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VW-Hauptversammlung : Piëch ist in Abwesenheit anwesend

  • -Aktualisiert am

Winterkorn spricht, die Aktionäre lauschen Bild: AP

Auf der VW-Hauptversammlung dreht sich alles um den ausgeschiedenen Aufsichtsratschef. Piëch wird allseits gelobt. Aber viele äußern auch ihr Unverständnis für dessen Attacke auf Martin Winterkorn.

          3 Min.

          Ferdinand Piëch ist an diesem Dienstag schon um 8.30 Uhr in der Halle. Nur nicht persönlich. Als der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn an der Seite Wolfgang Porsches, Hans Michel Piëchs und des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil seinen Rundgang durch die ausgestellten Fahrzeugmodelle beginnt, will jeder nur wissen: Kommt Piëch zur Volkswagen-Hauptversammlung? Was ist wirklich vorgefallen? Aus der Aufsichtsratssitzung ist nichts herausgekommen. Von 17 bis 19.30 Uhr hat der Rat am Montag getagt und die Neuordnung des Nutzfahrzeuggeschäfts beschlossen. Sicher wichtig, interessiert hier aber keinen. Personalentscheidungen? Fehlanzeige.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          VW hat in Hannover neben dem Saal, in dem die Hauptversammlung um 10 Uhr beginnt, eine kleine Messehalle mit seinen Marken aufgebaut. Winterkorn und Konsorten sind offensichtlich bester Stimmung, sie scherzen, lachen, laufen dicht beieinander. Erster Stopp Skoda. Winterkorn bleibt Winterkorn: Am neuen Superb prüft er die Oberfläche des Lenkrads, tastet die Sitzbezüge ab und checkt die Passgenauigkeit der Windschutzscheibe am Dachholm. Dann sagt er zu Skoda-Chef Winfried Vahland: Glückwunsch. Lässt ihn ohne weitere Grußformel zurück und zieht weiter. Audi-Chef Rupert Stadler, ein enger Wegbegleiter Piëchs, trägt die Vorzüge von Lamborghini, Ducati und Audi vor. Winterkorn greift an die Türdichtung des Geländewagens Q7 und bittet Weil, einen Schritt zurückzutreten. Er wirft die solide ins Schloss fallende Tür zu und spricht: „Satt, nicht wahr?“

          Dann ist Porsche dran, Matthias Müller. Das hat Brisanz, soll sich Piëch doch für ihn als Winterkorns Nachfolger stark gemacht haben. Hier ist keine Spannung zu spüren, auch keine besondere Nähe, der Gang über den Stand verläuft routiniert. Müller, wie immer so freundlich wie professionell, sagt, er habe ein super Verhältnis zu Winterkorn. „Das war so und das bleibt so. Da kann kommen, was will“. Ob er von Piëch gefragt wurde, sich auf den Vorstandsvorsitz vorzubereiten? „Ich werde Ihnen doch nicht sagen, mit wem ich telefoniere“. Und dann stellt er noch mal klar, was er zur künftigen Konzernspitze denkt. „Falls es eines Tages zu einem Wechsel kommt, sollte der mit einem Generationswechsel verbunden sein“. Müller ist 61.

          Kurz bevor die Gruppe in den Saal tritt, in dem die Hauptversammlung stattfindet, sehen sich die Aufsichtsratsmitglieder dann doch zu einer Aussage gedrängt. Kurzfassung: Alles wieder prima, jetzt können sich alle wieder auf Autos konzentrieren.

          Ganz so ist es natürlich nicht. Berthold Huber kommt die Rolle des Sitzungsleiters zu. Er eröffnet mit persönlichen Worten und sagt, die dauerhafte Nachfolge von Piëch solle mit der angemessenen Ruhe vollzogen werden. Er habe sich außerordentliche Verdienste erworben (Applaus im Saal). Dass dies eine für alle außergewöhnliche Situation ist, wird in jedem Satz deutlich. Huber, obgleich als Gewerkschaftschef abgehärtet, scheint nervös zu sein. Er verspricht sich mehrfach. Als er die personellen Veränderungen aufzählt, sagt er noch: „Ich will an dieser Stelle auch Frau Piëch für ihr Engagement danken“ (ein Hauch von Applaus). Dann stellt er die neuen Aufsichtsräte vor. Eine gerichtliche Bestellung sei notwendig gewesen, da die Fristen für die Hauptversammlung schon verstrichen waren. Die beiden Damen verfolgen die Veranstaltung regungslos vom Podium aus, stellen sich später kurz persönlich vor.

          Winterkorn beginnt seinen Vortrag, ruhig, gefasst, mit, wie könnte es anders sein, Piëch. „Es liegen, vorsichtig gesagt, bewegte Tage hinter uns.“ Er sei froh, dass man sich auf das Geschäft konzentrieren könne. „Mir ist es wichtig, an dieser Stelle Ferdinand Piëch zu danken, im Namen von Volkswagen und auch persönlich. Vor seiner Lebensleistung haben wir großen Respekt. Das bleibt“. (Wieder Applaus im Saal.) „Volkswagen, das müssen sie wissen, ist ein kerngesundes Unternehmen mit grundsoliden Finanzen“, ruft Winterkorn den Aktionären zu und zählt die Erfolge auf.

          Auf dem Podium

          Die Aussprache beginnt: Redner um Redner würdigt Piëch und äußert Unverständnis über dessen Attacke auf den erfolgreichen Vorsitzenden, der zufrieden in sich hineinlächelnd einiges Lob einstreichen darf. Nur einer sagt, Cousin Wolfgang Porsche habe doch bestimmt die anderen Ratsmitglieder aufgehetzt und in einer Familienintrige Piëch provoziert, eine Falle gestellt. Die Frage aller Fragen wiederholen viele: Herr Winterkorn, Herr Huber, was ist wirklich vorgefallen? Der Nebel bleibt, Klarheit könnten nur Sätze aus Salzburg bringen. Die fallen heute nicht mehr. 19 Redner sind durch, einige warten noch. Piëch ist nicht gesichtet worden. Er hat an diesem Tag keinen neuen Rückhalt gewonnen. Abends wirkt er schon viel weniger präsent als zwölf Stunden zuvor.

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