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Vorstandschef Joe Kaeser : Was hat dieser Mann mit Siemens vor?

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Am Mittwoch präsentiert Vorstandschef Joe Kaeser seine Strategie für Siemens: „Was nicht effizient ist, schaffen wir ab.“ Bild: Roeder, Jan

Siemens-Chef Joe Kaeser krempelt den Elektrokonzern um: Er will mehr Spaß, mehr Umsatz und die ICE-Sparte wegtauschen. Am liebsten in Frankreich.

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          Wenn Wachstum das Elixier eines Unternehmers ist, dann steht Siemens für eine Geschichte des Misserfolgs, ja des Leidens und Versagens: Der Konzern, eine Ikone der deutschen Industrie, hat vor 15 Jahren schon mehr Geld eingenommen als heute. „Mehr Profit und mehr Wachstum“ hat der Vorstandsvorsitzende - der Mann hieß Heinrich von Pierer - seinerzeit versprochen: „Wir wollen weiter nach vorne“, hat er zum Jahreswechsel 2004/05 als Abschiedsgruß hinterlassen.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist anders gekommen, zehn Jahre und drei Vorstandsvorsitzende später ist offenkundig: Statt nach vorne ging es für Siemens allenfalls seitwärts, der Konzern schlug Haken mal in die eine, mal in die andere Richtung. Die Siemens-Männer haben tüchtig Firmen gekauft - und dabei teils kräftig daneben gelangt. Zu den glücklicheren Momenten zählen jene, als sie Teile wie Osram an die Börse und damit in die Freiheit entlassen haben. Ausgliedern und abstoßen entwickelte sich zur Spezialität. Manchmal hat sich das gelohnt. Das Stammgeschäft nach vorne zu treiben, mit eigener Technologie die Konkurrenz auf Abstand halten, das gelang seltener.

          Strapazen sind ihm anzusehen

          Der Manager, der dies nun ändern will, heißt Joe Kaeser, ist sein gesamtes Berufsleben in der Firma und war einst Strategiechef unter Pierer. Die Seele, den Stolz und den Spaß an Innovationen, will er Siemens zurückgeben, so tönt er seit seiner Amtsübernahme im vorigen Sommer. Und wachsen soll die Firma unbedingt, gerne auch mit Übernahmen wie er es jetzt in Frankreich mit Alstom probiert - mit ungewissem Ausgang. Festzuhalten ist schon jetzt: Kaesers niederbayerischer Charme zieht im Volk wie an den ominösen Märkten besser als die Technokraten-Rhetorik seines Vorgängers Peter Löscher.

          Es ist anzunehmen, dass der Manager, 1957 im Bayerischen Wald geboren, noch immer jeden Morgen aufwacht erfüllt vom Stolz, es nach 34 Jahren Siemens an die Spitze geschafft zu haben - die Strapazen des Amtes jedoch sind ihm anzusehen: Grauer ist er geworden, misstrauischer auch, so sagen Leute aus seinem Umfeld. Joe Kaeser spielt nun in einer anderen Liga, in der mit Kanzlerin und Staatspräsidenten, das wirft ihn bis in die Abendnachrichten, was nicht lustig sein muss, wie der verunglückte Auftritt nach seinem Putin-Besuch zeigt.

          Siemens läuft General Electric hinterher

          Hat der Neue also das Zeug zum Staatsmann wie es zur Stellenbeschreibung für einen Siemens-Chef gehört? Heinrich von Pierer sprach auf dem Höhepunkt seiner Macht vor der UN-Vollversammlung, war als Bundespräsident im Gespräch, für niedere Minister-Ämter sowieso. Joe Kaeser kultiviert seine Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr in Niederbayern, dort lebt seine Familie, dorthin zieht es ihn am Wochenende.

          Den hauseigenen Spitzendiplomaten gibt noch immer mit Vorliebe Gerhard Cromme, der Aufsichtsratsvorsitzende, der sich im Schmiergeldskandal zum starken Mann im Hause Siemens aufgeschwungen hat. Cromme hat den damaligen Nobody Löscher geholt und ihn 2013 schließlich geopfert, als es für ihn selbst brenzlig wurde – seither haftet an ihm der Makel als Auslaufmodell.

          Herbe Attacken

          Im Januar, auf der Hauptversammlung, haben ihn die Investoren herb attackiert, worauf Cromme versichert hat, sich um einen Nachfolger zu kümmern. Bis jetzt hat er keinen gefunden – oder keinen finden wollen, wie seine Gegner ätzen, die darauf hoffen, dass Kaeser einen Weg findet, Cromme in einem Akt der Emanzipation elegant abzuservieren: „Erst dann haben wir einen wirklichen Neuanfang.“ Am Mittwoch nun wird der Siemens-Chef in Berlin, dem Geburtsort des Konzerns, seinen Masterplan verkünden: Siemens wird umorganisiert, mal wieder. Tausende Mitarbeiter werden in den Organigrammen hin und hergeschoben, die Zentrale erhält mehr Recht, die Vorstände rücken wieder ein Stück weg vom Tagesgeschäft.

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