https://www.faz.net/-gqe-vxql

VW-Betriebsratschef Osterloh im Interview : „Wiedeking ist auch nur ein abhängig Beschäftigter“

  • Aktualisiert am

„Weil jeder Komponist einen Dirigenten hat, der den Musikstil umsetzt”: VW-Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh Bild: AP

Der VW-Betriebsratschef Osterloh attackiert im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung den Porsche-Chef Wiedeking. Zudem ruft er Kanzlerin Merkel zur Hilfe auf und droht mit Protestaktionen: „Wir haben Druckmittel.“

          6 Min.

          Der Konflikt zwischen Porsche und dem VW-Betriebsrat spitzt sich zu. Um den Großaktionär Porsche in die Knie zu zwingen, setzt der Betriebsrat jetzt auf eine Neuauflage des VW-Gesetzes. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, dass sich der Betriebsrat bereits in Briefen an Bundeskanzlerin Angela Merkel, an Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier, an Umweltminister Sigmar Gabriel und weitere Politiker gewandt habe. Zudem kündigt Osterloh juristische Schritte gegen Porsche an.

          Herr Osterloh, wenn ein Komponist ein neues Stück schreibt, muss er nicht das Orchester fragen, ob es zu anstrengend oder das Tempo zu schnell ist. Warum soll Porsche-Chef Wiedeking Sie fragen, wie er mit Volkswagen umgeht?
          Weil jeder Komponist einen Dirigenten hat, der den Musikstil umsetzt.

          Also sind Sie der Dirigent?
          Davon bin ich weit weg. Ich bin Vertreter der Belegschaft. Und wir haben als Betriebsrat das beste Wahlergebnis der VW-Geschichte bekommen. Mir geht es darum, dass die Mannschaft, das Orchester, das Lied spielen kann. Eines dürfen Sie nicht vergessen: Herr Wiedeking ist nicht der Eigentümer von Volkswagen. Das sind die Familien Porsche und Piëch.

          Mit anderen Worten: Wendelin Wiedeking soll keine so großen Töne spucken und Ihnen mehr Mitbestimmungsrechte geben.
          Herr Wiedeking ist nicht mehr als einer der obersten Angestellten der Familien Piëch und Porsche, im Endeffekt also ein abhängig Beschäftigter, natürlich mit einem anständigen Salär.

          Sie haben an Wolfgang Porsche appelliert, vermittelnd einzuschreiten. Hat er geantwortet?
          Nein. Wir erwarten aber, dass er als Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche-Holding ein Bekenntnis zu Volkswagen abgibt und offenbart, was Porsche strategisch will.

          Fühlen Sie sich jetzt auch im Stich gelassen von Ferdinand Piëch? Schließlicht galt der starke Mann von VW all die Jahre als heimlicher Verbündeter der IG Metall.
          Herr Piëch hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass er Verständnis hatte für das Thema Standort- und Beschäftigungssicherung. Zudem ist er sicher einer der genialsten Konstrukteure und Unternehmensführer der letzten Jahrzehnte. Für ihn zählte immer: gute Autos zu produzieren, die den Kunden gefallen. Ansonsten werden da viele Märchen gestrickt.

          Die Nähe zwischen dem Milliardär Piëch und den Gewerkschaftern ist so ein Märchen?
          Es ist doch ganz einfach: Herr Piëch möchte seine Interessen durchsetzen. Wir die unseren. Da gibt es Schnittmengen, dann arbeitet man zusammen.

          Bereuen Sie es, dass Sie Porsche als neuen Großaktionär erst begrüßt haben?
          Wir haben immer gesagt, uns ist ein Familienunternehmen lieber als ein Hedge-Fonds.

          Das gilt auch nach dem Streit mit Porsche über die Mitbestimmung in der neuen Holding?
          Für mich ist das kein Streit. Wir fordern eine angemessene Beteiligung der VV-Belegschaft an der neuen Holding, der Porsche SE. Nicht mehr, aber auch auf keinen Fall weniger.

          Herr Wiedeking hat angekündigt, bei Bedarf die heiligen Kühe von VW zu schlachten.
          Davon habe ich zuletzt nichts mehr gelesen, in dem offenen Brief von Porsche...

          ... ganzseitige Anzeigen, in denen Wendelin Wiedeking sich als Freund der Arbeitnehmer inszeniert, haben Ihnen die Angst genommen?
          Wir haben keine Angst. Wovor sollen wir uns fürchten? Hinter uns stehen 324 000 Menschen. Neulich hat ein Kollege gefordert, mit allen IG Metallern der deutschen VW- und Audi-Standorte nach Stuttgart zu fahren.

          Weitere Themen

          Alphabet erstmals über eine Billion Dollar wert Video-Seite öffnen

          Bedeutsamer Anstieg : Alphabet erstmals über eine Billion Dollar wert

          Die Schwelle von einer Billion Marktkapitalisierung geknackt hatten zuvor bereits der Softwarekonzern Microsoft, der Versandhändler Amazon und der iPhone-Hersteller Apple. Die Aktie des Konzerns war in den vergangenen drei Monaten um rund 16 Prozent gestiegen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.