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VW-Aufsichtsrat : Wiedeking kommt, Piech geht

  • Aktualisiert am

Noch bis 2007 gewählt: Piech Bild: picture-alliance/ dpa

Der Streit um den VW-Aufsichtsrat ist beendet: Porsche-Chef Wiedeking wird am Montag in das Aufsichtsgremium einziehen, der bisherige Aufsichtsratschef Piech scheidet 2007 aus dem Gremium aus.

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          Im Streit um die Besetzung des Aufsichtsrats bei Volkswagen gibt Ferdinand Piech im nächsten Jahr den Vorsitz des Gremiums auf. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zieht schon am Montag in den Aufsichtsrat ein, als neuen Aufsichtsratschef suchen die beiden Großaktionäre aber einen neutralen Mann.

          Piech werde sich 2007 nach fünf Jahren im Amt nicht mehr zur Wahl stellen, teilten der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und der Sportwagenbauer Porsche am Freitag mit. Für die Nachfolge des 68jährigen suchten Porsche und das Land jemanden, der keinem der beiden Großaktionäre zuzurechnen sei. „Wir werden uns auf eine neutrale Person verständigen“, sagte Wulff. Porsche stellt mit Wiedeking und Finanzchef Holger Härter künftig zwei VW-Aufsichtsräte. Die Anteilseignervertreter machen sich auch für die Vertragsverlängerung von VW-Chef Bernd Pischetsrieder stark.

          Porsche-Großaktionär und VW-Aufsichtsratschef

          Wulff hatte Piech nach dem Einstieg von Porsche bei VW im Herbst 2005 einen Interessenkonflikt vorgeworfen. Er gehe davon aus, daß Piech 2007 ganz aus dem Gremium ausscheide, sagte der Ministerpräsident. „Würde er dem Aufsichtsrat weiter als einfaches Mitglied angehören wollen, müßten die Anteilseigner darüber neu entscheiden.“

          Die Familien Porsche und Piech halten alle stimmberechtigten Porsche-Anteile. Wulff hatte wiederholt kritisiert, Piech verstoße mit seiner Doppelrolle als Porsche-Großaktionär und Aufsichtsratschef von VW gegen Grundsätze der guten Unternehmensführung.

          Wiedeking im Präsidium

          Vorstandschef Bernd Pischetsrieder soll nach dem Willen der Großaktionäre mindestens bis 2012 an der Spitze von VW stehen. „Wir werden mit der Arbeitnehmerseite Gespräche führen, daß der Vertrag Pischetsrieders um weitere fünf Jahre verlängert wird“, sagte Wulff. VW wollte sich dazu nicht äußern. Branchenkreisen zufolge soll der Vertrag noch vor der Hauptversammlung am 3. Mai verlängert werden. Pischetsrieder war 2002 Nachfolger von Piech als VW-Vorstandschef geworden.

          Porsche-Chef Wiedeking werde an der Aufsichtsratssitzung im Februar schon teilnehmen, sagte ein Sprecher der Landesregierung in Hannover. Für ihn weicht mit sofortiger Wirkung Lord David Simon, der sein Amt zur Verfügung stellt. Ein VW-Sprecher sagte, der Konzern habe schon mit dem Amtsgericht Braunschweig Kontakt aufgenommen, um die Umbesetzung im Aufsichtsrat zu beantragen. Wiedeking werde auch dem Präsidium des Aufsichtsrates angehören, das von vier auf sechs Posten aufgestockt werde, sagte Wulff.

          Wochenlanges Ringen

          Porsche war im vergangenen Jahr mit 18,5 Prozent der Anteile bei VW eingestiegen und hatte das mit 18,2 Prozent beteiligte Land Niedersachsen als größter Anteilseigner abgelöst. Die zwei Großaktionäre hatten wochenlang um die Vertretung des Sportwagenbauers im VW-Aufsichtsrat gerungen. Wiedeking hatte mindestens zwei Posten dort gefordert. Für den zweiten Sitz des Sportwagenherstellers im VW-Kontrollgremium solle Finanzvorstand Härter vorgeschlagen werden, sagte ein Porsche-Sprecher.

          Die VW-Aktie lag am Nachmittag mit 0,5 Prozent im Minus bei 46,31 Euro. Porsche-Vorzugsaktien gaben knapp 0,6 Prozent nach auf 621,71 Euro.

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