https://www.faz.net/-gqe-acekx

Für weitere fünf Jahre : Pötsch soll VW-Aufsichtsratschef bleiben

  • Aktualisiert am

VW-Aufsichtsratschef Pötsch (links) und der Vorstandsvorsitzende Diess Bild: dpa

Im Streit zwischen Betriebsrat und Management hat er mehrfach geschickt vermittelt, unter Investoren ist er aber nicht unumstritten: VW-Oberaufseher Pötsch soll eine zweite Amtszeit bekommen.

          2 Min.

          Hans Dieter Pötsch soll weitere fünf Jahre Aufsichtsratschef von Volkswagen bleiben. Der Aufsichtsrat des Wolfsburger Autokonzerns beschloss am Samstag, der Hauptversammlung im Juli die Wahl des 70-Jährigen für eine zweite Amtszeit vorzuschlagen. Das Kontrollgremium folgte damit dem Votum des Nominierungsausschusses. Neben Pötsch schlug der Aufsichtsrat den Aktionären die Wiederwahl von Louise Kiesling für eine volle Amtszeit vor.

          Pötsch, der zuvor lange Finanzvorstand von Volkswagen war, steht seit Oktober 2015 an der Spitze des 20-köpfigen Kontrollgremiums. Er wurde damals als Oberaufseher gewählt, um den Konzern, der durch den Dieselskandal ins Schlingern zu geraten drohte, in der Spur zu halten.

          Seine schwerste Krise hat Volkswagen bisher weitgehend unbeschadet überstanden. Deshalb gilt der 1,90-Meter-Mann für viele in dem Konzern mit oft widerstreitenden Interessen als unersetzlich. Die Anteilseigner loben das Geschick, mit dem der gebürtige Österreicher wiederholt im Streit zwischen dem Betriebsrat und dem Management vermittelt hat.

          Bei Investoren nicht unumstritten

          Erst im Dezember gelang Pötsch in einer Art Pendeldiplomatie durch Gespräche mit dem damaligen Betriebsratschef Bernd Osterloh, den Eignerfamilien Porsche und Piech und dem Land Niedersachsen, ein Führungschaos abzuwenden. Damals hatte sich Konzernchef Herbert Diess mit der Forderung nach einer Vertragsverlängerung ins Abseits manövriert und stand Insidern zufolge vor der Entlassung. Am Ende wurde ein Burgfrieden ausgehandelt. Der ermöglichte es Diess, im Amt zu bleiben und den Umbau zu einem führenden Anbieter klimaschonender Mobilität voranzutreiben.

          Bei internationalen Investoren ist Pötsch nicht unumstritten. Fondsgesellschaften und Aktionärsvertreter reiben sich an seiner Doppelrolle als Chefaufseher von Volkswagen und Vorstandsvorsitzender der Familienholding Porsche SE, die die Mehrheit an dem Wolfsburger Autokonzern hält. Kritiker werfen Volkswagen deshalb Mängel bei der Einhaltung von Grundsätzen guter Unternehmensführung vor.

          Im Zuge der Aufarbeitung des Dieselskandals sah sich Pötsch außerdem mit Vorwürfen der Marktmanipulation konfrontiert. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn als damaligen Finanzvorstand und den heutigen Konzern-Chef Diess ins Visier genommen, weil sie ihre Pflichten zur Information des Kapitalmarktes verletzt haben sollen, als der Dieselskandal im September 2015 ans Licht kam. Das Verfahren gegen beide wurde gegen die Zahlung von je 4,5 Millionen Euro eingestellt.

          Volkswagen hatte vor fast sechs Jahren zugegeben, Diesel-Abgaswerte durch eine Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Diese sorgte dafür, dass Autos die erlaubten Stickoxidwerte auf dem Prüfstand zwar einhielten, auf der Straße aber ein Vielfaches dieser Abgase ausstießen. Noch ist ein Ende der zahlreichen Prozesse von Staatsanwälten, Kunden und Anlegern weltweit nicht absehbar. Die Wiedergutmachung des Skandals hat Volkswagen bisher schon rund 32 Milliarden Euro gekostet.

          Weitere Themen

          Russland will wieder zurück nach oben

          FAZ Plus Artikel: Raumfahrt : Russland will wieder zurück nach oben

          Während die Amerikaner privat ins All reisen können, ist von der ruhmreichen russischen Raumfahrt nicht mehr viel übrig – auch hier bekommen sie Sanktionen zu spüren. Um wieder groß zu werden, braucht es Unterstützung vom Nachbarn China.

          Der Promi-Pleitier

          Alfons Schuhbeck : Der Promi-Pleitier

          Starkoch Alfons Schuhbeck muss für sein Imperium Insolvenz anmelden. Corona sei schuld. Doch es ist nicht der erste wirtschaftliche Fehltritt des Unternehmers.

          Topmeldungen

          Ein Airbus der Lufthansa landet im November 2020 auf dem Berliner Flughafen Tegel.

          Klimaschutz : Rettet die Inlandsflüge

          Ein Verbot von Inlandsflügen, wie es zuletzt in Frankreich beschlossen wurde, ist der falsche Weg zum Klimaschutz. Es gibt andere, bessere Möglichkeiten.
          Wichtiger Wert: Wie viele Covid-Kranke auf  Intensivstationen liegen.

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.
          Am 18. Juni in Teheran: Ebrahim Raissi winkt den Medien zu, nachdem er seine Stimme in einem Wahllokal abgegeben hat. Die Wahl gewann er.

          Irans neuer Präsident : Schlächter und Schneeflocke

          Nächste Woche tritt Ebrahim Raissi sein Amt als iranischer Präsident an. Mit ihm zerbricht der Mythos vom reformfähigen Regime. Weiß der Westen, mit wem er es zu tun bekommt? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.