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Misstrauensvotum : Historische Klatsche für Bayer-Vorstand

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Baumann antwortete auf die Kritik ruhig und blieb bei seiner Linie: Man dürfe angesichts der Kurseinbußen zwar nichts beschönigen, dennoch sei der Monsanto-Kauf auf lange Sicht der richtige Schritt gewesen. „Wir halten die Monsanto-Akquisition nach wie vor für werthaltig und strategisch richtig.“

Man habe die Übernahme vorab gründlich geprüft, sagte der Manager. Aber war es überhaupt möglich, die Rechtsrisiken vorher genau einzuschätzen? Aktionäre meldeten Zweifel an – Monsanto sei auch börsennotiert gewesen, möglicherweise durften die Amerikaner in den Übernahmeverhandlungen gar nicht alle Karten auf den Tisch legen. Baumann ließ auch diesen Vorwurf abperlen: Die Tiefenprüfung des Unternehmens (Due Diligence) sei „marktüblich“ gewesen.

BAYER

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Kritik bei Aktionärstreffen ist – auch bei Bayer – durchaus üblich. Unüblich waren am Freitag hingegen ihre Schärfe und der offene Widerstand von Großaktionären. Im Jahr 2002 hatte es wegen des Lipobay-Skandals für den damaligen Vorstand nur etwa 90 Prozent gegeben. Zuvor hatte Bayer den Cholesterinsenker, der im Zusammenhang mit mehreren Todesfällen stand, vom Markt genommen. Dieser Wert galt schon als extrem schlecht und wurde jetzt bei dem Votum am späten Freitagabend deutlich gerissen.

Im Kreuzverhör 

Die Abstimmung wird die Stellung von Unternehmenschef Baumann womöglich schwächen. Allerdings gab der Aufsichtsrat nach einer eilig einberufenen Sitzung am frühen Samstagmorgen dem Konzernlenker demonstrativ Rückendeckung. Man stehe „geschlossen hinter dem Vorstand“, hieß es von Seiten des Kontrollgremiums. Man werde den Vorstand dabei „unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre und weiterer Stakeholder in das Unternehmen und seine Strategie schnellstmöglich und vollständig wieder zurückzugewinnen“.

Auch der Versammlungsleiter und Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning hatte bei der Hauptversammlung einen Dämpfer bekommen. Sein Kontrollgremium wurde nur mit 66,4 Prozent des vertretenen Grundkapitals entlastet, nach 98 Prozent im Vorjahr.

Bei der Veranstaltung hatte der 56-jährige Baumann im Kreuzverhör der Anteilseigner beteuert, dass sich der Aktienkurs erholen werde: „Wir setzen alles daran, den Wert unseres Unternehmens wieder in die Bereiche zu führen, wo er hingehört.“ Zudem wies er auf gute Zahlen hin. Tatsächlich hatte Bayer sich zum Jahresauftakt betriebswirtschaftlich insgesamt gut entwickelt, der Umsatz legte deutlich zu. Doch die dunklen Wolken wegen der Monsanto-Rechtsrisiken trübten die Stimmung der Aktionäre nachhaltig.

Keine Angaben zur Menge an Pestiziden

Während in das Bonner Kongresszentrum WCCB rund 3600 Aktionäre gekommen waren, protestierten vor den Türen des Gebäudes bis zu 700 Demonstranten am Morgen lautstark – darunter vor allem junge Menschen aus der „Fridays for Future“-Bewegung. Große Agrarkonzerne wie Bayer seien schlecht für die Umwelt und damit für die Zukunft, sagte Aktivist Felix Pohl draußen auf der Straße.

Zehn Stunden später tauchte der 20-Jährige dann in dem Kongresszentrum auf und prangerte die „Profitgier“ von Bayer an. Nach seinem Redebeitrag skandierte er mit einigen Mitstreitern im Saal: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut.“ Diesmal war der Chor der Aktivisten allerdings leiser als am Morgen, als Hunderte von ihnen den „Fridays“-Slogan geschrien hatten.

Pohls Frage, wie viele Liter Pestizide Bayer im vergangenen Jahr produziert habe, führte allerdings zu keinen neuen Erkenntnissen: Man veröffentliche Umsätze in der Agrarsparte, aber keine Mengen, entgegnete Baumann dem „Fridays“-Aktivisten.

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