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VW und seine Eigentümer : Eine schrecklich böse Familie

Der legendäre VW mit dem berühmten Brezelfenster. Bis 1953 sah der Käfer von hinten so aus. Bild: Rainer Wohlfahrt

Volksaktionäre, Staatskapitalisten, Gewerkschaften: Die Macht bei VW beanspruchen viele. Nicht zuletzt ein heillos zerstrittener Familienclan, den Ferdinand Piëch gerne lustvoll ruinieren würde.

          Ferdinand Piëch ist dann mal weg. Zusammen mit seiner Frau Ursula hat sich der Volkswagen-Patriarch am Samstag vor einer Woche aus dem Staub gemacht, nachdem der Aufsichtsrat - dem er selbst angehört - mit Mehrheit festgestellt hatte, dass „das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben“ sei.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer eigentlich hat sich da aus dem Staub gemacht? Der langjährige VW-Vorstandschef und ebenso langjährige Aufsichtsratsvorsitzende, geschenkt. Ein begnadeter Ingenieur und leidenschaftlicher Unternehmer, gewiss. Ein unberechenbarer, intriganter, halsstarriger und zugleich charismatischer Mann obendrein. Aber auch ein vermögender Großaktionär, Mitglied jenes Familienclans, der die Mehrheit am zweitgrößten Automobilkonzern der Welt hält. Gut 50 Prozent der VW-Anteile werden nämlich von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert - über eine an der Börse 26 Milliarden Euro schwere Holding, die Porsche SE mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen. Ferdinand Piëchs Anteil daran ist aktuell 1,8 Milliarden Euro wert.

          Nur Ärger, aber keine Macht

          Volkswagen ist so gesehen ein astreines Familienunternehmen. Piëch war bis zum vorvergangenen Samstag bei VW der wichtigste Vertreter der Eigentümerfamilie, die sich - klug geworden aus vielen zermürbenden Streitigkeiten - per Vertrag dazu verpflichtet hat, stets einmütig bei Volkswagen zu entscheiden.

          Jetzt ist der Gleichklang bei den Porsches und Piëchs beendet, die Familie zerrüttet, und der abgedankte Patriarch droht, als letzte Rache, seine Anteile loszuschlagen, was so einfach nicht ist. Der Verwandtschaft müssen die Aktien als Erstes angedient werden, und selbst falls sie externe Käufer zulässt: Welcher Fremde tut sich das an, wer wagt sich in diese zerstrittene Porsche-Holding, wo es nur Ärger, aber keine Macht gibt? Profi-Investoren, gerade unter den Angelsachsen, ist das ganze VW-Imperium schon lange nicht geheuer.

          Trotz Mehrheit bei den Stammaktien: Die Porsche SE hat bei VW nicht alleine die Macht.

          Tatsächlich spricht vieles dafür, dass sich hinter dem vordergründigen Machtkampf eines Aufsichtsratschefs mit seinem Top-Manager Martin Winterkorn in Wirklichkeit ein viel fundamentalerer Familienkonflikt verbirgt, der noch nicht ausgestanden ist, wenn zur VW-Hauptversammlung an diesem Dienstag zwei, bislang nicht weiter auffällige Nichten Ferdinand Piëchs als neue Aufsichtsratsmitglieder öffentlich in Erscheinung treten werden. Piëch, der zornige Patriarch, tobt und lässt ausrichten, er sei mit der Ernennung der - nichtsnutzigen - Nichten durch seine Vettern ganz und gar nicht einverstanden. Er bringt zwei externe Top-Manager als Aufsichtsräte ins Gespräch: Ex-BMW- und Linde-Mann Wolfgang Reitzle und Ex-Siemens-Frau Brigitte Ederer. Bei den Porsches geht es halt zu wie in jeder echten Familie. Meint Piëch es mit seinem Gegenvorschlag ernst, müsste er die Bestellung der Nichten gerichtlich anfechten. Bislang ist davon noch nichts zu hören. Aber das heißt bei einem wie Piëch gar nichts.

          Piëch Anfang der 1990er Jahre: Ein leitender Angestellter

          VW ein Familienkonzern? Nicht viele Deutsche würden die Frage, wem eigentlich Volkswagen gehört, derart eindeutig beantworten. Fragte man die Arbeiter am Band, würden die meisten von ihnen wie selbstverständlich sagen: „VW gehört uns.“ Die Aktionäre sind für sie weit weg. Erst recht die Familie Piëch-Porsche. Volkswagen gehört seinen Arbeitern. Und das Sagen hat die IG Metall, die mächtige Gewerkschaft. So war es immer schon.

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