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VW-Affäre : „Prostituierte für Hartz beim Treffen des Weltbetriebsrats“

  • Aktualisiert am

Peter Hartz von Vorwürfen belastet Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

VW soll Arbeitnehmervertreter und Manager mit Sex, Fernreisen und Handgeld bei Laune gehalten haben. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft sieht weiter keinen Anfangsverdacht gegen den früheren Personalvorstand Peter Hartz.

          In der VW-Affäre um angebliche Luxusreisen und Edelprostituierte sieht die Braunschweiger Staatsanwaltschaft weiterhin keinen Anfangsverdacht gegen den früheren Personalvorstand Peter Hartz. Das bekräftigte ein Behördensprecher am Donnerstag gegenüber der F.A.Z. Hartz war am Vortag knapp sechs Stunden lang als Zeuge vernommen worden. Anschließend erschien ein Interview mit dem von dem Autokonzern mittlerweile gekündigten Personalmanager Hans-Joachim Gebauer. Dieser erhebt darin schwere Vorwürfe auch gegen seinen früheren Chef Hartz, die er mit eidesstattlichen Versicherungen bekräftigt.

          Gebauer schildert in dem sehr ausführlichen Gespräch mit der Illustrierten "Stern" ein System organisierter Selbstbedienung, in das er eingebunden gewesen sein will. Nach seiner Darstellung war er das Bindeglied zwischen Vorstand und Betriebsrat. Gegen dessen bisherigen Vorsitzenden Klaus Volkert wird mittlerweile wegen des mutmaßlichen Aufbaus von Tarnfirmen zulasten seines Arbeitgebers ermittelt. Nach Gebauers Behauptungen hatte Hartz ihn angewiesen, Volkert "jeden Wunsch zu erfüllen".

          Sex für die Manager, Schmuck für ihre Ehefrauen

          Große Summen seien seit 1996 über "Ersatzbelege" als Spesen abgerechnet worden. Damit seien Dirnen, Fernreisen und "Handgelder" für Betriebsräte sowie einige Manager bezahlt worden, außerdem Schmuck für deren Ehefrauen. Unter den Begünstigten waren den Angaben zufolge auch ein Bundestags- und ein Landtagsabgeordneter, der zugleich VW-Aufsichtsrat sei. Die Vergnügungstouren seien stets an offizielle Termine angehängt worden: "Wir brauchten ja einen Grund, auswärts zu sein." Schließlich seien dafür sogar anonyme Wohnungen eingerichtet worden, weil die Angst aufkam, erkannt zu werden. Zuvor habe der "kleine Kreis der Eingeweihten" in solchen Fällen in Fünf- oder Sechs-Sterne-Hotels gewohnt. So habe man im Frühjahr 2002 eine große Indienreise veranstaltet: "Da war der Gesamtbetriebsratsausschuß dabei, plus Hartz und ein paar andere. Das war eine irrsinnig aufwendige Reise, wir sind mit der großen Werksmaschine geflogen." Gelegentlich habe er "an ältere Kollegen" Viagra-Tabletten ausgeteilt, behauptet Gebauer.

          System organisierter Selbstbedienung: der frühere VW-Manager Gebauer

          „Alles war großartig verschleiert“

          Besondere Anschuldigungen forumuliert er gegen den früheren Betriebsratschef Volkert. Für den habe er sieben Jahre lang 40 bis 50 Treffen mit einer Brasilianerin "in verschiedenen Teilen der Welt" organisiert und bezahlt, darunter ganze Urlaube - "oft mit Business- oder First-class-Flügen". Kontrollen dieser Ausgaben im Unternehmen habe es nicht gegeben: "Unser System war perfekt, alles war großartig verschleiert." Vor jedem Treffen Volkerts mit seiner Geliebten will Gebauer ihm einen Umschlag mit 10.000 bis 15.000 Euro in bar ausgehändigt haben, "damit sie flüssig waren". Dennoch habe er ihm "jedes Straßenbahnticket" bezahlen müssen.

          Das letzte Mal will Gebauer noch Anfang Juni Prostituierte für leitende VW-Mitarbeiter organisiert haben - "zwei Wochen, bevor alles aufflog". Bei einer Tagung des Weltbetriebsrats in Lissabon habe ihm Hartz "in den Ohren gelegen wegen einer Brasilianerin Joselia, die er von einem früheren Treffen kannte". Als sie sie nicht gefunden hätten, habe sich Hartz aus dem Club "Elefanto Branco" ein anderes Mädchen mitgenommen - "auch eine Brasilianerin, sehr hübsch". Die habe Hartz sich dann am Tag drauf noch mal "ins Hotel organisieren lassen". So sei das häufig gelaufen, und meist habe Gebauer die Dirnen bezahlt und später auf Spesen abgerechnet. Hartz habe ja nicht einmal gewußt, "wie viel man dafür bezahlen muß".

          Als Erklärung gibt Gebauer an: "Arbeitnehmerinteressen kümmerten dabei niemanden." Vielmehr sei es um Unternehmensentscheidungen gegangen, für die Volkert, der auch im Aufsichtsratspräsidium saß, habe gnädig gestimmt werden sollen.

          Die Staatsanwaltschaft will die Angaben überprüfen. "Solange wir in den Unterlagen keine Belege dafür finden, ist Herr Hartz für uns kein Beschuldigter." Gegenüber den Strafverfolgern habe sich Gebauer noch gar nicht geäußert. Mit Blick darauf, daß gegen Gebauer wegen Untreue und Betrugs ermittelt wird und er zudem gegen seinen Rauswurf klagt, messen die Strafverfolger seinem Interview allein keine allzu große Bedeutung bei. Außerdem: Solange Hartz nur als Zeuge gilt, kann er nur schwer die Aussage verweigern.

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