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Eigene Batteriezellfertigung : VW investiert 44 Milliarden Euro in Elektro-Offensive

Diess geht bei der Elektromobilität in die Vollen. Bild: Reuters

Der VW-Konzern steckt in den nächsten fünf Jahren ein Drittel seiner Gesamtausgaben in Elektromobilität und Digitalisierung. Ganze Werke werden umgerüstet. Und China wird zur Chefsache.

          2 Min.

          Volkswagen verstärkt seine Investitionen in die Elektromobilität. Der Konzern will bis 2023 fast 44 Milliarden Euro in die Elektromobilität, in autonomes Fahren, Digitalisierung und neue Mobilitätsdienste investieren. Das ist deutlich mehr als die 34 Milliarden Euro, die bislang für die Jahre 2018 bis 2022 geplant waren.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          „Das sind etwa ein Drittel unserer geplanten Gesamtausgaben für die nächsten fünf Jahre“, sagte VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am Freitag in Wolfsburg, nachdem das Kontrollgremium die Pläne von VW-Chef Herbert Diess abgesegnet hat. Diess sagte, „wir machen Tempo bei den Zukunftstechnologien und beim notwendigen Umbau unserer Werke“. Um die neuen Investitionen aus eigener Kraft finanzieren zu können, muss der Konzern allerdings produktiver und profitabler werden. Der Konzern „arbeitet daher mit Nachdruck an der Ergebnisverbesserung in allen Marken und Gesellschaften“, sagte Diess.

          Saubere Mobilität

          Schwerpunkt der Investitionen wird die Wende des Unternehmens zur Elektromobilität sein. Der Aufsichtsrat stimmte dazu den Plänen von Diess zu, nach dem VW-Werk in Zwickau von 2022 an auch die Werke in Emden und in Hannover zu elektrifizieren. Der VW-Chef sagte, mit der Elektrooffensive richte sich VW verstärkt auf saubere Mobilität aus. „Wir erhöhen in diesem Bereich unsere Investitionen“, sagte er. Heute habe Volkswagen sechs batterieelektrische Modelle im Programm. Bis 2025 sollen es mehr als 50 sein.

          Um die geplante Ausweitung der Produktion von Elektroautos – geplant sind allein bei VW rund eine Million Fahrzeuge jedes Jahr von 2025 an – abzusichern, hat VW mit den koreanischen und chinesischen Zulieferern SKI, CATL, LG Chem und Samsung strategische Lieferanten für seine neuen Elektroautos der I.D.-Familie definiert, die auf der Basis eines einheitlichem Modularen-Elektro-Baukasten (MEB) gebaut werden sollen.

          Beteiligung an Batteriezellfertigung

          Allein der Volkswagen-Konzern erwartet bis 2023 einen jährlichen Bedarf von knapp 150 Gigawattstunden. Aktuell gebe es in Europa Kapazitäten für 20 Gigawattstunden. „Wir haben heute daher auch die Entscheidung getroffen, die Beteiligung an einer Batteriezellfertigung zu prüfen“, sagte Diess. Wie am Rande zu hören war, spreche VW dazu mit dem südkoreanischen Anbieter SKI.

          Zusätzlich zu den vom Aufsichtsrat beschlossenen Investitionen will Volkswagen gemeinsam mit seinen chinesischen Partnern im nächsten Jahr mehr als 4 Milliarden Euro in Elektromobilität und Digitalisierung in China investieren. Bis 2020 will das Unternehmen das größte Angebot an elektrifizierten Modellen auf dem größten Automarkt der Welt haben.

          China wird Chefsache

          Dazu würden in den kommenden zwei Jahren 30 neue Modelle eingeführt, die Hälfte davon aus lokaler Produktion. Der für China zuständige Vorstand, Jochem Heizmann, sagte, VW habe als Pionier „die individuelle Mobilität der Menschen Chinas ermöglicht“. Diese Rolle wolle das Unternehmen auch bei Elektroautos einnehmen.

          Wie wichtig China als Markt für den Konzern ist, zeigt auch eine Personalie, die der Aufsichtsrat beschloss: Konzernchef Diess, der in Personalunion auch die Marke VW und die Volumengruppe führt, übernimmt Mitte Januar auch das Vorstandsressort für China. Heizmann geht dann in den Ruhestand.

          Neben der Umrüstung der VW-Werke in Emden und Hannover beschloss der Aufsichtsrat zudem, ein neues Werk zu bauen, in dem Autos verschiedener Marken gebaut werden sollen. „Dafür suchen wir einen Standort in Osteuropa“, sagte Diess.

          Die Strategie, künftig in einem Werk die Autos mehrerer Marken zu bauen, soll Volkswagen auch dabei helfen, produktiver und profitabler zu werden. „Um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, setzen wir schließlich stärker als bislang auf Mehrmarkenwerke“, sagte Diess. So soll die VW-Passat-Familie, die derzeit in Emden gebaut wird, nach dem Umbau des ostfriesischen Werks in das kostengünstigere Skoda-Werk in Kvasiny nach Tschechien verlagert werden.

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