https://www.faz.net/-gqe-82dlr

Piëch gegen den Rest : Volkswagens Führungsstreit geht weiter

  • Aktualisiert am

Wie geht der Machtkampf im Volkswagen-Konzern weiter? Aufsichtsratschef Ferdinand Piech (r.) möchte Vorstandschef Martin Winterkorn loswerden. Bild: dpa

Ferdinand Piëch ist damit gescheitert, VW-Chef Martin Winterkorn abzusetzen. Aber wie sollen die beiden künftig miteinander arbeiten? Ein weiteres Sondertreffen der obersten Kontrolleure steht offenbar bevor.

          2 Min.

          Der Führungsstreit in Europas größtem Automobilkonzern geht weiter. Die obersten Aufsichtsräte von Volkswagen wollen sich angeblich bald abermals treffen, um den Streit in den Griff zu bekommen. Ziel des Treffens der Mitglieder des Präsidiums des Aufsichtsrats solle sein, ein vernünftiges Miteinander von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und VW-Chef Martin Winterkorn zu erreichen, berichtete das „Handelsblatt“ und beruft sich dabei auf das Umfeld des Gremiums. Die Arbeit zwischen den beiden müsse funktionieren. Das neuerliche Treffen solle noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai stattfinden. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete hingegen mit Bezug auf Kreise des Konzerns und der niedersächsischen Landesregierung, dass keine weitere außerplanmäßige Sitzung des Gremiums bevorstünde.

          Der mächtige Firmenpatriarch Piëch war am vergangenen Donnerstag mit seinem Vorhaben gescheitert, Winterkorn abzuservieren. Er konnte keinen einzigen der anderen anderen führenden Konzernkontrolleure von seinem Ansinnen überzeugen. Das Treffen war indes sogar soweit eskaliert, dass es beinahe zu einer Revolte gegen Piëch gekommen wäre, berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

          „Es gibt keinen Grund, den Rücktritt Piëchs zu betreiben“

          Piëch hatte sich zunächst hartnäckig geweigert, Winterkorn im Amt zu belassen und einer entsprechenden Erklärung der übrigen fünf Mitglieder zuzustimmen. Nach Angaben der F.A.S. forderte er zumindest eine Kompensation für sein Wohlverhalten. Einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge warf Piëch dabei seinem Cousin und Firmenmiteigentümer Wolfgang Porsche vor, ihn „killen“ zu wollen. Die fünf anderen obersten Aufsichtsräte - neben Porsche sind das Betriebsratschef Bernd Osterloh, Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Stephan Wolf - jedoch blieben hart. Sie schlugen Piëch jedes Zugeständnis aus und waren dazu bereit, ihn notfalls zum Rücktritt aufzufordern.

          Am Wochenende machten dann Berichte die Runde, die Stimmung gegenüber Piëch sei nun insgesamt aufgeheizt und sein eigener Posten ihm nicht mehr sicher. „Der Alte muss jetzt weg!“, sagte ein Aufsichtsrat nach Angaben der „Bild am Sonntag“. Die Zeitung berichtete außerdem, dass 14 von 20 Aufsichtsratsmitgliedern bereit seien, Piëch abzuwählen - das wäre die dafür erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit.

          Sogleich meldeten sich wichtige Konzern-Kontrolleure zu Wort. Der frühere IG-Metall-Chef und Aufsichtsrats-Vize Berthold Huber sagte: „Zur aktuellen Diskussion stelle ich klar: Es gibt keinen Grund, den Rücktritt von Dr. Piëch zu betreiben. Die Arbeitnehmer haben zum wiederholten Male erklärt, dass wir die Kombination zweier starker Persönlichkeiten an der Spitze von Volkswagen schätzen“ Und weiter äußerte er: „Wir haben die feste Absicht, mit Dr. Piëch und Dr. Winterkorn den erfolgreichen Weg von Volkswagen auch in Zukunft fortzusetzen.“

          Auch das Land Niedersachsen als Großaktionär trat Spekulationen um die Zukunft Piëchs entgegen. „Ministerpräsident Stephan Weil hat stets betont, dass er die erfolgreiche Zusammenarbeit sowohl mit dem Vorstandsvorsitzenden des VW-Konzerns als auch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden fortsetzen will. An dieser Haltung hat sich nichts geändert“, teilte Regierungssprecherin Anke Pörksen mit.

          VW-Vorstandschef Martin Winterkorn sagt unterdessen überraschend einen eingeplanten Besuch auf der wichtigen Automesse in Schanghai ab. Als Grund nannte ein Konzernsprecher eine Grippe-Erkrankung.

          Weitere Themen

          Lieferengpässe wegen Coronavirus-Epidemie Video-Seite öffnen

          iPhone Produktion stockt : Lieferengpässe wegen Coronavirus-Epidemie

          Wegen der Coronavirus-Epidemie in China hat Apple seine Umsatzprognose für das laufende Quartal zurückgenommen. Ursprünglich hatte der US-Konzern bis Ende März mit einem Umsatzvolumen von bis zu 67 Milliarden Dollar gerechnet. Diese Zahlen kann das Unternehmen nach eigenen Angaben nun nicht mehr erreichen.

          Topmeldungen

          Norbert Röttgen am Dienstag in der Bundespressekonferenz in Berlin

          Röttgen zu Bewerbung : „Es geht um die Zukunft der CDU“

          Er ist der vierte Bewerber aus Nordrhein-Westfalen: Der CDU-Außenexperte Norbert Röttgen will Annegret Kramp-Karrenbauer an der Spitze der CDU beerben – und stellt einen Sechs-Punkte-Plan vor.

          Champions League : Das brisante Tuchel-Thema nervt die Dortmunder

          Vor dem Champions-League-Duell des BVB mit Paris dominiert der frühere Trainer Thomas Tuchel die Schlagzeilen – zum Leidwesen der Dortmunder. Manche sind genervt. Einer allerdings hat ein großes Lob für Tuchel parat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.