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Mächtiger Aufsichtsrat : VW-Betriebsratschef Osterloh vor neuen Aufgaben

Bernd Osterloh Bild: dpa

Im Volkswagen-Konzern zeichnet sich das Ende einer Ära ab. Wer folgt auf Bernd Osterloh – und wie wirkt sich das aus?

          2 Min.

          Im Volkswagen-Konzern zeichnet sich das Ende einer Ära ab. Betriebsratschef Bernd Osterloh, ein machtvoller Pragmatiker, der manchen als heimlicher Regent in Wolfsburg gilt, plant nach Informationen der F.A.Z. seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat des Autokonzerns und aus der Betriebsratsarbeit. Der Gewerkschafter, der im September 65 Jahre alt wird, hat dem Vernehmen nach ein Angebot, Personalvorstand von Traton zu werden, der Lastwagen-Tochtergesellschaft von VW.

          Carsten Germis
          (cag.), Wirtschaft

          Über einen Rückzug Osterlohs, mit dem der Betriebsratschef auch den Generationenwechsel bei der IG Metall und im Betriebsrat von VW einleiten will, wird in Wolfsburg seit einiger Zeit schon spekuliert. Jetzt scheint Osterloh der richtige Zeitpunkt gekommen: Im Frühjahr 2022 stehen bei Volkswagen zwei wichtige Wahlen an, die ihre Schatten vorauswerfen. Im Aufsichtsrat werden dann die Vertreter der Arbeitnehmer neu gewählt, zudem gibt es Betriebsratswahlen.

          Bernd Osterlohs Stellvertreterin Daniela Cavallo gilt dabei als seine Kronprinzessin. Seit 2019 steht die 1975 in Wolfsburg geborene Frau an der Seite Osterlohs im Betriebsrat. Als Tochter eines Italieners, der als einer der ersten Gastarbeiter zu VW nach Wolfsburg kam, steht sie auch für die große Gruppe der Migranten aus Südeuropa, die schon in der zweiten Generation im Wolfsburger Werk arbeiten.

          Wichtiger Generationenwechsel

          Sollte Osterloh das Angebot annehmen und als Personalvorstand zu Traton gehen, muss er im Aufsichtsrat ersetzt werden. Cavallo, die dann vermutlich vom zuständigen Registergericht bestimmt würde, hätte als neues Mitglied im Kontrollgremium des Konzerns im bald beginnenden Wahlkampf dann die Chance, sich zu profilieren und aus dem Schatten ihres Förderers Osterloh herauszutreten.

          Eine offizielle Bestätigung für den personellen Wechsel auf der Arbeitnehmerbank des Aufsichtsrats von VW gab es am Donnerstag auf Anfrage weder vom Betriebsrat, noch vom Aufsichtsrat. Osterloh hat in kleineren Runden aber selbst immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig der Generationenwechsel im Betriebsrat sei. Zudem stand er schon 2015 schon einmal kurz davor, als Personalvorstand ins Management des Wolfsburger Konzerns umzusteigen – blieb dann aber wegen des Dieselskandals und der Risiken für VW auf seinem Posten.

          Konzern-Personalvorstand ist seit April 2018 mit Gunnar Kilian ein früherer Mitarbeiter und enger Vertrauter Osterlohs. Kilian ist im Wolfsburger Konzernvorstand auch für Traton zuständig. Der Posten des Personalvorstands ist dort seit einiger Zeit vakant.

          Osterloh ist seit 2005 Mitglied im Aufsichtsrat des Wolfsburger Konzerns. Bei VW begann er seine Karriere 1977 als Arbeiter in der Produktion und durchlief danach eine klassische Betriebsratskarriere. 2002 wurde er erstmals in den Gesamtbetriebsrat gewählt, wo er 2005 Nachfolger von Klaus Volkert wurde, der wegen eines Bestechungsskandals zurücktreten musste.

          Der 64-Jährige Osterloh gilt als einer der einflussreichsten Arbeitnehmervertreter in Deutschland und hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte mit Konzernchef Herbert Diess geliefert, die die beiden selbstbewussten Männer auf offener Bühne austrugen. Diess stand dabei zwei Mal kurz vor dem Sturz.

          Mit Cavallo dürfte sich der Stil der Konflikte zwischen Vorstand und Betriebsrat ändern. Gewerkschafter, die Cavallo gut kennen, sagen zwar, sie sei ähnlich durchsetzungsfähig und rhetorisch geschickt wie Osterloh. Doch wo Osterloh gerne lospolterte, geht sie die Sache ruhiger an. Cavallo hat 1994 als Bürokauffrau bei VW angefangen und seitdem ihr ganzes Berufsleben im Unternehmen verbracht. In den Betriebsrat wurde sie erstmals 2002 gewählt.

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