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Aufsichtsrat stützt Diess : Der Machtkampf bei Volkswagen ist vorerst abgewendet

Weiterhin am VW-Steuer: Der Österreicher Herbert Diess Bild: Reuters

Der VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess bleibt in Wolfsburg. Das Kontrollgremium des Autobauers sprach dem Österreicher „die volle Unterstützung“ aus. Auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung muss Diess allerdings vorerst verzichten

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          Der offene Machtkampf bei Volkswagen ist vorerst abgewendet. Der Aufsichtsrat des Wolfsburger Autokonzerns einigte sich am Montagabend auf den neuen Zuschnitt und die Besetzung wichtiger Schlüsselressorts im Vorstand. In einer Erklärung des Gremiums hieß es, VW-Chef Diess und sein neues Vorstandsteam hätten „die volle Unterstützung des Aufsichtsrats, wenn es um die Neuausrichtung auf Elektromobilität, Digitalisierung, aber auch um die Steigerung von Effizienz und Profitabilität in allen Märkten und Konzernteilen geht“.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Der Aufsichtsrat schätze „die Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit“, mit der Diess, den technologischen Wandel, aber auch „die wirtschaftlichen Ergebnisse des Unternehmens“ vorantreibe. Die Forderung des VW-Chefs nach einer vorzeitigen Vertragsverlängerung lief dagegen ins Leere. Sie stand dem Vernehmen nach nicht auf der Tagesordnung. In diesem Punkt hat sich nach Meinung von Konzernbeobachtern Betriebsratschef Bernd Osterloh durchgesetzt, mit dem sich Diess seit Monaten einen kräftezehrenden Machtkampf über die Geschwindigkeit beim Konzernumbau lieferte.

          Diess wiederum hat seine Personalien, die er durch die Belegschaftsvertreter blockiert sah, weitgehend durchgesetzt und zudem – auf dem Papier – die gewünschte „volle Unterstützung des Aufsichtsrats, wenn es um die Neuausrichtung auf Elektromobilität. Digitalisierung, aber auch um die Steigerung von Effizienz und Profitabilität in allen Marken und Konzernteilen geht“. Die Eignerfamilien Porsche und Piech, die gemeinsam mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Stammaktien von Volkswagen halten, erklärten, es sei für sie „von entscheidender Bedeutung, dass Herbert Diess mit seinem neuen Vorstandsteam diese wichtige Phase des Volkswagen Konzerns weiter prägen wird“. Bei der Umsetzung der Strategie für die nächsten Jahre habe er die volle Rückendeckung, „genauso wie bei der Umsetzung von Maßnahmen, die die Wirtschaftlichkeit erhöhen“. Diess‘ Vertrag läuft bis zum Frühjahr 2023.

          Betriebsrat soll Diess' Vertragsverlängerung verhindert haben

          Die vom VW-Chef angestrebte vorzeitige Vertragsverlängerung scheiterte dem Vernehmen nach am Widerstand des Betriebsrats und dessen Vorsitzenden Bernd Osterloh. Im Umfeld des VW-Chefs hatte es zuvor aber immer geheißen, der neue Vertrag sei für Diess nicht primär. In erster Linie gehe es darum, seine Personalvorstellungen für den Vorstand noch in diesem Jahr durchzusetzen. Osterloh sagte nach der Aufsichtsratssitzung, zwischen Aufsichtsrat, Belegschaftsvertretern und Vorstand herrsche „absolute Einigkeit über die konsequente Ausrichtung des Konzerns auf unsere strategischen Ziele der Transformation“. Zugleich bekräftigte er die „Gleichrangigkeit von Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung“ in diesem Prozess. In der Erklärung des Aufsichtsrats heißt es, notwendiger Personalabbau sollte „über die bewährten Personalinstrumente, insbesondere auch den demographischen Wandel“ gestaltet werden. Als Plus konnte der Betriebsrat auch die Entscheidung des Aufsichtsrats verbuchen, am Konzernsitz in Wolfsburg mittelfristig „die richtungsweisende Fabrik für die hochautomatisierte Fertigung von Elektrofahrzeugen“ zu schaffen.

          Diess hat sich damit durchgesetzt, dass Arno Antlitz, der zuletzt Finanzvorstand bei Audi war, im Sommer nächsten Jahres Frank Witter als Finanzvorstand des Konzerns folgen wird. Antlitz, der vor seinem Gang zu Audi lange die Finanzen der Marke VW verantwortete, stieß im Betriebsrat nicht auf Begeisterung. Er soll sich nun nach dem Willen des Aufsichtsrat, „vor allem auf weitere Effizienzsteigerungen konzentrieren“. Witter scheidet Ende Juni aus persönlichen Gründen aus.

          Die Ressorts Beschaffung und Komponente werden im Konzern künftig getrennt. Den Einkauf verantwortet vom 1. Januar 2021 an Murat Aksel, der seine Funktion als Einkaufsvorstand der Marke VW in Personalunion fortführen wird. Thomas Schmall, der die Komponentenwerke von VW führt, wird vom 1. Januar an Vorstand für das neue Ressort „Technik“. Er wird unter anderem für die Vermarktung der Volkswagen-Baukästen an Dritte und die Entwicklung und Herstellung von Batteriezellen verantwortlich sein.

          Der Vorsitzende des Aufsichtsrat, Hans Dieter Pötsch, hat den Kompromiss in den vergangenen Tagen in vielen Einzelgesprächen vorbereitet. Vergangene Woche war eine Aufsichtsratssitzung noch ohne Beschlüsse zu Ende gegangen. VW demonstriere mit den Entscheidungen vom Montag seine Entschlossenheit, „den Wandel der Automobilindustrie weiterhin mit hohem Tempo voranzutreiben“. Das sagte Pötsch nach der Sitzung.

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