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Vorwürfe gegen Pharmafirmen : Bestechungsskandal in Chinas Gesundheitswesen

Der Pharmakonzern Eli Lilly sieht sich schweren Bestechungsvorwürfen gegenüber. Bild: AP

Nach Glaxo Smith Kline und Sanofi gibt es nun auch Schmiergeldvorwürfe gegen die Pharmaunternehmen Novartis und Eli Lilly. Sie sollen Ärzte bestochen haben, damit sie Medikamente der Hersteller verschreiben.

          Der Bestechungsskandal im chinesischen Gesundheitswesen weitet sich aus. Nachdem schon die internationalen Pharmakonzerne Glaxo Smith Kline (GSK) und Sanofi ins Fadenkreuz der Ermittler geraten sind, gibt es jetzt auch Vorwürfe gegen die Schweizer Novartis AG und den amerikanischen Anbieter Eli Lilly. Über die beiden letztgenannten berichtet  die Wirtschaftszeitung „21 Shiji Jingji Baodao“, aus Kanton (Guangzhou), ohne  dass es bisher eine offizielle Bestätigung zu den Ermittlungen gibt.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Novartis soll Ärzte bestochen haben, damit sie Novartis-Medikamente verschrieben. Das Pharmaunternehmen hat  aufgrund der Berichte interne Untersuchungen eingeleitet. Eli Lilly kündigte an, das Unternehmen sei „tiefbesorgt“ über die Anschuldigungen. Man habe sie  nicht verifizieren können, nehme sie aber sehr ernst und gehe ihnen nach.

          Der deutsche Konzern Bayer wies unterdessen einen Bericht der Wochenzeitung  „Die Zeit“ zurück, wonach auch gegen ihn ermittelt werde. „Wir sind von den  Aufsichtsbehörden nicht mit Fragen, Verdächtigungen oder Anschuldigungen  konfrontiert worden, die mit denen der jüngst berichteten Korruptionsfälle in China vergleichbar sind“, teilte Bayer der Nachrichtenagentur AFP mit.

          Korruptionszahlungen „extrem üblich“

          Der chinesischen  Zeitung zufolge sagte ihr ein ehemaliger hoher Manager von Eli Lilly,  Korruptionszahlungen seien „extrem üblich“, um die eigenen Verkäufe in die Höhe  zu treiben und Konkurrenten zu schaden. Eli Lilly habe zwischen 2011 und 2012 solche Gefälligkeitszahlungen im Wert von rund 30 Millionen Yuan geleistet; das sind nach heutigem  Kurs 3,7 Millionen Euro. „Der Umfang des Problems war genauso schlimm wie bei  Glaxo Smith Kline“, sagte der Informant. Allerdings ist die in Rede stehende Summe beim größten britischen Pharmakonzern  mit 3 Milliarden Yuan hundertmal so hoch. Vier chinesische GSK-Manager sitzen in Haft, sie sollen geholfen haben, das Schmiergeld über ein Reisebüro an Ärzte und andere Mitarbeiter im Gesundheitswesen und in den Behörden weiterzuleiten . Auch seien die Mediziner mit Sachleistungen und  sexuellen Diensten entlohnt worden, heißt es.

          Die französische Sanofi SA sieht  sich Anschuldigungen gegenüber, sie habe 500 Mediziner mit 1,7 Millionen Yuan  (0,2 Millionen Euro) bestochen. Auch dieses Unternehmen sagte, es nehme die  Vorgänge „sehr ernst“.

          Eli Lilly & Co aus Indianapolis beschäftigt in China etwa 3800 Mitarbeiter. Es teilte mit, schon 2012 Hinweise auf unnötige  Verschreibungen und überhöhte Arzt-Abrechnungen (Kickback-Zahlungen) erhalten  zu haben. Entsprechende interne Nachforschungen hätten damals aber keine  Ergebnisse erbracht. Das verschärfte Vorgehen der Behörden steht Anwälten zufolge im Zusammenhang  mit einer strengeren Durchsetzung des 2008 neu gefassten Kartellrechts. Dazu gehören als so genannte vertikale Fälle auch  Preismanipulationen innerhalb der Vertriebskette einzelner Unternehmen, etwa  infolge von Bestechungen. Auf der „horizontalen Ebene“, der unerlaubten  Absprache unter Wettbewerbern, haben die Kartellwächter kürzlich sechs Hersteller von Babynahrung zu einer Strafzahlung von umgerechnet 80 Millionen Euro verurteilt.

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