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Quartalsgewinn sinkt deutlich : VW legt weitere Milliarde für Diesel-Rechtsstreit zurück

  • Aktualisiert am

VW fährt voraus, die Konzernmarken Porsche und Audi stehen noch auf der Bremse. Bild: dpa

Der VW-Konzern hat im ersten Quartal sieben Prozent weniger Gewinn gemacht, steigerte jedoch den Umsatz. Porsche und Audi belasten das Ergebnis – ebenso wie weitere Rücklagen für rechtliche Konflikte.

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          Volkswagen hat wegen der schwächeren Autokonjunktur zu Jahresbeginn einen Gewinnrückgang verbucht. Der Betriebsgewinn sank in den ersten drei Monaten binnen Jahresfrist um sieben Prozent auf 3,9 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Damit fiel der Rückgang nicht so hoch aus wie bei einigen Konkurrenten. Analysten hatten mit einem Gewinn in exakt dieser Höhe gerechnet. Der Umsatz stieg überraschend um drei Prozent auf 60 Milliarden Euro. Hier hatten die Experten einen deutlich geringeren Zuwachs prognostiziert.

          Zudem legte Volkswagen im ersten Quartal etwa eine Milliarde Euro für Rechtsrisiken zur Seite. Im Zwischenbericht hieß es dazu, es handele sich um negative Sondereffekte im Zusammenhang mit der „Dieselthematik“. Unklar blieb zunächst, worum es dabei genau geht – ob um weitere Rückstellungen für den Dieselskandal oder um Rückstellungen für das EU-Kartellverfahren gegen die deutschen Autohersteller. VW äußerte sich dazu nicht. Ohne diese Sondereinflüsse legte das operative Ergebnis um 0,6 Milliarden Euro auf 4,8 Milliarden Euro zu.

          Audi und Porsche machen Sorgen

          Auch die Gewinnrückgänge bei den Tochterunternehmen Porsche und Audi belasteten den Konzern. Bei Audi fiel das operative Ergebnis von 1,3 Milliarden auf 1,1 Milliarden Euro, bei Porsche ging das Ergebnis um knapp 12 Prozent auf 829 Millionen Euro zurück. Im Fall von Audi wiegt schwer, dass die Ingolstädter nach wie vor Probleme mit der Einführung des Abgas- und Verbrauchsprüfverfahrens WLTP haben. Im Autogeschäft bei Porsche lag das Minus den Angaben zufolge vor allem an weniger Verkäufen zu Jahresbeginn. Auch die Stuttgarter haben aber WLTP-Sorgen.

          Mit der Kernmarke VW Pkw fuhren die Wolfsburger mit einem operativen Gewinn von 921 Millionen Euro vor Sondereinflüssen jedoch ein um knapp 5 Prozent besseres Ergebnis ein. Dafür waren der Schwenk zu teureren Autos wie auch Kostensenkungen verantwortlich, hieß es. Der Umsatz wuchs mit 7,1 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro noch deutlicher als der operative Gewinn. Allerdings fielen bei der Marke negative Sondereinflüsse von rund 400 Millionen Euro an.

          Der Finanzvorstand des VW-Konzerns, Frank Witter, sprach von einem guten Start ins Jahr. Zwar bedeuteten die globalen Konjunkturrisiken Herausforderungen. Aber: „An unseren Zielen für 2019 halten wir trotzdem fest“, sagte er. Volkswagen erwartet, dass der Umsatz im Gesamtjahr um bis zu 5 Prozent zulegen wird, die operative Umsatzrendite vor Sondereinflüssen – also der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz – werde zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen. Einschließlich der Sondereinflüsse werde die Rendite am unteren Ende dieser Spanne liegen.

          Geld für die Elektromobilität

          Für Volkswagen ist in diesem Jahr entscheidend, dass die Einnahmen nicht wegbrechen, um den Umstieg in die Elektromobilität finanzieren zu können. Der Absatzrückgang in den ersten drei Monaten hielt sich mit 2,8 Prozent dank anziehender Geschäfte in Südamerika und robuster Auslieferungen in Europa in Grenzen. Der Rückgang um sechs Prozent in China, dem größtem Markt der Wolfsburger, schmerzt allerdings. Die Hoffnungen richten sich dort darauf, dass die Geschäfte wegen der Anfang April gesenkten Mehrwertsteuer wieder anziehen. Für das zweite Halbjahr hatte sich der Konzern zuletzt zuversichtlich gezeigt, auch weil der Vergleichszeitraum im Vorjahr wegen der Turbulenzen um die schärferen Abgasmessregeln WLTP schwächer ausgefallen war.

          Volkswagen investiert derzeit stark in die Elektromobilität, um die schärferen Umweltvorgaben zu erfüllen. Bis 2023 fließen 44 Milliarden Euro in die Elektromobilität, selbstfahrende Autos, Mobilitätsdienste, die Digitalisierung und den Umbau der Werke. Den Anfang macht der neue E-Wagen ID, der ab Herbst in Zwickau vom Band rollen soll. Dem folgt eine ganze Familie batteriegetriebener Fahrzeuge. Binnen zehn Jahren will der weltgrößte Autobauer rund 22 Millionen E-Autos bauen, fast 70 neue Modelle kommen auf den Markt.

          Dadurch fallen in den Unternehmen viele Arbeitsplätze weg, weil für den Bau von Elektroautos weniger Arbeitsschritte nötig sind als für herkömmliche Verbrenner. Zugleich will Konzernchef Herbert Diess die Kosten noch schneller senken und die Produktivität steigern. Das bringt den Betriebsrat auf die Barrikaden, der dem Management vorwirft, ungeplant und chaotisch vorzugehen. Im Gespräch mit der F.A.Z. versprach Diess am Donnerstag jedoch, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

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