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Volkswagens Lieferstreit : Betriebsratschef Osterloh sieht Schuld eindeutig bei Zulieferer

  • Aktualisiert am

Trübe Aussichten in Wolfsburg Bild: Reuters

Der Zuliefererstreit schlägt seit Montag auf die Produktion bei VW. Schuld ist für VW-Betriebsratschef Osterloh eindeutig die Zulieferer-Gruppe. Mit der hat auch ein anderer Autobauer Ärger.

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          VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat im Zuge des Zuliefererstreits und der Abgasaffäre vor Kündigungen gewarnt. "Solange ich Betriebsrat bin, wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Stammbelegschaft ist Stammbelegschaft", sagte Osterloh gegenüber der "Bild"-Zeitung.

          "Wenn sich jemand trauen sollte, dort abbauen zu wollen, müssten wir auch den Vorstand verkleinern!" Darüber sei dann im Aufsichtsrat zu reden, so Osterloh. Als Arbeitnehmervertreter gehört er diesem ebenfalls an. VW-Chef Müller stehe aber genau wie er zu den Beschäftigten. Die Verantwortung für den Produktionsstillstand sieht er „eindeutig beim Zulieferer.“

          Der Streit zwischen Volkswagen und den sächsischen Zulieferern ES Automobilguss und Car Trim, die über den Finanzinvestor Eastern Horizon mit der Prevent GmbH in Wolfsburg verbunden sind, schlägt von Montag an voll auf die Produktion des Golf durch. Ein bereits am Wochenende eingeleiteter Fertigungsstopp hält bis voraussichtlich zum kommenden Samstag (27. August) die Bänder für das wichtigste VW-Modell im Stammwerk Wolfsburg an.

          30.000 Beschäftigten droht Kurzarbeit

          Entsprechende Schichten der Belegschaft fallen aus, gut 10.000 Mitarbeiter haben Zwangsurlaub, Kurzarbeit wird geprüft. In Zwickau soll die Montage für den Golf und auch für den Passat wegen fehlender Getriebeteile und Sitzbezüge ebenfalls ruhen. Am Standort seien bis zu 6000 Mitarbeiter von "Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit" betroffen, wie Volkswagen am Montag mitteilte.

          Auch in Kassel, Salzgitter und Braunschweig ist die Produktion unterbrochen. Im Werk Passat-Emden wurde schon Kurzarbeit für mehr als 7500 Beschäftigte angemeldet. Insgesamt könnten fast 30.000 VW-Beschäftigte betroffen sein.

          Wird die Kurzarbeit genehmigt, bekommen die betroffenen Beschäftigten aus Sozialversicherungsmitteln bis zu 67 Prozent ihres Lohnausfalls erstattet, der ihnen durch die reduzierte Arbeitszeit entsteht.

          Volkswagen und die hinter den beiden Lieferanten stehende Prevent-Gruppe kündigten an, zum Wochenbeginn ihre zuletzt abgebrochenen Verhandlungen über eine Lösung des Streits fortzusetzen. Prevent wirft VW vor, bestimmte Aufträge frist- und grundlos gekündigt zu haben. Dagegen wolle man sich mit dem Lieferstopp wehren.

          Der Konzern fordert hingegen von den Geschäftspartnern, bestehende Liefervereinbarungen einzuhalten. Wie es aus dem Umfeld der Streitparteien heißt, geht es um etwas mehr als 56 Millionen Euro. Diese seien die Entschädigung für schon erbrachte Investitionen und Leistungen heißt es aus dem Umfeld von Car Trim.

          Ganz besonders leidet VW momentan unter dem Lieferstopp von ES Autoguss, da die Firma das wichtigste Teil für die Getriebe des Golf liefert.

          Auch Daimler hat Ärger mit Prevent

          Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, hat derweil auch Daimler Ärger mit der Prevent-Gruppe. Demnach ist am Landgericht Braunschweig eine Klage in Millionenhöhe von Prevent gegen Daimler anhängig, bei der es um Auftragskündigungen aus dem Jahr 2013 gehen soll.

          Ein Daimler-Sprecher bestätigte auf Anfrage der Zeitung, dass man sich in einer juristischen Auseinandersetzung befinde, jedoch weiter in "sehr geringem Umfang" mit der Prevent-Gruppe zusammenarbeite.

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