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Machtkampf bei VW : Piëch lehnt Nichten für Aufsichtsratsnachfolge ab

  • Aktualisiert am

Auf der Hauptversammlung2014 stand Ferdinand Piëch noch an der Spitze des VW-Aufsichtsrates Bild: dpa

Kurz nach der Nominierung seiner Nichten für seine Nachfolge im Aufsichtsrat läutet Firmenpatriarch Ferdinand Piëch eine neue Runde im Machtkampf bei Volkswagen ein. Er schickt nun zwei eigene Gegenkandidaten ins Rennen.

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          Kurz nachdem Volkswagen die familieninternen Nachfolgerinnen für den Aufsichtrat bekannt gegeben hat, meldet sich Firmenpatriarch Ferdinand Piëch am Donnerstagabend mit deutlichen Worten des Widerstands zu Wort. Er ist laut eines Berichts von „Bild.de“ dagegen, dass Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34) aus dem Piëch/Porsche-Clan für ihn und seine Frau Ursula in das oberste Kontrollgremium einziehen sollen.

          Der 78-Jährige hat auch gleich eigene Kandidaten bereit, die er ins Rennen schicken will: Brigitte Ederer, ehemals im Vorstand bei Siemens und heute Aufsichtsratsvorsitzende der Österreichischen Bundesbahnen, und Wolfgang Reitzle, ehemals BMW-Vorstand, Linde-Chef und derzeit Chefaufseher beim Autozulieferer Continental.

          Laut Aktienrecht kann jeder Eigner, der Betriebsrat und das Unternehmen selbst einen Aufsichtsrat gerichtlich bestellen lassen, wenn ein Sitz in dem Kontrollrat freigeworden ist. Das Unternehmen hat als einziger sogar die Pflicht dazu.

          Wie es im Bericht von „Bild.de“ heißt, missfalle dem Patriarchen an den beiden Frauen, die mit sofortiger Wirkung in den Aufsichtsrat aufrücken sollen, deren fehlende berufliche Erfahrung in der Automobilindustrie.

          Louise Kiesling hat nach Informationen aus Familienkreisen nach Studienabschlüssen in Modedesign (Universität für Angewandte Kunst, Wien) und Automobildesign (Royal College of Art, London) als Designerin in Deutschland, Österreich und Großbritannien gearbeitet. Sie ist Gesellschafterin und Geschäftsführerin mehrerer Wirtschaftsunternehmen, darunter befindet sich die Textilmanufaktur Backhausen GmbH (Hoheneich, Österreich).

          Julia Kuhn-Piëch wohnt wie Großteile des PS-Clans in Salzburg und ist Immobilienkauffrau. Sie übt bereits eine Aufsichtsratsfunktion bei der VW-Nutzfahrzeugtochter MAN aus. Sie studierte Jura und anschließend an der Technischen Universität Wien Immobilien- und Liegenschaftsmanagement. Sie ist eine Tochter von Hans Michel Piëch, der bereits im Aufsichtsrat sitzt und Ferdinand Piëchs jüngerer Bruder ist. Seine Generation umfasst vier Geschwister. Die beiden Nachrücker entstammen beide der vierten Familiengeneration.

          Ferdinand Piëch und seine Ehefrau Ursula (58) waren am Samstag nach einem spektakulären Machtkampf von ihren Ämtern zurückgetreten. Zuvor hatte Ferdinand Piëch versucht,  Konzernchef Winterkorn zu stürzen. Infolgedessen eskalierte eine Sondersitzung des VW-Aufsichtsrates mit der Folge, dass Piëch eine öffentliche Schlappe kassierte und danach selbst unter Druck geriet. Nach einem weiteren Streit unter anderem mit seinem Cousin und VW-Miteigentümer Wolfgang Porsche.

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          Nachfolge für Posten des Chefaufsehers noch offen

          Durch die neuen Personalien ist indes keine Vorentscheidung für den Chefposten der Kontrolleure gefallen. Der Aufsichtsratsvorsitz wird aktuell kommissarisch vom Vize-Aufsichtsratschef Berthold Huber geführt. Der ehemalige Chef der IG Metall wird auch die VW-Hauptversammlung am nächsten Dienstag leiten.

          Die Berufung der beiden Frauen erfolgte auf Antrag des VW-Vorstandes über das Amtsgericht in Braunschweig. Das ist grundsätzlich erst nach drei Monaten Vakanz der Fall, kann „in dringenden Fällen“ aber auch früher geschehen. Die als Ersatz bestellten Mitglieder brauchen nun, sollte es demnächst nicht anders geregelt werden, die Amtszeit des Ehepaars Piëch auf - das wäre bis Frühling 2017.

          Ab dem Jahr 2016 müssen Aufsichtsrats-Neubesetzungen eine Zielvorgabe von 30 Prozent berücksichtigen. Nach dem Ausscheiden von Ursula Piëch saß zunächst mit Annika Falkengren nur noch eine Aufsichtsrätin auf der Kapitalseite. Wäre die anstehende Nachbesetzung mit Männern erfolgt, hätten künftige Wechsel ab 2016 nur noch mit Frauen laufen dürfen - bis es drei gewesen wären.

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