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Besuch von Gabriel : Deutsche Wirtschaft glaubt an Iran-Boom

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Straßenszene in Teheran: Wirtschaftsminister Gabriel soll die Exportfinanzierung bei seinem Besuch vereinfachen. Bild: AP

Wirtschaftsminister Gabriel reist bereits zum zweiten Mal nach Iran. Das Interesse der deutschen Wirtschaft an Geschäften mit dem Land ist riesig. Doch es bleiben einige Hürden.

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          Trotz massiver Probleme bei der Exportfinanzierung rechnet die deutsche Wirtschaft mittelfristig mit Milliardengeschäften im Iran. „Ich halte es nach wie vor für realistisch, dass wir in fünf bis sieben Jahren bei den deutschen Ausfuhren zehn Milliarden Euro erreichen können“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, vor dem Besuch von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in Teheran. Im Vorjahr lagen die deutschen Exporte bei etwa zwei Milliarden Euro.

          Auch der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnete mit einem Wachstumsschub. „Vor allem die Modernisierung der iranischen Öl- und Gaswirtschaft eröffnet dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau immense Marktchancen“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Allerdings beklagte Grillo eine „unübersichtliche Situation“ bei den Finanzierungsmöglichkeiten für Geschäfte im Iran.

          Video : Deutsche Firmen hoffen auf iranischen Markt

          Trotz des Atom-Abkommens sind noch einige amerikanische Sanktionen in Kraft - so schrecken europäische und deutsche Großbanken mit Amerika-Geschäft davor zurück, Exporte in den Iran zu finanzieren. Nun hofft die Wirtschaft, dass Gabriel einen Teil der Probleme lösen kann. Kann er Teheran dazu bewegen, Altschulden iranischer Firmen von 500 Millionen Euro zu begleichen, will die Bundesregierung selbst bei der Finanzierung vorangehen. Mit Hermes-Bürgschaften will sie Iran-Geschäfte deutscher Firmen absichern. Zahlt der iranische Partner nicht, springt der Bund ein. „Wenn der deutsche Staat bei Exporten in die Haftung gehen kann, wäre das ein wichtiges Signal an die Geschäftsbanken“, sagte Treier.

          Gabriel bricht am Montag mit einer großen Wirtschaftsdelegation in den Iran auf. Am Dienstag wird er in Teheran die Sitzung der deutsch-iranischen Wirtschaftskommission eröffnen, die zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder tagt. Dazu werden mehr als 150 deutsche Manager erwartet. Auch ein Treffen mit Präsident Hassan Ruhani ist geplant. Gabriel war der erste westliche Minister, der im Juli 2015 nach der Einigung im Atomstreit in die Islamische Republik gereist war. Nicht einmal ein Jahr später begibt er sich nun wieder nach Teheran, um die Belebung der einst engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Iran weiter voranzutreiben.

          Große Potenziale einer engeren Zusammenarbeit

          Seit der Aufhebung von Sanktionen gegen den Iran bemüht sich die deutsche Wirtschaft intensiv um lukrative Aufträge aus dem Land. In den Jahren zuvor hatte sich der deutsche Export nahezu halbiert. 2014 wurde mit einem Wert von knapp 2,4 Milliarden Euro erstmals wieder ein kräftiges Plus verzeichnet, vergangenes Jahr gingen die Exporte aber wieder auf 2,07 Milliarden Euro zurück. Andere Länder, allen voran China, haben Deutschland längst den Rang abgelaufen.

          „Gerade in den Bereichen Maschinenbau oder erneuerbare Energien sehen wir große Potenziale einer engeren Zusammenarbeit“, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Zahlreiche Industrieanlagen im Iran sind veraltet, die Infrastruktur muss modernisiert werden. Zudem soll die Nutzung erneuerbarer Energien ausgebaut werden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hält es für möglich, dass sich die deutschen Exporte in den Iran innerhalb weniger Jahre auf rund zehn Milliarden Euro verfünffachen.

          „Die öffentliche Euphorie diverser Kreise kann ich für den Maschinenbau nicht bestätigen", erklärt hingegen Klaus Friedrich vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. "Die meisten Maschinenbauer haben umfangreiche Vorerfahrung mit Iran-Geschäften und die politische und rechtliche Entwicklung aufmerksam verfolgt." Sie seien daher "positiv, aber deutlich realistischer eingestellt".

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