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Herbert Diess : Der Drängler von Volkswagen

Volkswagen-Chef Herbert Diess hat viel vor. Bild: Bloomberg

VW-Chef Herbert Diess hat klare Vorstellungen von der Zukunft der Branche. Die will er durchsetzen. Dabei entdeckt er auch Sympathien für Greta Thunberg.

          In den Konzernetagen auf dem Wolfsburger VW-Gelände am Mittellandkanal machen Mitarbeiter keinen Hehl daraus, wie zufrieden sie mit dem Vorstoß ihres Chefs sind. „In Berlin wird über die VW-Vorschläge aktiv und angeregt debattiert“, heißt es.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die Vorschläge? Dahinter steckt das Strategiepapier von Volkswagen-Chef Herbert Diess, in dem VW der Berliner Politik und der deutschen Autobranche Vorschläge macht, wie die Elektromobilität in Deutschland mit mehr Wucht und Subventionen durchgesetzt werden sollte. Die Vorstandschefs der anderen deutschen Autokonzerne setzte Diess mit seinem politisch geschickt über Bande gespielten Vorstoß unter Druck.

          „Zur Elektromobilität gibt es mindestens im nächsten Jahrzehnt keine gleichrangige oder gleichwertige Alternative“, heißt es bei VW. Brennstoffzelle? Alternative Kraftstoffe? Bis zum Jahr 2030 sei das zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen nicht zu schaffen. Diess hat sie überrumpelt, am Ende folgten ihm die anderen, zögernden Autobosse nach einem 20 Minuten kurzen Gespräch am Mittwochabend.

          Diess, seit knapp einem Jahr an der Spitze des größten europäischen Autokonzerns, setzt bei Volkswagen mit der Elektromobilität alles auf eine Karte. Nur so kann das Unternehmen die strengen CO2-Auflagen erfüllen, die die EU und auch die deutsche Politik der Branche verordnet hat.

          Der Kostenkiller

          Der 60 Jahre alte Österreicher, der im Sommer 2015 von BMW nach Wolfsburg kam, um die renditeschwache Kernmarke zu sanieren, gilt als „Kostenkiller“. So einen brauchte Volkswagen schon damals. Jetzt, nach dem Diesel-Skandal und der politischen Diskussion über Diesel-Fahrverbote und Klimaschutz, muss Diess als Konzernchef mit der Transformation von VW mehr leisten, als nur die Kosten zu senken.

          Er hat sich unter dem Druck der Politik entschieden: Diess will das Schmuddelkind VW mit seiner Offensive für Elektroautos zum ökologischen Musterknaben machen. Auf der Betriebsversammlung im Wolfsburger Stammwerk zeigte er in dieser Woche gar Sympathie für die schwedische Klimaschützerin Greta Thunberg und für die Freitagsdemonstrationen von Schülern. Die – so Diess – hätten „Angst um unseren Planeten“.

          Dass die schärfsten Kritiker Volkswagens während der Diesel-Krise, Grüne und die politische Linke, VW jetzt dafür loben, wird in Wolfsburg aufmerksam registriert. Ob die Rechnung am Ende für VW aufgeht und die Kunden bis zum Jahr 2030 wirklich zu 40 Prozent Elektroautos kaufen, hängt nicht nur davon ab, ob die Elektroautos der I.D.-Familie zünden, die VW vom Jahresende an auf den Markt drücken will.

          Eine vernünftige Ladeinfrastruktur fordert der VW-Chef, dazu steuerliche Subventionen für die Käufer von E-Autos. Das soll die Politik nicht nur mit Hilfe der Peitsche der verschärften CO2-Grenzwerte, sondern auch mit dem Zuckerbrot großzügiger staatlicher Subventionen durchsetzen. Dass VW dabei vor allem Kleinwagen fördern und selbst stärker profitieren will als die Wettbewerber, stieß bei denen zwar übel auf. Im Grundsatz weiß Diess seine Kollegen jetzt aber hinter sich.

          Als Vorreiter einer grünen Planungswirtschaft stieß der Volkswagen-Chef lange vor allem bei denen in der Branche auf Widerstand, die fürchten, dass die einseitige Konzentration auf das Elektroauto die Autoindustrie auch in die Sackgasse manövrieren könnte.

          Diess ist dagegen ganz klar: „Jetzt gilt es, alle Kräfte auf ein Ziel auszurichten.“ Technologieoffenheit für andere Antriebe sei jetzt die falsche Parole und führe nur dazu, den Systemwandel weiter in die Zukunft zu verlegen. „Es gilt, die politischen und gesellschaftlichen Kräfte auf den Systemwechsel zur E-Mobilität zu bündeln.“

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