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Vorstandsumbau : Baustelle Deutsche Bank

Die Fassade der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt glänzt. Dahinter sind viele ungelöst Schwierigkeiten verbogen. Bild: AP

Der Vorstandsumbau in Deutschlands größtem Geldhaus zeigt: Das Führungsgremium ist mit den Altlasten der Bank überfordert. Nun droht dort ein Graben zu entstehen. Ein Kommentar.

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          Die Rechtsrisiken bescheren der Deutschen Bank einen Quartalsverlust. Gleichzeitig erweitert Deutschlands größte Bank den Vorstand von sieben auf künftig neun Mitglieder. Der Ko-Vorstandsvorsitzende Anshu Jain begründet den Umbau mit der Aufarbeitung der Altlasten und den aufsichtsrechtlichen Anforderungen, die zunächst unterschätzt worden seien. Das lässt sich auch als Erkenntnis interpretieren, dass der bisherige Vorstand überfordert war. Der ist vor allem mit Altlasten konfrontiert, die größtenteils das früher von Jain verantwortete Investmentbanking verursacht hat.

          Durch den Umbau des Vorstands droht nun aber ein Graben ausgehoben zu werden: Auf der einen Seite befinden sich die Mitglieder, die sich um Altlasten kümmern. Auf der anderen Seite stehen die Vorstände, die sich Zukunftsthemen widmen.

          Warum ist das so? Insbesondere der neu berufene Christian Sewing wird sich auf die Altlasten konzentrieren. Er hat bislang die Interne Revision geleitet. Künftig wird er im Vorstand für Recht und die sogenannte „Incident Management Group“ zuständig sein. Darunter dürften auch die Verhandlungen mit den Aufsichtsbehörden zu verstehen sein. Die aufsichtsrechtlichen Verfahren belaufen sich in der Deutschen Bank inzwischen auf sage und schreibe 180.

          Auf der anderen Seite des Grabens wiederum stehen die Kollegen, die sich Zukunftsthemen widmen. Dazu gehört auch Stefan Krause, der nach der Hauptversammlung am 21. Mai des kommenden Jahres von Marcus Schenck, ehemals Eon-Finanzvorstand und derzeit bei Goldman Sachs in London, abgelöst wird. Der noch amtierende Finanzvorstand wird sich in Zukunft der Konzernstrategie widmen. Es geht dann vor allem darum, die Ansätze in den verschiedenen Sparten wie dem Investmentbanking oder der Vermögensverwaltung zu koordinieren.

          Kritiker sprechen allerdings auch von einer Degradierung Krauses. Diesen widerspricht der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner: Er sei der erfahrenste Manager, um den strategischen Wandel voranzubringen. Dazu gehört natürlich auch die Digitalisierung des Bankgeschäfts, um deren Umsetzung sich aber Technologievorstand Henry Ritchotte vorrangig kümmern soll.

          Schon jetzt stellt sich die Frage, wie die neuen Verantwortungsbereiche genau definiert werden, um Interessenskonflikte zu verhindern. Denn einen  Graben im Vorstand kann sich die Bank gerade nicht leisten.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

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