https://www.faz.net/-gqe-78s4n

VW-Chef Winterkorn : Arbeiten bis ins biblische Alter

  • -Aktualisiert am

Zukunftsmodell? Der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn im Hybridmodell Bild: AFP

Viele Konzerne haben Altersgrenzen für ihre Spitzenmanager festgelegt. Das wirft die Frage auf, wie es beim Autokonzern Volkswagen weitergeht. Martin Winterkorn ist der älteste Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns.

          Als Papst Benedikt XVI. am 11. Februar bekanntgab, er sei „zu der Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“, war er 86 Jahre alt. Es war das erste Mal, dass ein Papst aus Altersgründen zurücktrat. Gewöhnlich endet die Amtszeit eines Papstes mit dessen Tod. Ganz andere Maßstäbe werden dagegen in der Welt der Wirtschaft angelegt. In vielen Unternehmen gelten klare Altersgrenzen für Spitzenmanager. Mancherorts liegt diese Grenze schon bei 62 Jahren und damit weit unterhalb des gesetzlich vorgesehenen Rentenalters, so zum Beispiel beim Autohersteller BMW.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Auch für Deutschlands größtes Unternehmen, den Volkswagen-Konzern, wird bald die Zeit reif, um den unvermeidlich eines Tages notwendigen Führungswechsel an der Spitze zu organisieren. Schon in einem Jahr müsste eigentlich der Führungszirkel des Autoherstellers die Weichen dafür stellen, wann der bisher äußerst erfolgreich agierende VW-Chef Martin Winterkorn den Vorstandsvorsitz niederlegt und in den Aufsichtsrat wechselt - und wer ihm nachfolgt. Denn nach Informationen dieser Zeitung ist in der Geschäftsordnung des Aufsichtsrats von Volkswagen eine Altersgrenze für die Vorstandsmitglieder grundsätzlich festgelegt. Dem Regelwerk des Kontrollgremiums zufolge, das für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, sollen die Manager den Vorstand spätestens zu ihrem 67. Geburtstag verlassen. Die Altersgrenze orientiert sich also an der für gewöhnliche Arbeitnehmer geltenden Regelaltersgrenze.

          Bei der Deutschen Bank ist man flexibel

          Abweichungen von dieser Regel soll es für die VW-Spitzenmanager nur in gut begründeten Ausnahmefällen geben, wie es in der Geschäftsordnung heißt. Damit wurde ein Hintertürchen offen gelassen, das den Druck zur Neuordnung der Konzernführung vorerst mindert. Winterkorn wird zwar am 24.Mai dieses Jahres 66 Jahre alt und ist damit der älteste in der Riege der Dax-Manager. Ohne dass die in der Geschäftsordnung formulierte Ausnahme genutzt wird, müsste er in einem Jahr den Vorstandsvorsitz niederlegen und könnte in den Aufsichtsrat wechseln. So jedoch läuft sein Vertrag noch bis 2016.

          Eine Begründung, um in Winterkorns Fall von der Altersgrenze abzuweichen, könnte sein, dass kein Nachfolger vom gleichen Format in Sicht ist. Doch davon kann eigentlich keine Rede sein: Vielmehr stehen gleich ein halbes Dutzend Kandidaten zur Verfügung. Als aussichtsreichste Anwärter auf den Spitzenposten werden der 50Jahre alte Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler, der 59 Jahre alte Porsche-Chef Matthias Müller und der 56 Jahre alte Škoda-Chef Winfried Vahland gehandelt. Alle drei können sich einerseits berechtigte Hoffnungen machen. Andererseits haftet ihnen der Makel an, keine Fahrzeugingenieure zu sein. Als Konzernchef müssten sie sich deshalb womöglich von den Verantwortlichen für die einzelnen Marken auf der Nase herumtanzen lassen, wenn es um Entscheidungen über neue Automodelle geht. Gute Chancen werden deshalb noch einem anderen Mann eingeräumt, dessen ruhige, aber erfolgreiche Arbeit im Hintergrund die Aufsichtsräte mit Interesse beobachten: Audi-Entwicklungschef Wolfgang Dürheimer, 54 Jahre alt.

          Anders als bei VW muss sich im Führungszirkel der Deutschen Bank niemand Gedanken über eine Altersgrenze machen. Der Ko-Vorstandsvorsitzende der Bank, der 64 Jahre alte Jürgen Fitschen, ist zwar nach Winterkorn der zweitälteste Spitzenmanager in der Dax-Riege. Aber das muss ihn nicht kümmern, denn das Geldhaus hat keine starre Altersgrenze für die Vorstände. Der Aufsichtsrat handhabt das Thema flexibel: für jedes Vorstandsmitglied individuell.

          Weitere Themen

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Das war nichts: Gegen Arsenal ist die Eintracht um Filip Kostic unterlegen.

          Heimdebakel in Europa League : Am Ende fällt die Eintracht auseinander

          Achtbarer Auftritt, bitteres Resultat: Frankfurt erspielt sich beim Start in die Europa League Torchancen in Hülle und Fülle, muss sich aber dem FC Arsenal geschlagen geben. In der nächsten Partie wird ein wichtigen Spieler fehlen.
          Signale des Bewusstseins, im Computer rekonstruiert: links ein fast bewusstloser Komapatient, rechts ein Gesunder, in der Mitte ein Komapatient mit Bewusstsein.

          Wegen Fehlverhaltens : Urteil gegen den Primus der Hirnforschung

          Der weltbekannte Hirnforscher Niels Birbaumer behauptet, Locked-In-Patienten wieder kommunikationsfähig zu machen. Jetzt hat ihn die DFG wegen Fehlverhaltens verurteilt. Er will trotzdem weitermachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.