlt. Bis heute ist die Branche auf Bewährung unterwegs.

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          Der Beginn des Betrugsprozesses in Braunschweig ist ein Meilenstein in der juristischen Aufarbeitung des Dieselskandals von Volkswagen. Wir erinnern uns: Europas größter Autokonzern hatte Kunden in aller Welt mehr als 9 Millionen Fahrzeuge angedreht, deren Motoren eine illegale Abschaltautomatik enthielten.

          Auf dem Prüfstand wurden so die Grenzwerte unterschritten, im Straßenverkehr bliesen sie dann deutlich mehr Stickoxid in die Luft. Amerikanische Umweltbehörden deckten den Betrug im Jahr 2015 auf. Amerikanische Kunden wurden großzügig entschädigt, hierzulande kämpfen viele Opfer noch immer um ihren Schadenersatz.

          Damals trug Martin Winterkorn als VW-Konzernchef die Gesamtverantwortung. In den Ohren der Geschädigten muss es wie purer Hohn klingen, dass der Mann, der sich ein Image als pedantischer Technikfan hatte aufbauen lassen, vom Dieselbetrug nichts gewusst haben will. Dass der Prozess gegen den 74-Jährigen aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig abgetrennt wurde, bestätigt viele Betroffene in ihrem Verdacht, dass „die da oben“ am Ende doch davonkommen.

          In Braunschweig wird auch eine Epoche aufgearbeitet, in der das Wertegerüst vieler Automanager in Schieflage geraten war. Zwar bekam Daimler gerade vom Bundesgerichtshof bestätigt, dass sein „Thermofenster“ nicht mit der VW-Abschaltautomatik vergleichbar ist. Doch nicht alles, was legal ist, ist bekanntlich auch legitim. Die Branche agierte damals mit Wissen der Politik in juristisch-moralischen Graubereichen, nur den eigenen Profit im Blick.

          Heute gibt man sich geläutert, und für die Sicherung von Wachstum und Wohlstand in Deutschland ist eine starke Autoindustrie auch künftig unverzichtbar – allen Auto-Gegnern zum Trotz. Ebenso so klar ist aber auch, dass Volkswagen & Co. beim Kunden auf Bewährung unterwegs sind. Ein Betrug wie der Dieselskandal darf sich nicht wiederholen.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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