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Volkswagen : Piëch will Wolfgang Porsche als Nachfolger verhindern

Nicht mehr im VW-Aufsichtsrat, aber immer noch Großaktionär: Ferdinand Piëch Bild: dpa

Für Volkswagen ist der Rücktritt von Ferdinand Piëch ein tiefer Einschnitt. Was genau aber war eigentlich der Auslöser für den Eklat? Und wie geht es jetzt weiter? Offenbar will Piëch auf keinen Fall seinen Cousin an der Spitze des Aufsichtsrats sehen.

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          Nach dem Rückzug von Ferdinand Piëch hat bei Volkswagen die Suche nach einem Nachfolger für den Aufsichtsratsvorsitz begonnen. Bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden hat zwar der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber kommissarisch die Leitung des Gremiums übernommen, eine Dauerlösung ist das freilich nicht. Offen ist, ob die Familien Porsche und Piëch, die mit 50,7 Prozent die Mehrheit an VW halten, in ihren eigenen Reihen einen Kandidaten für den Aufsichtsratsvorsitz finden. Der Rücktritt Piëchs bedeutet für Volkswagen einen tiefen Einschnitt.  Piëch, ein Enkel des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche, galt lange Zeit als Machtzentrum in Europas größtem Autokonzern. Am Samstag hat er nach einer hitzigen Präsidiumssitzung bockig seine Posten hingeschmissen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Was genau zu dem Eklat führte, sickert erst nach und nach an die Öffentlichkeit: Schon die Worte, mit denen der Konzern den Rücktritt mitteilte, spiegeln wider, wie groß das Misstrauen zwischen den Akteuren bei VW am Ende war. „Die Mitglieder des Präsidiums haben einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist“, heißt es in der Erklärung. Es sei einfach nicht mehr gegangen mit Piëch, war aus aufsichtsratsnahen Kreisen zu hören. Er habe hinter den Kulissen immer weiter daran gearbeitet, Winterkorn abzusägen. Schon am Donnerstag rief das Präsidium deswegen eine Krisensitzung für den Samstagabend ein. Stundenlang debattierten die fünf Mitglieder Huber, VW-Gesamtbetriebsrat Bernd Osterloh, Betriebsratsmitglied Stephan Wolf sowie für die Anteilseigner Wolfgang Porsche und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) mit dem sechsten Mitglied Piëch – ohne die starren Fronten aufzubrechen. Am Ende machten die anderen Präsidiumsmitglieder Piëch dann sehr deutlich, dass er gehen müsse. „Vor diesem Hintergrund“, heißt es in der Erklärung, habe Piëch dann „sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrates sowie alle seine Aufsichtsratsmandate innerhalb des Volkswagen-Konzerns mit sofortiger Wirkung niedergelegt“. Seine Ehefrau Ursula schloss sich dem an.

          Wolfgang Porsche – Piëchs Cousin –, Weil und Osterloh scheinen dabei die treibenden Kräfte gewesen zu sein. Die drei hatten Winterkorn im Machtkampf mit Piëch vom ersten Tag an den Rücken gestärkt. Vor gut einer Woche setzten sie im Aufsichtsratspräsidium gegen den energischen Widerstand Piëchs schon durch, dass Winterkorn „seine Funktion als Vorsitzender des Vorstands auch weiterhin so aktiv und erfolgreich verfolgt“. Winterkorn habe „die uneingeschränkte Unterstützung des Gremiums“. Das war die erste krachende Niederlage für den Aufsichtsratsvorsitzenden. Danach, so heißt es in aufsichtsratsnahen Kreisen, habe man erwartet, dass Piëch sich an diese Entscheidung hält. Der Patriarch, der von sich selbst sagt, „mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt“, war nicht so zuverlässig, wie man sich das gewünscht hatte, hieß es.

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