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Mobilitätsdienstleister Moia : Der VW-Bulli wird zum Sammeltaxi

Ein Fahrgast steigt im Stadtzentrum von Hannover in einen Volkswagen T6 des Mobilitätsunternehmens Moia ein. Bild: dpa

Die VW-Gesellschaft Moia beginnt ihren Shuttle-Betrieb in Hannover. Ist das Unternehmen erfolgreich, sollen die Sammeltaxis auf der ganzen Welt rollen. Taxiunternehmen sind alarmiert.

          Für Robert Henrich, der Vorstand für das operative Geschäft beim neuen VW-Mobilitätsdienstleister Moia, war der Montag ein großer Tag. „An diesem Tag nehmen wir die ersten Euros ein“, sagte er. Nach 300 Tagen Probebetrieb und mehr als 230.000 Fahrten beginnt das Volkswagen-Tochterunternehmen seinen öffentlichen Shuttle-Betrieb mit Kleinbussen in der niedersächsischen Landeshauptstadt. 140 Fahrer in 35 Kleinbussen bieten von Montag an Fahrten an, die im Preis zwischen einer Taxifahrt und einer Fahrt mit Bussen und Bahnen liegen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          „Ridesharing“ – so nennt Moia das Angebot in schönstem Neudeutsch – soll dort schrittweise bis Ende des Jahres eingeführt werden. „Hannover ist die erste Stadt, in der wir fester Bestandteil der öffentlichen Mobilität werden sollen“, sagte Moia-Vorstandschef Ole Harms. Nächste Stadt wird Anfang 2019 Hamburg sein. Wie es weiter geht, ist noch nicht entschieden, doch das Interesse in anderen Städten ist groß. „Seitdem wir bekannter sind, rennen uns die Städte die Bude ein“, berichtete Henrich.

          Fahrer sollen auch Trinkgeld bekommen können

          Merve Bicak, 23 Jahre alt, ist als Fahrerin für Moia in Hannover von der ersten Stunde an dabei. „An so einem Riesenprojekt mitzumachen, ist spannend“, sagt sie. Während sie über ihre Erfahrungen berichtet, zeigt ihr Display an, wo der nächste Moia-Kunde eine Fahrt gebucht hat. Ein „Sebastian“ will aus der Innenstadt Hannovers zu seinem Arbeitsplatz gefahren werden. Die App zeigt Bicak den Haltepunkt, an dem sie ihren Kunden aufsammeln kann. Das Navigationssystem lotst sie. Der junge Mann gehört zu den 3500 Testnutzern, mit denen Moia sein Geschäftsmodell in Hannover in den letzten Monaten getestet hat.

          Während der Fahrt zeigt das Display Merve Bicak die nächsten Kunden an, die auf der Strecke eine Fahrt suchen. Schon mit der kleinen Flotte von 35 Autos und nur 3500 Testnutzern sei rund die Hälfte aller Fahrten wie diese bei Bicak geteilt gewesen, sagte Henrich. Die Moia-App, mit der Kunden ihre Fahrt bestellen und bargeldlos abrechnen, können von Montag an in Hannover alle interessierten Bürger in Hannover nutzen und sich anmelden. „Wir werden die Kunden angesichts der großen Nachfrage schrittweise freischalten“, kündigte Henrich an. „Ende des Jahres werde Moia allen Hannoveranern zur Verfügung stehen.“ Noch reichen die Kapazitäten nicht aus, um flächendeckend loszulegen.

          Eigentlich wollte die VW-Tochtergesellschaft in Hannover lediglich die Software für ihren neuen Shuttle-Service testen. Die ursprünglich von einem finnischen Start-up-Unternehmen entwickelte Software läuft mittlerweile rund, wird aber ständig weiterentwickelt. Bisher können Kunden eingeben, von wo nach wo sie fahren wollen, bekommen dann die Zeiten und Einstiegs- und Ausstiegspunkt genannt, dazu die Kosten, die vom Konto abgebucht werden. „Wir werden die App ergänzen“, kündigt Henrich an, „so dass die Fahrer auch Trinkgeld bekommen können.“ Das geht derzeit wegen des automatischen Abbuchungsverfahren noch nicht. Die Neuerung ist ein Ergebnis des Tests in Hannover: „Die Anregung dazu kam übrigens von den Fahrgästen“, sagte Henrich. Merve Bicak bestätigt das. „Was kriegen Sie denn?“, habe eine ältere Frau sie jüngst gefragt, deren Fahrt von einem Freund gebucht worden war und die gerne ein zusätzliches Trinkgeld zahlten wollte.

          Idee für große Städte attraktiv

          Das bargeldlose Fahren sei für ihre Kunden einer der Vorteile von Moia, sagt sie. Wobei die Preise für Fahrten in Hannover mit Beginn des normalen Geschäftsbetriebs deutlich steigen. Während der Testphase lag der Preis für eine Fahrt mit dem Moia-Kleinbus bei 6 Cent pro Person und Kilometer. Das wird jetzt im normalen Geschäftsbetrieb teurer. Von einem „regulären Fahrpreis“ spricht Moia. „Voraussichtlich werden Fahrten in der Stadt zwischen 5 und 7 Euro liegen, also ungefähr in der Mitte zwischen dem öffentlichen Nahverkehr und dem Taxi“, sagt Henrich.

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