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VW-Betriebsratschef Osterloh im Interview : „Wiedeking ist auch nur ein abhängig Beschäftigter“

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Wann unternehmen Sie den nächsten Anlauf zur Versöhnung mit dem Porsche-Betriebsrat?
So bald wie möglich. Dazu muss aber die Vereinbarung geändert werden.

Den ersten Prozess gegen Porsche haben Sie schon verloren.
Tun Sie mir einen Gefallen, verkürzen Sie die Dinge nicht: Das Gericht hat keine einstweilige Verfügung erlassen, welche die Eintragung der neuen Porsche-Gesellschaft SE ins Handelsregister verhindern sollte. Inhaltlich ist da nichts entschieden worden. Die Klage im Hauptsacheverfahren reichen wir jetzt beim Arbeitsgericht Stuttgart ein.

Was wollen Sie damit erreichen? Mehr Sitze im Aufsichtsrat, oder genügt Ihnen mehr Einfluss im neuen Holding-Betriebsrat?
Wir reden über ein Gesamtpaket, wie bei Tarifverhandlungen.

All den Ärger hätten Sie sich erspart, wenn die Stuttgarter IG Metall den Pakt mit Porsche nicht unterschrieben hätte. Haben Ihre Freunde im Süden geschlafen, oder haben die Sie verraten?
Das kann ich nicht beurteilen. Da müssen Sie in Stuttgart nachfragen.

Gab es da vielleicht Deals mit Wiedeking?
Das glaube ich nicht. Aber manchmal sitzt einem vielleicht das Hemd näher als die Hose.

Der Porsche-Chef bleibt jedenfalls hart, hat er gerade wieder verkündet. Wie reagieren Sie darauf? Mit Streiks im VW-Werk Bratislava, wo auch der Porsche Cayenne vom Band läuft?
Das wäre Blödsinn. Wir streiken nicht gegen unser eigenes Unternehmen. Wir werden Volkswagen nicht schädigen und somit uns selbst. Klar haben wir Druckmittel. Am 4. Dezember auf der Betriebsversammlung werde ich das ein oder andere mitteilen.

Vielleicht sollten Sie einsehen, dass Porsche am längeren Hebel sitzt: Der Clan könnte die neue Holding nach Österreich oder Holland verlegen. Dann hätte sich das Thema Mitbestimmung erledigt.
Und die Glaubwürdigkeit von Porsche auch. Wie ernst sollen denn die Treuschwüre zum Standort Deutschland gemeint sein?

Warum sind Sie eigentlich so stur, nur wegen ein paar Sitzen im Betriebsrat?
Weil die Stimmen von 324.000 Mitarbeitern nicht weniger wert sein können als die von 12.000. Oder stellen Sie sich so Demokratie vor?

Die Organisation von Unternehmen hat nun mal nichts mit Demokratie zu tun.
Aber meine Herren. In Deutschland gibt es ein Mitbestimmungsgesetz, ein Betriebsverfassungsgesetz, abgeleitet vom Grundgesetz.

Am besten wählen die Arbeitnehmer ihren Chef auch noch selbst.
Gerne. Den Vorschlag finde ich gut, ehrlich. Schreiben Sie das. Wir haben ja den Vorstandsvorsitzenden einstimmig gewählt, mit den Stimmen der Arbeitnehmer im VW-Aufsichtsrat. Und der heißt Martin Winterkorn.

Hält der VW-Vorstand sich in dem Konflikt deshalb so zurück? Offenbar duldet er es, wie Sie die Belegschaft gegen die neuen Eigentümer mobilisieren.
Ich will hier mal drei Dinge klarstellen. Erstens: Wir fragen den Vorstand nicht, worüber wir mit unseren Kolleginnen und Kollegen sprechen. Zweitens: Wir mobilisieren nicht gegen Porsche, sondern informieren unsere Kollegen darüber, wie sich Porsche zu unseren Mitbestimmungsrechten aufstellt. Drittens: Ich kann Ihnen nur bestätigen, dass Herr Doktor Winterkorn einer der wenigen Manager ist mit dem Format, solch einen Weltkonzern zu führen. Deshalb haben wir ihn mitgewählt.

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