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Krise bei Thyssen-Krupp : Gute Manager ohne Rückhalt

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Alle Messen gesungen? Bisher ist es nur ein Gipfelkreuz, das vor Thyssen-Krupps Stahlwerk in Duisburg steht. Bild: dpa

Dass Vorstands- und Aufsichtsratschef eines Konzerns kurz nacheinander entnervt hinwerfen, kommt nicht alle Tage vor. Ein anderer Rücktritt hätte Thyssen-Krupp besser getan. Ein Kommentar.

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          Auch in hiesigen Unternehmen gehört der Rauswurf von Managern zum Alltag. Dass jedoch kurz nacheinander erst der Vorstands- und dann der Aufsichtsratschef entnervt hinwerfen, kommt nicht alle Tage vor. Und das bei Thyssen-Krupp, dem deutschesten aller deutschen Traditionskonzerne. Was ist da los?

          Rückblende: Das frühere Management führte den Stahlkonzern mit kostspieligen Fehlinvestitionen in Brasilien und den Vereinigten Staaten fast in die Pleite. Die neue Unternehmensführung rettete Thyssen-Krupp vor dem Untergang, trennte sich vom Stahl und baute aus alten und neuen Sparten wie U-Booten und Aufzügen einen Mischkonzern. So etwas gefällt nicht jedem Aktionär, denn an der Börse sind Mischkonzerne aus der Mode. Sammelsurien aus ganz unterschiedlichen Sparten locken oft aggressive Hedgefonds an, die mit der Zerschlagung einen fetten Gewinn machen können, wenn die Summe der Teile mehr als das Ganze wert ist.

          Seit dem Elliott-Einstieg steht alles Kopf

          Das Management und auch die Mitarbeiter von Thyssen-Krupp wähnten sich in Sicherheit, obwohl der Umbau nur langsam voranging, weshalb der Aktienkurs im Keller blieb. Sie vertrauten auf die Krupp-Stiftung als größter Aktionär, die über die Unabhängigkeit des Unternehmens zu wachen hat.

          Auch nach dem Einstieg von Cevian vor fünf Jahren änderte sich wenig, obgleich der Private-Equity-Investor inzwischen zweitgrößter Eigentümer ist. Denn die Schweden sind entgegen landläufiger Vorurteile keine „Heuschrecken“. Doch nachdem vor kurzem der für seine extrem rüden Methoden einschließlich Psychoterror berüchtigte amerikanische Hedgefonds Elliott drei Prozent der Aktien erwarb, steht alles Kopf.

          Ist das Chaos bei Thyssen-Krupp ein Lehrstück für den Sieg aggressiver Börsenkapitalisten über die behutsame rheinische Marktwirtschaft? Wer mag, kann das so lesen und auf den Kurssprung an der Börse verweisen. Doch man kann in Unternehmen auch mehr als nur möglichst gute Quartalsergebnisse sehen – etwa an Mitarbeiter, Kunden oder die Verwurzelung vor Ort denken.

          Dann stellt sich die Frage nach der Rolle der Krupp-Stiftung. Ihr Auftrag lautet, die Entwicklung von Thyssen-Krupp zu fördern und die Einheit zu wahren. Natürlich darf der Konzern umgebaut werden. Aber gute Manager sollte man nicht vertreiben, wie es Ursula Gather, die Chefin der Krupp-Stiftung, gemacht hat. Für Thyssen-Krupp wäre es besser gewesen, wenn die überforderte Kuratoriumsvorsitzende zurückgetreten wäre.

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