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VW-Markenvorstand Diess : Sanierer unter Druck

Lächeln bitte: Herbert Diess vor dem neuen VW Arteon Bild: dpa

VW-Vorstand Herbert Diess stand auf der jüngsten Aufsichtsratssitzung vor dem Aus. In Genf stärkt Wolfgang Porsche dem früheren BMW-Manager den Rücken – oder nicht?

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          In den Tagen vor dem Genfer Autosalon hat sich VW-Markenvorstand Herbert Diess rar gemacht. Er sei im Urlaub, hieß es – und nur ganz schwer erreichbar. Schließlich hat der 1958 in München geborene Manager, der erst kurz vor dem Bekanntwerden des Dieselskandals im Juli von BMW nach Wolfsburg wechselte, im Hause Volkswagen den nervenaufreibendsten Job. Nicht nur, dass er die notorisch renditeschwache Kernmarke auf Effizienz und Profit trimmen soll.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          VW hat im Konzern auch die Führung beim Umbau zur Elektromobilität, worin nach allgemeiner Ansicht die Zukunft der gesamten Branche liegt. „Diess macht eine exzellente Arbeit“, hat VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche jetzt in Genf gesagt. Deutlicher kann die Eigentümerfamilie, die gut 52 Prozent an Volkswagen hält, nicht zeigen, dass sie Diess für den richtigen Mann am richtigen Ort hält.

          Das aber ist einigermaßen überraschend. Denn in den Tagen vor dem Branchentreffen in Genf hielten sich die Gerüchte, der beim Betriebsrat verhasste Sanierer sei nicht mehr als ein VW-Chef auf Abruf: „Noch-Vorstand“, kolportierten der eine oder andere aus dem Lager um den machtbewussten Betriebsratschef Bernd Osterloh. Im Laufe des jüngsten Treffens des Aufsichtsrats, so ist zu hören, soll über die Zukunft von Diess lange gestritten worden sein. Sein Stuhl hat mächtig gewackelt – und auch nach der Sitzung scheint das Möbelstück zumindest noch in Schwingung zu sein.

          Osterloh will Diess weghaben

          Diess‘ Urlaub dürfte erheblich unter dem Eindruck dieser Ereignisse gestanden haben. Osterloh, so viel ist klar, will ihn einfach nur noch weghaben. Die Eigentümerfamilie, vertreten durch Wolfgang Porsche, aber weiß im tiefsten Innern, wie wichtig es ist, die Kernmarke nach dem Abgasskandal grundlegend umzubauen. Sie stützt Diess deswegen, jedenfalls noch – und auf Bewährung. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ist offenbar auch nicht so ohne weiteres geneigt, dem mächtigen IG-Metall-Granden Osterloh zum Dolchstoß gegen Diess die Hand zu reichen.

          Weil ist klug genug zu wissen, was ein Ausscheiden des umstrittenen Managers bedeuten würde: Kein Investor würde mehr glauben, dass VW gegen den Willen der IG Metall die Kehrtwende zu höherer Produktivität schafft, jeder würde glauben, dass Osterloh der wahre Vorstandsvorsitzende ist. Und die Versprechen, in Wolfsburg sei eine neue, eine offene Unternehmenskultur eingekehrt, würden sich dann auch als Märchen erweisen.

          Nach dem Manipulationsskandal befindet sich VW in der tiefsten Krise des Unternehmens. Öffnen

          Die Wahrheit wäre dann nur, dass die Strukturen, die aus VW den volkseigenen Betrieb VEB Wolfsburg machen, jede noch so große Erschütterung überstehen. Und tatsächlich deutet bisher alles darauf hin, dass es nach wie vor genau so ist: Denn Diess hat in den vergangenen Tagen einiges an Selbstbewusstsein eingebüßt. Woran das nur liegt?

          „Es muss der Vorstand führen und nicht der Betriebsrat“

          Porsche selbst hat diesen Konflikt und die Lage von Diess in Genf überraschend offen beschrieben: „Es muss der Vorstand führen und nicht der Betriebsrat“, sagte der Großaktionär. „Es muss ein bisschen mehr im Gleichgewicht sein.“ Offensichtlich gibt es derzeit also ein Ungleichgewicht. Osterloh, so legen es die Worte des Eigentümers nahe, hat die Oberhand. Und alles, was Diess bisher versucht hat, um daran etwas zu ändern, war im Mindesten ungeschickt, wenn auch inhaltlich berechtigt.

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